Firmenporträt RHEINPFALZ Plus Artikel Reifen Öz lockt auch Mannheimer nach LU

Neun Hebebühnen gibt es in der großen Halle des Unternehmens in der Frankenthaler Straße.
Neun Hebebühnen gibt es in der großen Halle des Unternehmens in der Frankenthaler Straße.

Als Teenager ist Mehmet Celebi vor mehr als 30 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Zehn Jahre später hat er die Firma Reifen Öz übernommen, obwohl der Jung-Unternehmer damals wenig Ahnung von Autos hatte. Mittlerweile beschäftigt der Ludwigshafener 15 Mitarbeiter und ist bekannt für einen besonderen Service.

Wer den Namen der Firma Reifen Öz in Ludwigshafen zum ersten Mal hört, vermutet einen Auto-Service mit Leistungen rund um Räder und Reifen. Dass sich dahinter ein großer Kfz-Meisterbetrieb verbirgt, der Reparaturen aller Art für jegliche Automarken anbietet, erfährt man erst, wenn man der Werkstatt in der Frankenthaler Straße nahe des Hauptfriedhofs einen Besuch abstattet. An neun Hebebühnen kann in der geräumigen Halle gleichzeitig gearbeitet werden. Der Betrieb beschäftigt 15 Mitarbeiter.

Die Firma Reifen Öz sei 1998 gegründet worden, schon im Jahr 2000 habe er diese aber zusammen mit seiner Frau übernommen, erzählt Geschäftsführer und Inhaber Mehmet Celebi beim Besuch der RHEINPFALZ. Ursprünglich sei Reifen Öz in der Frankenthaler Straße 72 angesiedelt gewesen. Doch nachdem vor zwei Jahren die Reifenfirma Yilmaz gegenüber in der Frankenthaler Straße 158 ihren Betrieb aufgegeben habe, sei er mit seinem Betrieb in das ehemalige Yilmaz-Gelände und die vorhandenen Werkstattgebäude umgezogen, berichtet Celebi.

Kleinere Reparaturen ohne Termin

Alles sei zunächst komplett renoviert worden. „Wir sind ein Meisterbetrieb und bieten alle Arten von Reparaturen“, sagt der Unternehmer. Zweimal im Jahr, im Frühling und Herbst, sei Reifenwechselsaison. In dieser Zeit machten Räder und Reifen 60 bis 70 Prozent des Arbeitsaufkommens aus. Außerhalb der Reifensaison liege der Schwerpunkt mit 70 bis 80 Prozent der Aufträge bei der Auto-Reparatur. „Räderwechsel und kleinere Reparaturen werden bei uns auch ohne Termin erledigt, die Kunden können einfach vorbeikommen“, fügt er an, dass viele das schätzen.

Dass die Arbeiten prompt erledigt werden, dafür sorgen insgesamt 15 Mitarbeiter, darunter drei Auszubildende für Kfz-Mechatronik und ein angehender Bürokaufmann. Wie viele Räder hier pro Saison gewechselt werden, kann er kaum sagen. „Wir haben allein von 700 Kunden Reifen eingelagert“, berichtet der Chef. Erstaunlich viele kommen von außerhalb, wie an den Kennzeichen im Reifenlager abzulesen ist. „30 Prozent unserer Kundschaft kommt aus Mannheim“, sagt Celebi. Vertreten ist laut Kennzeichen auch die ganze Vorderpfalz.

Viele Stammkunden

„Das Reifengeschäft ist nicht mehr so wie früher“, verweist er auf die Veränderungen durch das Internet. Seine Firma könne die Reifen kaum günstiger einkaufen als Privatleute im Online-Handel. Zum Montieren kämen diese Reifenkäufer anschließend in seine Werkstatt oder ließen gleich hierher liefern. Rund die Hälfte der montierten Reifen seien inzwischen Online-Bestellungen.

„Was mich stört ist, wenn Leute unsere Reifenpreise mit denen von Online-Händlern vergleichen“, kritisiert der 49-Jährige. Denn diese hätten kein Lager, kein Personal, keine Kosten. Durch die Reparatur-Werkstatt habe er rund ums Jahr Arbeit und inzwischen mehr Aufträge, als er annehmen könne. „Dabei machen wir seit 15 Jahren keine Werbung mehr, geht alles über Mundpropaganda“, schätzt Celebi, dass 90 Prozent der Kunden zufriedene Stammkunden sind.

Viel Arbeit, viele Kilometer

„Als ich im Jahr 2000 Reifen Öz gekauft habe, hatte ich keine Ahnung von Autos“, gesteht der 49-Jährige und erzählt seinen erstaunlichen beruflichen Werdegang. Er sei 1990 im Alter von 17 Jahren aus einem Dorf in der Nähe von Ankara mitten in der Türkei gekommen. Schon am dritten Tag in Deutschland habe er eine Arbeit in einer Bäckerei gefunden. Er habe im Dönerladen und später einer Firma für Industrie-Isolierung gearbeitet. Ohne Ausbildung, aber immer zwölf Stunden am Tag und niemals krank.

Dann habe er selbst eine Firma für Industrie-Isolierung übernommen, Rohrleitungen, Kessel und anderes mit Dämmstoff eingepackt. Um seine Mitarbeiter zu den Baustellen zu bringen, sei er am Tag 1000 Kilometer gefahren, gibt er an.

Aufstieg ohne Ausbildung

Um die Jahre 1999 und 2000 seien dann Isolier-Firmen aus Ungarn und Polen auf den Markt gedrängt und hätten diese Aufträge zum halben Preis angeboten. „Ich habe gemerkt, das macht keinen Sinn mehr. Deshalb habe ich Reifen Öz übernommen“, schildert er die Umstände seines Branchenwechsels. „Ich arbeite mein ganzes Leben schon zwölf Stunden jeden Tag, stehe hier im Betrieb von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr abends. Auch samstags sind es acht Stunden“, nennt er ein Pensum, das wohl wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg beigetragen hat. Wie gesagt: alles ohne Ausbildung.

Doch dass Celebi etwas auf dem „Kasten“ hat, wird schnell klar. Er hat auf alle Fragen der Mitarbeiter nach Reparaturkosten, Materialbestellungen und Kundenwünschen sofort die passende Antwort parat. „In einem Jahr, mit 50, will ich anfangen, etwas kürzer zu treten“, nennt er sein Ziel. Für die Nachfolge wäre gesorgt. Denn zwei seiner Söhne arbeiten bereits in der Firma mit: der eine als Kfz-Mechatroniker, der jüngere macht eine Ausbildung als Bürokaufmann. Zusammen mit einer elfjährigen Tochter wohnt die Familie im Stadtteil Pfingstweide, wo sich alle wohl fühlen. Ein Hobby gönnt sich Celebi trotz der vielen Arbeit: das Fußballspielen bei den Alten Herren vom TuSOggersheim.

Für 700 Kunden hat die Firma Reifen eingelagert.
Für 700 Kunden hat die Firma Reifen eingelagert.
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