Ludwigshafen Reinigungsfirma Kehl zieht die Notbremse

91-69142637.jpg

Ein Traditionsbetrieb in der Krise: Wegen einbrechender Aufträge, hoher Personalkosten, unrentabler Sparten und des sich verschärfenden Wettbewerbs ist die Kehl GmbH in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Mit einer Planinsolvenz will der Reinigungsdienstleister gegensteuern. Bis zu 40 der 380 Jobs fallen der Sanierung zum Opfer.

Geschäftsführer Stephan Kehl nannte gestern auf Anfrage den Wegfall von Aufträgen sowie die hohe Altersstruktur im Personalbereich als Gründe für die wirtschaftliche Talfahrt, die sich in den Vorjahren bereits angedeutet habe. Nun hat er die Notbremse gezogen. „Wir können die Sozialplankosten nicht bezahlen. Wir müssen uns jetzt so aufstellen, dass wir das Unternehmen weiterführen können. Wir sind optimistisch, dass uns das mit diesem Verfahren gelingt“, sagte der 58-Jährige. Das Unternehmen habe in der Vergangenheit viel Geld für Abfindungen aufbringen müssen. Das Preis- und Lohndumping der konkurrierenden Branchenriesen sowie veränderte Ausschreibungsmodalitäten von Großkunden wie der BASF, die europaweit Billiganbieter begünstigten, hätten der Firma darüber hinaus extrem zugesetzt. Für Dienstag ist eine Betriebsversammlung einberufen worden. Gespräche mit dem Betriebsrat wurden bereits geführt. Der Geschäftsbetrieb soll im Sanierungszeitraum uneingeschränkt weiterlaufen. Mit der sogenannten Planinsolvenz soll die Zerschlagung des Unternehmens verhindert und eine geordnete Sanierung in weitgehender Eigenregie ermöglicht werden. Ein abgespecktes Leistungsangebot soll danach einen Neuanfang einleiten. Das Insolvenzgericht des Amtsgerichts Ludwigshafen hat dieser Eigenverwaltung zugestimmt und der Kehl-Chefetage mit Rechtsanwalt Peter Depré (Depré Rechtsanwalts AG) lediglich einen vorläufigen Sachwalter zur Seite gestellt, der eine Kontrollfunktion ausübt. Sein Mannheimer Kollege Karl-Heinrich Lorenz (Kanzlei Pabst, Lorenz und Partner) wurde in die Geschäftsführung berufen. Wie Depré hat auch er langjährige Erfahrung im Bereich des Insolvenzrechts. Lorenz ist zuversichtlich, „dass der Laden bald wieder läuft“ und die geplanten Strukturreformen in der Firma bis zum ersten Quartal 2016 greifen. „Wir sind mit einem Aktenordner zum Insolvenzrichter marschiert und haben ihm einen kompletten Sanierungsplan vorgelegt“, berichtete er gestern. „Es sieht gar nicht so schlecht aus. Das ist kein klassisches Insolvenzverfahren. Wir arbeiten hier auf Guthabenbasis. Wir brauchen keine Bankkredite. Es gibt keine Verbindlichkeiten, die Gehälter sind bezahlt“, betonte der Jurist. Die Firma habe vorausschauend gehandelt, um eine drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden, der Betriebsrat habe entspannt reagiert. „Er hat früh erkannt, dass es irgendwann so weit kommt“, sagte Lorenz. Mit dem gewählten Verfahren habe es die Kehl GmbH nun selbst in der Hand, das Ruder herumzureißen. Der Abbau von Arbeitsplätzen im Verwaltungsapparat ist für Lorenz der erste Schritt. „Das ist ein großer Wasserkopf.“ Wie Firmenchef Kehl geht er davon aus, dass dem Sanierungskurs insgesamt 30 bis 40 Jobs zum Opfer fallen. Mit dem Betriebsrat wird nun ein Sozialplan erstellt. Ein Problem sei die Glaserei, so Lorenz. „Da gibt es zu wenige Aufträge, die ist wie ein Fremdkörper.“ Verkruste Strukturen habe die Firma unter dem Anfang 2012 im Alter von 91 Jahren verstorbenen Firmengründer Franz Kehl lange nicht aufgebrochen. Verschärft habe die Krise, dass ein fest eingeplanter Großauftrag der BASF weggefallen sei. Lorenz zufolge wissen die Kehl-Kunden von den Sanierungsplänen und wollen dem Betrieb die Treue halten, auch die BASF unterstütze den Prozess. Der Jahresumsatz der Kehl GmbH liegt bei 10,5 Millionen Euro, vor zehn Jahren waren es noch 7,5 Millionen Euro mehr.

x