Ludwigshafen
RNV tief in die roten Zahlen gefahren
Ein schwieriges Jahr liegt hinter der Rhein-Neckar Verkehr GmbH (RNV). Corona hat für ordentliche Einbußen gesorgt, doch jetzt gibt es ein Licht am Ende des Tunnels. Seit den Lockerungen im Mai entwickle sich das Geschäft wieder positiv. „Aktuell haben wir etwa 80 bis 90 Prozent der normalen Nachfrage in der Ferienzeit“, sagt Christian Volz, seit 2014 kaufmännischer Geschäftsführer der RNV.
Zehn Prozent der Kunden kündigten in den vergangenen 18 Monaten ihr Abonnement, doch Volz gehört augenscheinlich zu der Kategorie „Optimist“. „Es ist doch eine gute Nachricht, dass wir nur zehn Prozent verloren haben, aber 90 Prozent unserer Kunden uns die Treue gehalten haben“, sagt der gebürtige Oggersheimer. Er zeigt sich zuversichtlich, dass es mit dem Impffortschritt im Herbst bei den Fahrgastzahlen wieder aufwärts gehe. „Allerdings werden wir 2022 noch nicht wieder bei 100 Prozent sein“, prognostiziert der 52-Jährige.
Ins Minus gefahren
Die RNV durchlief im vergangenen Jahr Höhen und Tiefen. Als es ins Homeoffice ging, Schüler vom heimischen PC aus dem Unterricht folgten, brach auch das Geschäft der Verkehrsgesellschaft vorübergehend ein. „Im März/April war fast nichts los. Wir hatten einen Rückgang von rund 80 Prozent“, sagt der Geschäftsführer. In dieser Zeit reduzierte die RNV ihr Angebot deutlich, doch schon Ende April habe man es auf fast 100 Prozent wieder hochgefahren, unterstreicht er.
Neben Einnahmeverlusten durch den fehlenden Fahrkartenverkauf kamen weitere aufwendige und kostspielige Maßnahmen zum Infektionsschutz hinzu, die alles in allem für ein Minus in den Kassen der RNV sorgten. Der von Bund und Ländern eingerichtete Rettungsschirm sorgte dafür, dass die coronabedingten Mindereinnahmen aufgefangen werden konnten. Im vergangenen Jahr waren dies rund 30 Millionen Euro, 2021 sind es bis zum jetzigen Zeitpunkt 20 Millionen, die zugeschossen wurden, um die Einnahmeverluste auszugleichen.
Die RNV hat einiges dafür getan, dass die Fahrt mit Bus und Bahn auch in Zeiten von Corona so sicher wie möglich bleibt. So wurden beispielsweise Trennwände eingebaut, um die Ansteckungsgefahr für Kunden und Fahrpersonal auf ein Minimum zu reduzieren. Die Fahrzeuge werden zudem regelmäßig desinfiziert. Das Tragen einer Maske ist nach wie vor Pflicht. „Und wird es sicherlich auch erst einmal bleiben, aber das ist ja auch normal geworden“, sagt Volz. Ein Großteil der Kunden halte sich an die Regeln, hat der Geschäftsführer festgestellt. Das Risiko, sich im Bus oder in der Bahn mit dem Coronavirus zu infizieren, sei nicht höher als bei einer Fahrt im privaten Auto mit einer Fahrgemeinschaft. Dies jedenfalls besagt ein Gutachten einer Tochtergesellschaft der Charité, das die Länder und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in Auftrag gegeben hatten, das aber wegen der Datengrundlage der Studie nicht unumstritten ist.
Marketingaktionen
Um neue Kunden zu akquirieren, alte zurückzugewinnen und Stammkunden für ihre Treue zu belohnen, wirbt die RNV derzeit gleich mit drei Marketingaktionen. Wer beispielsweise das Job-Ticket, das Rhein-Neckar-Ticket oder die Karte ab 60 im Zeitraum bis Oktober erwirbt, erhält als Willkommensbonus einen Monat gratis. Noch bis zum 11. September haben RNV-Kunden die Möglichkeit, mit ihrer Jahreskarte durch ganz Baden-Württemberg mit dem ÖPNV zu reisen. Vom 13. bis 26. September können Fahrgäste, die ein gültiges ÖPNV-Abo besitzen, bundesweit ohne zusätzliche Kosten Nahverkehrsangebote nutzen.
Inwieweit hat die Sperrung des Fahrlachtunnels, die den motorisierten Individualverkehr hart trifft, Auswirkungen auf den ÖPNV? Für die RNV sei dies derzeit kein großes Thema, sagt Volz. Bei den Bussen sehe er wenig Spielraum. Kommt es infolge der Sperrung zu Staus, würden auch die Busse im Stau stehen, gibt er zu bedenken. Eine Taktverdichtung sei aktuell nicht angedacht. „Bei den Stadtbahnen sind wir limitiert durch die Anzahl der Fahrzeuge“, sagt Volz, ergänzt aber, dass es Reserven gebe und die Verkehrsmittel bei weitem noch nicht ausgelastet seien. Mal 20 Minuten früher oder später fahren, rät er allen, die überfüllten Bussen und Bahnen aus dem Weg gehen wollen.
Neue Tram ab 2022
Beim Fahrzeugpark setzt die RNV ab dem kommenden Jahr auf die „Rhein-Neckar-Tram“. Die neuen Stadtbahnen werden dann auf Linien in der Metropolregion Rhein-Neckar unterwegs sein. Ein Teil des in die Jahre gekommenen Fuhrparks wird durch 80 neue Bahnen ersetzt.
Bei den Fahrten von und zur BASF wird es ab 30. August und 13. September Zusatzangebote und ausgeweitete Bedienzeiten – morgens vor sechs Uhr – auf verschiedenen Linien (unter anderem Buslinie 78) geben. Ab 13. September ist eine Kapazitätserweiterung und Taktverdichtung im Verkehr zwischen Ludwigshafen (Innenstadt, Mundenheim, Rheingönheim) und Mannheim (Innenstadt) durch ein zusätzliches Fahrtenangebot in den Berufsverkehrszeiten im 20-Minuten-Takt geplant, gekennzeichnet als Linie 6E. Dadurch verspreche man sich eine Stabilisierung des Betriebs und Reduzierung von Verspätungen, erklärt ein RNV-Sprecher.
Noch Fragen?
Die Abfahrtszeiten und Linien sind ab Donnerstag, 26. August, unter www.rnv-online.de/fahrplanwechsel-LU abrufbar.