Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Rhein-Galerie: Kunstwerk schmückt Leerstand

Mit großen Papierbahnen schmückten die Künstlerinnen (hier im Gespräch mit Eleonore Hefner, Zweite von rechts) das Schaufenster.
Mit großen Papierbahnen schmückten die Künstlerinnen (hier im Gespräch mit Eleonore Hefner, Zweite von rechts) das Schaufenster.

Zum zweiten Mal bespielt das Künstlerkollektiv jaah einen Leerstand in der Rhein-Galerie. Im Obergeschoss wurde ein Schaufenster mit einem Siebdruck-Kunstwerk geschmückt.

Siebdruck ist ein Verfahren, bei dem die Druckfarbe mit einer Gummirakel durch ein feinmaschiges Gewebe auf das Material gedruckt wird. Es eröffnet viele Möglichkeiten der Anwendung, wie schon nach einem kurzen Gespräch mit den drei Künstlerinnen klar wird. Sabine Amelung mag das Arbeiten mit Schablonen. Der Teil der Installation, den sie gestaltet hat, zeigt Menschen, die in unterschiedlicher Haltung und in großen Gruppen angeordnet sind, mal stehend, mal in der Hocke. Geometrische Formen nutzen alle drei. Ihre Tochter Anna Amelung hat filigrane Symbole gewählt, deren Bedeutung der Fantasie überlassen bleibt, Michaela Jäkel Schattenbilder aus verschiedenen Perspektiven gedruckt.

Wenngleich alle drei ihren eigenen Stil in die Arbeit eingebracht haben, ist es ein harmonisches Ganzes geworden. Das liegt an den gemeinsam verwendeten Farben, die sich auf Schwarz, Weiß und fluoreszierendes Orange beschränken, und auch am Übergang von Motiven auf andere Papierbahnen. Die Drucke sollen unmittelbaren Bezug auf Gesehenes, Erlebtes und Empfundenes nehmen. Abstrakte Formen treffen auf konkrete Erzählungen.

Der Kunst Raum gegeben

Michaela Jäkel hat einen Abschluss in Textildesign, Sabine Amelung einen Abschluss an der Freien Kunstakademie in Mannheim gemacht. Tochter Anna ist seit ihrer Jugend mit dem künstlerischen Geschehen im Elternhaus aufgewachsen „und so selbstverständlich in das Atelier von jaah in Limburgerhof involviert“, wie sie sagt. Durch den unterschiedlichen Hintergrund verwendet jede der drei Künstlerinnen eine andere Technik. Siebdruck sei das bevorzugte künstlerische Medium, sagen Sabine Amelung und Michaela Jäkel. In der Siebdruckwerkstatt der Alten Feuerwache in Mannheim sind die beiden einander vor fünf Jahren zum ersten Mal begegnet. „Der satte Farbauftrag ist spannend. Er bietet viele Möglichkeiten“, beschreibt Amelung. Sie arbeite auch gerne mit Stempeln. Jäkel begeistert, dass beim Siebdruck mit vielen Farben auf viele Untergründe gemalt werden kann. „Man kann mit Zeichnungen, Fotos oder Schriften arbeiten“, sagt sie. „Ich verwende noch immer gerne Stoffe“, bekennt sie in Bezug auf ihr Studium.

Eleonore Hefner, Geschäftsführerin des veranstaltenden Vereins Kultur Rhein-Neckar, kennt Siebdruck spätestens seit den 1980er-Jahren. „Es war die bevorzugte Druckmöglichkeit für Plakate“, erinnert sie sich. Sie hat bereits einige gemeinsame Projekte mit jaah realisiert. Trotz des Kontrasts zwischen den Vorlieben hätten hier drei Künstlerinnen zusammengearbeitet. Das Kollektiv arbeite stets in Räumen. Sie freue sich daher, dass ihnen in einem Einkaufszentrum „Raum“ gegeben wurde. Sabine Amelung betont: „Es ist schön zu sehen, dass uns hier das Vertrauen gegeben wurde. Denn bei Siebdruck passiert etwas Anderes als beim Fotografieren, es regt andere Sinne an.“

Zweite Arbeit in der Rhein-Galerie

Die Installation entstand an zwei Tagen Ende August. Sie ist in einem Schaufenster im Obergeschoss der Rhein-Galerie gegenüber des „Aquariums“ zu sehen. Kleinere Formate entstanden während der großen Installation. Auch sie werden präsentiert und können gekauft werden.

Es ist nicht die erste Arbeit im Einkaufszentrum. 2024 regten die drei Künstlerinnen zu einem kollektiven Gedankenarchiv an. Mit dem Projekt „Headlines“ wurden Menschen angesprochen, die zeichnen sollten, was ihnen spontan zu einer der präsentierten Überschriften einfiel. Zu Papier kamen unterschiedlichste Assoziationen, die die Künstlerinnen zu einem Gesamtbild zusammenfügten. Im Sommer 2024 füllten zahlreiche der „Headlines“-Zeichnungen ein Leerstands-Schaufenster.

Gegründet wurde jaah im Jahr 2022 von Sabine Amelung, Anna Amelung, Jürgen Hatzenbühler und Michaela Jäkel. Das Kollektiv verbindet Zeichnen, Malen, Fotografieren und Drucken sowohl in klassischen Medien wie Papier, Leinwand, Holz oder Stoff als auch in raumbezogenen Installationen.

x