Ludwigshafen
Rentnerin abgezockt: Polizei warnt vor Betrügern
Cornelie Mattern und ihr Ehemann sind verärgert. Sie ärgern sich, wie die 74-Jährige sagt, über ihre eigene „Blödheit“. Sie seien betrogen worden, sagt Mattern. Ende Februar wollte das Paar das Dach über ihrer Terrasse reinigen lassen. Mattern rief also bei einer Firma an, die so etwas anbietet. „Eine halbe Stunde später stand der Chef der Firma vor unserer Tür“, erzählt sie. Er habe sich die Terrasse angeschaut und aufgezählt, was alles repariert werden müsse. „Für 15.000 Euro wollte er uns alles wieder schön machen“, berichtet sie weiter. „Wir sind Rentner, so viel Geld haben wir nicht.“ Nach Uhren, Schmuck und Gold, die sie stattdessen verkaufen könnten, soll der Mann sie gefragt haben.
Die Reinigung wurde vereinbart, alles andere abgelehnt. Mattern sollte 1000 Euro vorauszahlen: für die Putzmittel. Am nächsten Tag, so erzählt sie, habe der Sohn des Chefs einen Arbeiter abgesetzt. Der habe das Dach vier Stunden lang mit einem Hochdruckreiniger abgesprüht. Eine eigene Leiter habe er dafür jedoch nicht dabeigehabt. Den Arbeiter und weitere 1000 Euro habe der Sohn dann wieder abgeholt.
Betrüger nutzen Notlage aus
Was Cornelie Mattern erlebt hat, ist Wucher und kommt nicht selten vor. Vor allem nach Unwettern stellt das die Polizei Ludwigshafen vermehrt fest. Hauseigentümer ließen Schäden am Dach oder an Fenstern schnell reparieren und gerieten dabei oft an unseriöse oder falsche Handwerker, so ein Sprecher der Polizei. Ein Stromausfall durch einen technischen Defekt, berichtet er, kostete eine Familie aus Oppau 1000 Euro. Der Notdienst habe im Internet den falschen Eindruck erweckt, ortsansässig zu sein – eine beliebte Masche.
Auf ihrer Website warnt die Polizei vor solchen Machenschaften. Unseriöse Firmen verlangen demnach überhöhte Preise, eine sofortige Zahlung und nutzen die Notlage der Kunden aus – wie es auch im Fall von Cornelie Mattern war. Sie habe die Kosten nicht einschätzen können, erzählt sie. Spätestens als ihre Nachbarn für die gleiche Reinigung nur 100 Euro bezahlten, war klar: „Wir wurden über den Tisch gezogen.“ Dass sie als Rentnerin Opfer einer solchen Masche wurde, ist kein Einzelfall. Weil sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr alle Arbeiten im Garten und im Haus selbst erledigen kann, ist sie auf Handwerker angewiesen.
„Dachhaie“ in Ludwigshafen unterwegs
Der Sprecher der Polizei berichtet von ähnlichen Fällen. Bei einer 81-Jährigen aus dem Ludwigshafener Stadtteil Pfingstweide habe ein Mann geklingelt und sie darauf hingewiesen, dass Reparaturen an ihrem Haus nötig seien. Er habe sich als Mitarbeiter einer ortsansässigen Firma ausgegeben und behauptet, dass er in der Nähe auf einer Baustelle arbeite. Die Frau habe laut Polizei bei der Firma nachgefragt: Die Baustelle gab es nicht. Weniger glimpflich kam eine 70-Jährige aus der Gartenstadt davon. Zwei Dacharbeiter, die sie nicht bestellt hatte, nötigten der Frau 300 Euro ab. „Dachhaie“ nennt die Polizei solche Betrüger – Handwerker, die minderwertige Arbeiten an Dächern zu Wucherpreisen erbringen. Oftmals verlangen sie eine Vorauszahlung und verlassen die Arbeiten unvollendet. Meist sind sie für die Kunden danach nie wieder erreichbar.
Wie sich Kunden vor solchen unseriösen Angeboten schützen können, darüber informiert die Polizei auf ihrer Website. Bei der Suche nach Angeboten im Internet sollen Kunden darauf achten, dass die Firmen ein Impressum haben. Wer im Telefonbuch sucht, sollte nach dem genauen Firmensitz fragen – mit Ortsvorwahlen kann Nähe vorgetäuscht werden. Kommt es zu einem Auftrag, sollte vorher ein Preis festgelegt werden. Auch eine Rechnung ist wichtig. Kunden sollten prüfen, ob alle Leistungen, die darauf stehen, erbracht wurden. Die Rechnung muss nicht sofort beglichen werden. Wer sich unsicher ist oder nicht alle Inhalte verstanden hat, sollte nichts unterschreiben. Wer bedroht wird, soll die Polizei rufen und Nachbarn als Zeugen hinzuholen.
Noch Fragen?
Tipps, wie man unseriöse Handwerker oder falsche Handwerker erkennen kann und sich vor diesen schützt, finden Sie auf der Website der Polizei.