Ludwigshafener Geschichte(n) RHEINPFALZ Plus Artikel Rekord-Hochwasser verwüstet zum Jahreswechsel 1882/83 die Region

Verwüstet: Edigheim nach dem Hochwasser 1882/83.
Verwüstet: Edigheim nach dem Hochwasser 1882/83.

Der normalerweise eher gemütliche „Vater Rhein“ hat in der Kurpfalz auch eine brutale Seite. Es gibt zwar keine Zeitzeugen mehr von der zerstörerischen „Wassernot“ der Jahre 1882/83 , aber alte Fotografien von Anfang Januar 1883 geben Zeugnis von einer Hochwasser-Katastrophe, die Ludwigshafen und Frankenthal heimgesucht hat. Das Unglück wirkt bis heute nach.

Mildes Wetter, Regenfälle und Schneeschmelze hatten den Fluss binnen kurzer Zeit anschwellen lassen. Der Pegel war am 29. Dezember 1882 auf 9,17 Meter gestiegen – das ist Rekord bis heute. In der Nacht zum 30. Dezember 1882 brach bei Oppau der Rheindamm – mit verheerenden Folgen für die umliegenden Gemeinden.

Als sich das Wasser im Januar wieder zurückzog, hinterließ es eine Spur der Zerstörung. Besonders betroffen waren neben Oppau die Gemeinden Edigheim, Friesenheim, Mörsch und Roxheim. Wohnungen im Erdgeschoss waren überflutet. Häuser stürzten ein. Edigheim war nahezu unbewohnbar. Erst am Nachmittag des Neujahrstags kam die Flut zum Stillstand. Zu allen Verwüstungen kam noch ein weiteres Unglück hinzu: Ein mit 15 Personen besetzter Nachen setzte am 2. Januar von Sandhofen aus nach Oppau über, um die Hochwasseropfer mit Lebensmitteln und Kleidung zu versorgen. Auf dem Rückweg nahmen die Helfer 25 Flüchtlinge mit ins Boot, um sie auf die badische Seite mitzunehmen. Doch der alte Nachen stieß gegen eine Pappel und zerbrach. Die Passagiere stürzten in die reißenden Fluten. 30 Menschen ertranken.

6750 Flüchtlinge

Als nach einigen Wochen notdürftig alles aufgeräumt war, zogen die Behörden Bilanz. Die Flut hatte in Ludwigshafen und umliegenden Gemeinden 36 Tote gefordert. 4200 Menschen hatten ihr Zuhause verloren – das waren mehr als zehn Prozent der damaligen Bevölkerung. 6750 Flüchtlinge mussten in Notunterkünften untergebracht werden. 915 Häuser wurden zerstört oder schwer beschädigt. Der Sachschaden wurde auf etwa 820.000 Goldmark geschätzt.

Die Katastrophe kam unerwartet, denn noch am 22. Dezember war der Rheinpegel auf 4,92 Meter gefallen. Doch um Weihnachten brachte der Föhn in den Alpen die Schneemassen in kürzester Zeit zum Schmelzen – der Rheinpegel bei Ludwigshafen stieg innerhalb von fünf Tagen auf 9,17 Meter an. Tag und Nacht war eine „Wasserwacht“ unterwegs, um den Rheindamm zu beobachten.

Damm bricht unter Wasserdruck

Der Damm bei Oppau liegt gegenüber der Neckareinmündung und geriet deshalb zusätzlich unter Druck. Er war schnell durchweicht – und konnte nicht mehr standhalten. Die befürchtete Katastrophe trat um Mitternacht in der Nacht auf den 30. Dezember 1882 ein: Der Damm brach – die Fluten stürzten sich mit solcher Schnelligkeit ins Hinterland, dass sich die Deichwache nur mit Mühe retten konnte. Innerhalb weniger Minuten hatte das Wasser Oppau, Edigheim und Friesenheim in seiner Gewalt – die Sturmglocken läuteten.

“Der „Ludwigshafener Anzeiger“ berichtete am 30. Dezember 1882: „Heute Morgen halb 3 Uhr tönte hier zum ersten Mal die Sturmglocke, um mit schrillen Tönen große Wassernot zu verkünden.“ Die bayerische Regierung organisierte eine Soforthilfe. Naturalien und Kleidungsstücke gingen ins Katastrophengebiet – dann floss auch Geld für Wiederaufbau.

Folgen bis heute

Die Katastrophe wirkt bis heute nach: 2010 haben sich Ludwigshafen, Frankenthal, der Rhein-Pfalz-Kreis, die Gemeinde Bobenheim-Roxheim, der Gewässer-Zweckverband Isenach-Eckbach und die BASF zusammengeschlossen, um sich für einen solchen Extremfall zu wappnen. Polder und Pumpwerke sind geschaffen worden, die verhindern, dass ein Wasserrückstau aus Isenach, Eck- und Rehbach das Hinterland überflutet. Außerdem ist zwischen dem BASF-Nordhafen und der A6 ein zusätzlicher Deich gebaut worden.

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