Ludwigshafen
Riesige Sparbüchse: Drei griechische Graphik-Designer verschönern Sparkassenwand
18 Meter hoch und 14,5 Meter breit ist die Wand an der Rückseite der Sparkasse gegenüber der Rhein-Galerie. Neuerdings ziert sie eine weithin sichtbare Bemalung, die wie ein Gemälde aus der Schule der konkreten oder geometrischen Kunst aussieht. Wer genauer hinschaut, der kann in der zunächst wie ein Wirrwarr von Mustern wirkenden Bemalung eine Folge von Buchstaben erkennen, die sich von links oben nach rechts unten erstreckt. Das große B drängt sich dem Auge geradezu auf, das O daneben ist wie eine Diskette stilisiert und das Kreuz rechts außen lässt sich dann leicht als x lesen. Mit den Typographien darüber ergibt sich insgesamt das englische Wort „moneybox“, Sparbüchse, passend zum Gebäude der Sparkasse Vorderpfalz.
Angesichts der Ausmaße dieser Wand nimmt sich die Signatur unten rechts, mit der die Schöpfer des Wandgemäldes ihre Autorschaft bekräftigt haben, klein aus. „Parisko_Blaqk_2020“ steht da in Majuskeln. Parisko, das ist Paris Koutsikos, hinter Blaqk verbergen sich Greg Papagrigoriou und Chris Tzaferos. Zu dritt sind sie aus Athen angereist und haben innerhalb von fünf Tagen im Auftrag des Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museums die Wand bemalt. Mit einem Hubsteiger haben sie sich in die Höhe geschraubt, haben entsprechend ihrem Entwurf Klebeband an der Wand angebracht und dann schwarze Farbe aufgetragen.
„Etwas Herausragendes für Ludwigshafen“
Die drei Griechen betrachten sich jedoch weniger als Graffiti-Künstler, denn als Graphik-Designer mit einem Faible für Typographie, wie Paris Koutsikos betont. Dennoch, meint der Direktor des Wilhelm-Hack-Museums René Zechlin, biete das Trio mit seiner Verbindung von Kalligraphie, Typographie und Geometrie, mit seinen abstrakten Schriftzügen nach einer minimalistischen Schwarz-Weiß-Ästhetik einen neuen, außergewöhnlichen Ansatz in der gewöhnlich figurativ und expressiv ausgerichteten Street Art. Thomas Traue, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Vorderpfalz, meinte sogar bei der öffentlichen Vorstellung des Wandgemäldes am Freitag, sie hätten „etwas Herausragendes für Ludwigshafen geschaffen“ und bedankte sich auf Griechisch. Stefanie Kleinsorge, die Leiterin des Bereichs Kultur in der Stadtverwaltung, merkte an, dass ihr Blick jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit auf die bemalte Wand falle. Zu den vielen Baustellen und den vielen Abrisshalden in der Stadt setze das Gemälde ein Gegengewicht und zeige, „dass es auch vorwärts geht“. Und an der Reihe „Muralu“ – eine Zusammensetzung aus dem englischen Mural für Wandgemälde und der Abkürzung für Ludwigshafen – lobte sie, dass sich die Kunst „in den Stadtraum hinein öffnet“.
Der erste Graffito entstand im Oktober 2018 im Luitpoldhafen neben der Rhenus-Halle und wurde von dem Amerikaner Augustine Kofie aus geometrischen Formen und Buchstaben auf eine Häuserfassade aufgetragen. Gleich am vergangenen Samstag wurde die Reihe dann am Freiwilligentag im Ebertpark fortgesetzt. Im ehemaligen Rosengarten des Parks haben Parisko und Blaqk sowie sechs Graffiti-Künstler aus der Rhein-Neckar-Region die dort verbliebenen etwa zwei Meter hohen und sechs bis acht Meter breiten Wände bemalt.
Zehn weitere Wandgemälde folgen
René Zechlin kündigte an, dass schon in den nächsten Monaten zehn weitere Wände im gesamten Stadtgebiet hinzukämen. Dabei werde Ludwigshafen auf einen eigenen, sich von den Murals in Heidelberg und Mannheim, wo schon seit Längerem internationale Graffiti-Künstler große Wandflächen verschönern, abhebenden Stil achten. An der Sparkasse Vorderpfalz lobte der Museumsdirektor Entgegenkommen und großzügige Finanzierung, an der sich auch die BASF beteiligt. Das Wilhelm-Hack-Museum hat vor, Führungen zu den „Muralu“-Graffiti in ein für den Herbst 2021 geplantes Street-Art-Projekt zu integrieren. Für Hinweise auf Flächen oder Angebote einer Wandbemalung ist das Museum dankbar.