Ludwigshafen Reise nach Russland

In Europa ist Mozart viel herumgekommen, aber in Russland war er nie. In dem Musiktheater „Mozart in Moskau“ können wir den Genius dennoch auf einer Reise in die russische Hauptstadt begleiten. Die neue Produktion der Jungen Oper Mannheim wird am Sonntag beim Mozartsommer uraufgeführt. Ad de Bont schrieb die Texte, Kurt Schwertsik hat Musik von Mozart arrangiert und Eigenes komponiert.
Mit dem neuen Stück geht die Junge Oper, die sonst in der Alten Feuerwache zu Hause ist, erstmals ins Opernhaus. Für das junge Publikum wird es eine neue Erfahrung, ein ganz anderes Erlebnis sein, die große Bühne zu erleben. Das Musikstück ist wie ein Roadmovie gebaut. Ausgangspunkt der Handlung ist Mozarts Scheitern in Mannheim, nachdem er vom Kurfürsten nicht in dessen Dienste genommen wird. In Moskau erhofft er sich bessere berufliche Chancen. Auch von seinen verstorbenen Geschwistern wird Mozart dazu ermutigt, nach Moskau zu Katharina der Großen zu reisen und dort sein Glück zu versuchen. Die Reise selber wird wichtig für den jungen Mann, entwickelt er doch hier ein neues Selbstbewusstsein. Eine Oper für sie zu schreiben, findet die Zarin schick, doch erweist sie sich bald als Banausin und zwingt das Genie dazu, die neue Oper in zehn Minuten für sie aufzuführen. Eben dies wird nun zur echten Pointe und großen Herausforderung des neuen Stücks. Im Finale der Oper kommt die neu komponierte Musik ins Spiel, und dabei werden alle Register der Regiearbeit gezogen. Dabei kommen Live-Videobilder zum Einsatz, Videoaufnahmen aus der Vertikalen werden ins Horizontale gekippt, und alles erfordert große Virtuosität, verrät Regisseur Daniel Pfluger. Ähnlich wie in der „Zauberflöte“ treffen hier hohe Kunst und volksnahe Kunst zusammen. Auch eine Puppenspielerin ist mit von der Partie. Kurt Schwertsik war jahrelang Hornist bei den Wiener Sinfonikern, bei den BASF-Konzerten in Ludwigshafen war ihm in der vergangenen Saison ein Programmschwerpunkt gewidmet. Auch die Junge Oper des Nationaltheaters hat bereits ein Stück von Schwertsik auf die Bühne gebracht, „Eisberg nach Sizilien“ ist inzwischen von vielen anderen Theatern nachgespielt worden. Aus bekannten musikalischen Formen entwickelt der 77-jährige Wiener Komponist eine eigene Musik, Klänge, die gleichermaßen lustig sind wie gefühlvoll. Und eine gute Portion Wiener Witz ist darin enthalten – in bester Tradition zu Mozart. Den überwiegenden Teil von „Mozart in Moskau“ hat Schwertsik mit Arrangements von Mozart-Werken bestritten. Seine eigene Musik lässt der Komponist dann im Schlussteil dieses Musiktheaters erklingen, wenn die Oper im Schnelldurchlauf vor der Zarin vorgestellt wird. „Schwertsiks Musik erinnert mich an Kurt Weill“, sagt Lorenzo di Toro, der musikalische Leiter der Aufführung. „Freilich ist auch eine Spur Mozart darin und ein Hauch Tschaikowsky, als Reverenz an die Reise nach Russland“, findet di Toro. Viele Musikstile, die sich seit Mozarts Zeiten entwickelt haben, seien hier zu finden und begleiten nun Mozarts Reise. Ad de Bont hat die Geschichte geschrieben: Der Niederländer ist einer der einflussreichsten Autoren des zeitgenössischen Kinder- und Jugendtheaters. Weltweit entstanden rund 300 Inszenierungen seiner vielfach ausgezeichneten Theaterstücke. Für das Mannheimer Schnawwl schrieb er bereits zwei erfolgreiche Jugendstücke, „Tahrir Tell“ sowie „Anne und Zef“. Auch diese beiden Stücke wurden von dem jungen Regisseur Daniel Pfluger inszeniert.