Ludwigshafen „Rechte Parteien machen mir Angst“

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Bei der Landtagswahl am Sonntag, 13. März, gehen viele junge Menschen zum ersten Mal an die Wahlurnen. In Ludwigshafen gibt es 2276 Erstwähler. Wie es ist, zum ersten Mal seine Stimme abzugeben, haben wir bei Schülern der Berufsbildenden Schule (BBS) Naturwissenschaften und des Carl-Bosch-Gymnasiums (CBG) nachgefragt.

„Es ist ein gutes Gefühl, sich an der Politik beteiligen zu können.“ Mark Yasynsky freut sich darüber, zum ersten Mal sein Kreuzchen setzen zu dürfen. Wie die meisten der 15 Erstwähler aus dem Leistungskurs Sozialkunde in der zwölften Klasse am CBG und an der Berufsoberschulklasse 13 der BBS Naturwissenschaften begrüßt der 18-jährige Gymnasiast aus Süd, dass seine Meinung nun politisches Gewicht bekommt. „Es fühlt sich gut an, endlich alt genug zum Wählen zu sein, wenn man sich schon vorher für Politik interessiert hat.“ Philipp Pönitzsch ist wie der überwiegende Teil der Schüler des Leistungskurses unter der Leitung von Studienrat Gregory Scholz gut informiert. Der Kurs ist sehr diskussionsfreudig genauso wie die Berufsschüler, die von Oberstudienrat Joachim Fahrnbach betreut werden. Sie lernen bei der BASF Chemikant oder Chemielaborant und streben die Fachhochschulreife an. Im Gegensatz zu den Gymnasiasten wollen sie zum überwiegenden Teil ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Medien wie die RHEINPFALZ nutzen die Schüler beider Klassen, um sich über die für sie wichtigen Themen zu informieren. „Im Gegensatz zu anderen Zeitungen ist die RHEINPFALZ für mich gut zu verstehen“, meint Anne-Sophie Walther aus Friesenheim, die erst bei der nächsten Wahl mitstimmen darf, weil sie erst 17 Jahre alt ist. Neben Zeitungen, Wahlplakaten, Wahlkampfständen, Fernsehen und dem Radio spielt auch die Schule eine große Rolle. Loris Machmedow nennt unter anderem auch den Ethik-Unterricht als wichtigen Einfluss bei der Meinungsbildung. Der 18-Jährige hat noch einen armenischen Pass, hofft aber rechtzeitig zur Wahl die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen zu dürfen. Auch für viele Berufsschüler ist der Sozialkundeunterricht wichtig, um Informationen zu sammeln. „Schule, Weiterbildung, Nahverkehr, Drogen, Ernährung, Sport“, nennt die 19-jährige Marie Schlindwein, angehende Chemielaborantin aus Friesenheim, Themen, die sie wichtig findet. Die Flüchtlings- und Asylpolitik beschäftigt viele Schüler beider Klassen ebenfalls. Für die Gymnasiasten ist die Einführung des Zentral-Abiturs ein weiteres wichtiges Thema. Die Auszubildenden, die in der BASF schon auf dem Arbeitsmarkt angekommen sind, interessieren sich mehr für Umweltpolitik. Wegen ihrer Politik in diesem Bereich sind die Grünen bei den Chemikanten und Laboranten nicht so richtig beliebt. Jungwähler Niklas Ulses (20) ist gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen und meint, dass Kernkraftwerke weiter betrieben werden sollten. Der überwiegende Teil der Schüler beider Klassen fühlt sich von den bürgerlichen Parteien der Mitte gut vertreten. „Zurzeit kommen viele rechte Parteien auf wie die AfD, das macht mir eher Angst“, meint Rukan Güneysu aus Mitte. Die 18-Jährige, die vor ihrer ersten Wahl aufgeregt ist, findet die rechten Parteien gefährlich. „Man sollte ja aus der Geschichte gelernt haben“, meint auch Chemikant Ertugrul Ates (21) aus Germersheim, der wie Rukan türkische Wurzeln hat. „Die AfD wirbt mit Stammtisch-Parolen und ist nicht in der Lage, ein Bundesland zu regieren“, findet auch Philipp Pönitzsch. Die Mehrheit der Schüler beider Klassen befürwortet jedoch, dass die AfD bei den sogenannten Elefantenrunden in öffentlich-rechtlichen Sendern Rede und Antwort stehen soll. „Wieso sind Sie Politikerin geworden? Wieso haben Sie den Beruf gewechselt?“, würde Marie Schlindwein von Bundeskanzlerin Angela Merkel wissen wollen, die ja Physikerin ist. „Ob sie noch einmal CDU-Mitglied werden würde, interessiert Loris Machmedow in Bezug auf die Bundeskanzlerin. Die Wissbegierde und das politische Interesse der Erstwählern reichen weit über die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz hinaus.

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