Ludwigshafen Reinster Ohrenschmaus

Homogen und geschmeidig: der Chamber Choir of Europe.
Homogen und geschmeidig: der Chamber Choir of Europe.

Ein tönendes Porträt des amerikanischen Komponisten Morten Johannes Lauridsen hat der Chamber Choir of Europe (Europas Kammerchor) aus Mannheim in der Aula des Karl-Friedrich-Gymnasiums vorgestellt. Nicol Matt, Gründer und Leiter des Vokalensembles, dirigierte, am Flügel wirkte der Komponist.

Sanfte, geheimnisvolle, meditative und, wenn man so will, verklärte Klänge nach Texten in mehreren Sprachen waren diesmal zu vernehmen: von Dana Gioia, Pablo Neruda, Rainer Maria Rilke, James Agee und aus italienischen Renaissance-Gedichten. Sie muteten allesamt abgeklärt, seelenvoll und versunken an. Zu den unerschrockenen Neuerern und experimentierfreudigen Ergründern bislang ungehörter und unerhörter neuer Klänge zählt der dänischstämmige Amerikaner Morten Johannes Lauridsen bestimmt nicht. Er ist ein Altmeister und Grandseigneur der Vokalkomposition, dessen vielfach ausgezeichnetes Lebenswerk fast ausschließlich aus Kompositionen für Gesang besteht. Auf seinem Gebiet ist Lauridsen mit Sicherheit ein überlegener Könner. Die Stücke, die jetzt in Mannheim erklangen, waren allesamt einem vornehmen ästhetischen Ideal verpflichtet, zeugten von verfeinertem Gespür für den Vokalklang, gefielen durch stellenweise subtile melodische Eingebungen und die erlesene, dichte Aura der Klangrede. Wobei vorsichtig behandelte Dissonanzen ebenfalls zum Einsatz kamen. Beim Chamber Choir of Europe befand sich Lauridsens Musik in äußerst zuverlässigen Händen (genauer: Kehlen). Auch diesmal profilierten sich die 24 Sänger, zwölf Damen und ebensoviele Herren, als hochkarätige Vokalisten. Der von ihnen produzierte Chorklang war von ganz erlesener, exquisiter Schönheit: der reinste Ohrenschmaus. Vom Dirigenten Nicol Matt extrem genau austariert, wirkte er in allen Registern durchweg vorbildlich homogen und geschmeidig. Von Anstrengung oder gar Schärfen gab es keine Spur, die Übergänge blieben stets nahtlos. Für gestalterische Präsenz, poetische Momente und raffiniert ausgehörte Einzelheiten der Dynamik und Artikulation sorgte Matt mit klarer, aussagekräftiger Zeichengebung. Im Gedächtnis besonders haften blieben feine Stimmungsbilder in den vier Nocturnes (zwei nach Rilke, jeweils eine von Neruda und Agee) und die Entrückten Tongesten im Magnum Mysterium. Letzteres Stück wurde als Zugabe wiederholt unter wackerer Mitwirkung der Teilnehmer eines Workshops, der dem Konzert vorausgegangen war. Wesentliche Teile des nach „Lux Eterna“, einer Komposition Lauridsens, mit „Light Eternal“ (ewiges Licht) überschriebenen Programms nahm die Deutsche Grammophon auf CD auf.

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