Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Roßlache wird Landschaftsschutzgebiet

Wichtig für Naherholung: die Roßlache bei Oppau.
Wichtig für Naherholung: die Roßlache bei Oppau.

Zwischen Oppau, Friesenheim und der Melm entsteht ein Landschaftsschutzgebiet. Die Stadt will damit eine Bebauung ausschließen. Damit endet eine fast 100 Jahre lange Debatte über das Areal, das schon Generationen von Planern beschäftigt hat.

Hätte es den Zweiten Weltkrieg nicht gegeben, dann wäre aus der Roßlache ein Baugebiet geworden. Erste Pläne dafür datieren auf das Jahr 1928 zurück. Doch wegen des Kriegs wurde nichts daraus. In den 1950er-Jahren wurden die Pläne für eine Bebauung wieder aufgegriffen. Wohnraum war Mangelware in der Stadt. So war auf dem Areal nördlich des Willersinnweihers eine neue Siedlung für etwa 8000 Menschen vorgesehen. Doch das Projekt kam nicht voran.

Der auch mit der Planung der Pfingstweide beauftragte Architekt Albert Speer junior bekam schließlich 1970 von der Stadt den Auftrag, Entwürfe für die Bebauung zu erstellen. Speer plante in der Roßlache eine neue Siedlung für 12.000 Menschen. Doch als das Bevölkerungswachstum in Ludwigshafen stagnierte, wurde die Pläne zurückgestellt. 1977 wurde der Flächennutzungsplan für Ludwigshafen aufgestellt. Landschaftsplaner und Klimatologen meldeten Bedenken gegen eine Bebauung an: Dadurch würde die Klimafunktion der größtenteils landwirtschaftlich genutzten Fläche beeinträchtigt. Man klammerte daher das Gebiet der Roßlache vom Wohnungsbau aus.

BASF-Forschungszentrum im Gespräch

Ab etwa 1980 wurden verschiedene Konzepte für die Roßlache entwickelt. Eine Idee war, am Ostrand BASF-Gebäude für Verwaltung und Forschung, Sportanlagen sowie die Werksgärtnerei zu bauen. Dagegen formierte sich bald erbitterter Widerstand. Eine Bürgerinitiative wollte das Areal als Naherholungsgebiet und Frischluftschneise erhalten. Die politischen Parteien waren gespalten in der Frage.

Im Oktober 1987 beschloss der Stadtrat eine Teilbebauung: Geplant war ein ringförmiges, sechs Stockwerke hohes Forschungs- und Verwaltungszentrum mit einer Nutzfläche von 60.000 Quadratmetern. 3000 Arbeitsplätze sollten dort entstehen. Nördlich sollten sich die Gärtnerei und ein Sportpark anschließen. Doch aus den Plänen des Chemiekonzerns wurde nichts.

Die Bürgerinitiative „Rettet die Roßlache“ protestierte vehement. Es gab Märsche und Bürgerversammlungen. Anfang 1988 beschloss der Stadtrat eine Ergänzung des Flächennutzungsplans für die Roßlache. Die BASF hätte dennoch auf dieser Grundlage ihr Forschungszentrum bauen können, tat es aber nicht. In den 1990er-Jahren wurde statt in der Roßlache in der Melm ein Neubaugebiet realisiert – eine weitere Bebauung darüber hinaus war nicht vorgesehen.

Seit über 20 Jahren im Gespräch

1999 begann schließlich das Verfahren, um die Roßlache als Landschutzgebiet auszuweisen. Über 20 Jahre später soll dieses Ziel nun endlich erreicht werden. Umweltbereichsleiter Rainer Ritthaler hat dem Ortsbeirat Oppau im Februar die Pläne vorgestellt. Das Landschaftsschutzgebiet umfasst die Seen am Willersinn und erstreckt sich dann bis an den Ortsrand von Oppau. In westlicher Richtung verläuft das Areal am Neubaugebiet Melm entlang bis zum Bahngleis, in östlicher Richtung etwa bis zum Bremmenweg. Das 214 Hektar große Gebiet besteht größtenteils aus Ackerland.

Die genauen Grenzen sind laut Stadt aber noch nicht festgelegt. Klar ist aber, dass die Äcker zwischen Langgartenstraße und Bremmenweg außen vor bleiben, weil sonst der Flächennutzungsplan geändert werden müsste. Auch das geplante Ärztezentrum am Oppauer Ortsrand liegt einige Hundert Meter außerhalb des Gebiets.

Mit der Unterschutzstellung sollen laut Ritthaler folgende Ziele erreicht werden: eine Erholungslandschaft für die Menschen zu sichern, die Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten und vor allem einen klimatisch bedeutsamen Raum zu bewahren. Laut einem Klimagutachten hat die Roßlache eine wichtige Funktion bei der Frischluftversorgung angrenzender Stadtteile im Sommer. „Es ist daher wichtig, diesen Bereich frei zu halten“, meinte Ritthaler. Durch Blühwiesen, Obstbäume und Gehölze sei es gelungen, Vögeln und Insekten wieder einen Lebensraum zu geben. Die politischen Gremien stimmten in diesem Jahr zu, so dass nun der Weg für das Landschaftsschutzgebiet frei ist.

Pläne liegen aus

Die Stadtverwaltung hat im Oktober die Karte für das 230 Hektar große Gebiet öffentlich ausgelegt. Das Areal umfasst Teile der Gemarkungen Edigheim und Oppau. Der sogenannte Verordnungsentwurf und die Karte liegen bis Freitag, 11. November, im Bereich Umwelt, Bismarckstraße 29, Zimmer 107, aus. Die Unterlagen können montags, dienstags, mittwochs und freitags von 9 bis 12 Uhr und donnerstags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 15 Uhr eingesehen werden. Jeder, dessen Belange durch das Vorhaben berührt werden, kann bis spätestens zwei Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist Anregungen und Einwendungen schriftlich, zur Niederschrift oder auf elektronischem Wege bei der Unteren Naturschutzbehörde vorbringen, so die Verwaltung.

Mit ernstzunehmenden Einsprüchen rechnet der Oppauer Ortsvorsteher Frank Meier (SPD) nicht. „Ich begrüße das Landschaftsschutzgebiet ausdrücklich. Es hat eine wichtige Funktion für die Naherholung der Bürger“, sagt Meier. Daher sei die Offenlage wohl nur noch ein formaler Akt. Wann das Gebiet dann offiziell zum Landschaftsschutzgebiet wird, steht noch nicht genau fest. Laut Verwaltung könnte dies in ein bis zwei Jahren der Fall sein.

Noch Fragen?

Die Rechtsverordnung und die Karte für das Landschaftsschutzgebiet finden sich auf der städtischen Homepage ludwigshafen.de. Kontakt zum Umweltamt ist über E-Mail möglich: umwelt@ludwigshafen.de.

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