Ludwigshafen Reisbrei und Rosinenbrötchen

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70 Jahre Arbeiterwohlfahrt (Awo) Stadtkreisverband Ludwigshafen: Kein klassisches Jubiläum, aber ein Geburtstag, der am Sonntag im Awo-Jugendtreff Maudach von mehr als 50 Gästen, darunter zahlreiche SPD-Politiker, gefeiert worden ist. Prominenter Festredner war mit Wilhelm Zeiser der langjährige Bürgermeister von Ludwigshafen, gleichzeitig auch Vize-Bezirksvorsitzender der Awo Pfalz, der die wechselvolle Geschichte des Vereins beleuchtete und einen Ausblick wagte.

„Seit mehr als 70 Jahren gibt es die Awo Ludwigshafen“, stellte der 66-Jährige zu Beginn fest. Tatsächlich wurde der Arbeiterwohlfahrtsausschuss in Ludwigshafen schon 1921 gegründet, damals noch als Untergliederung der SPD. Reichspräsident Friedrich Ebert beschrieb es mit dem Motto „Arbeiterwohlfahrt ist die Selbsthilfe der Arbeiter“. Die erste Bewährungsprobe kam noch im gleichen Jahr bei der Explosionskatastrophe im BASF-Werk Oppau, bei der 565 Menschen starben und fast 2000 verletzt wurden. Zusammen mit der Awo Pfalz und der pfälzischen SPD brachte die Ludwigshafener Gruppe bei einer überregionalen Sammlung fast 58.000 Reichsmark zusammen, die in das „Hilfswerk Oppau“ einflossen, erinnerte Zeiser. Hilfe gab es auch in den 1920er-Jahren, als nach einem wilden Streik Tausende Arbeiter von der BASF ausgesperrt wurden und Familien dadurch in Not gerieten. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers und einem vergeblichen Versuch, die Awo gleichzuschalten, wurde deren Besitz von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Manche Mitglieder machten unter Lebensgefahr illegal weiter, bedrohte Personen wurden ins Exil geschleust. Die Wiederanmeldung der Awo nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs erfolgte im April 1946. „Mit Reisbrei und Rosinenbrötchen“ wurden die ausgemergelten Ludwigshafener Kinder damals wieder aufgepäppelt, griff Zeiser auf ein Zitat des Ludwigshafener SPD-Bundestagsabgeordneten Hans Bardens zurück. „Ein vierwöchiger Aufenthalt im Kaiserslauterer Kinderheim im Karlstal brachte eine Gewichtszunahme von vier bis fünf Pfund“, berichtete der in Kusel lebende Zeiser den staunenden Gästen. Die Einrichtung eines Kindergartens auf dem Gelände des heutigen Hack-Museums, die Verteilung von Care-Paketen, die Quäker aus Pasadena (woher auch die Städtepartnerschaft mit dieser Stadt rührt) schickten, Kindererholungen auf der Hellerhütte in Neustadt, die Schaffung eines weiteren Kindergartens, eines Frauen-, eines Männer- und eines Lehrlingswohnheims und insbesondere Hilfeleistungen nach dem zweiten Explosionsunglück in der BASF im Juli 1948 waren weitere Eckpunkte der Awo Ludwigshafen nach dem Krieg. Mit der Sozialbetreuung türkischer Arbeiter und deren Familien seit 1969, von Familien aus dem ehemaligen Jugoslawien (1970) und Spätheimkehrern ab 1984 kamen neue Aufgaben hinzu. Bei der Jugend-, Senioren- und Migrationsarbeit (allein im Jahr 2015 wurden von der Awo Ludwigshafen 2500 Flüchtlinge betreut) sieht Zeiser den Verein auch weiterhin sehr gut aufgestellt. „Eine starke Bastion innerhalb der Awo Pfalz. Ihr in Ludwigshafen lebt unser Symbol, das offene Herz, in vorbildlicher Weise “, lobte er die ehrenamtlich Tätigen. |ain

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