Ludwigshafen
Rauchende Colts statt Ostereier: Verein lädt zum Western-Abenteuer ein
Der Staub liegt schwer in der Luft. Durch die Ritzen der Fenster dringen vereinzelt Strahlen der Mittagssonne. Eine massive Theke aus dunklem Holz, Gewehre an den Wänden, Rodeo-Pokale auf den Regalen – die Kulisse wirkt wie aus einem alten Western. In der Luft liegt ein Hauch von Tabak. Zwei Männer fachsimpeln über ihr besonderes Hobby: Cowboys, Indianer, rauchende Colts und Geschichten, die am Feuer lebendig werden. Wenn sich die Mitglieder der Old-West-Pioneers an den Wochenenden auf ihrem Vereinsgelände treffen, betreten sie ihre eigene Welt. Am Ostersamstag und Ostersonntag laden sie – wie jedes Jahr zur gleichen Zeit – zum Tag der offenen Tür ein.
Die Old-West-Pioneers Ludwigshafen gibt es seit 1978. Seit 1985 pachtet der Verein das Gelände im Gewerbegebiet „Nachtweide“ am nördlichen Stadtrand. Das Areal ist so groß wie 20 Tennisplätze. „Am Anfang war das Gelände nicht mehr als ein gepflügter Acker“, sagt Dieter Gleber. Er war bis 2017 Vorsitzender des Westernvereins. „Ich bin damals aus Altersgründen zurückgetreten – aber natürlich weiter jedes Wochenende hier“, sagt der 75-Jährige nicht ohne Stolz. Der Verein hat derzeit rund 40 Mitglieder. „Früher waren wir mehr, aber das Hobby stirbt langsam aus.“
Silver City: Vom Acker zur Westernstadt
Silver City – so heißt die Westernstadt , die auf dem einstigen Acker errichtet wurde. Ein Saloon mit ikonischen Schwingtüren, eine pink gestrichene Kapelle und eine Feuerstelle mit Grill in der Mitte des Geländes: Vieles erinnert an ein Filmset eines Italo-Westerns aus den 1960er-Jahren. Angrenzend liegt eine weitläufige Grünfläche – mit einem fast fünf Meter hohen Indianerzelt und kunstvoll geschnitzten Baumstümpfen, die symbolisch den Übergang zwischen „Cowboystadt“ und „Indianergebiet“ markieren. Alles sei in Eigenleistung entstanden, betont Klaus Groß, der aktuelle Vereinsvorsitzende.
Gerade noch hat Groß mit dem Freischneider die Hecken gestutzt, die das Gelände umrahmen. Früher war er Sheriff von Silver City – bevor er das Amt des Vorsitzenden übernahm. „Beides gleichzeitig kann man bei uns nicht sein“, erklärt der gelernte Maurer und schmunzelt. Gewaltenteilung also – sogar im Wilden Westen. Die Western-Fans sind fast jedes Wochenende vor Ort. Es gibt immer etwas zu tun: Die Grünfläche will gepflegt sein, Holzbauten wollen neu gestrichen oder mit neuen Dächern versehen werden. Natürlich darf auch eines nicht fehlen – die detailverliebten, zeitgetreuen Kostüme, die ebenfalls viel Arbeit kosten.
Willkommen im Wilden Westen
Lederhemden mit kunstvollen Stickereien, Hüte verziert mit Tierfedern, Mokassins bestickt mit bunten Perlen – in den meisten Fällen nähen, sticken und schneidern die Mitglieder ihre Outfits selbst. „Beim Nähen seiner Kleidung hat jeder schon mal ein paar Tropfen Blut gelassen“, sagt einer der Mitglieder. Doch genau das mache die eigene Verkleidung so besonders. Die Kostüme kommen allerdings nur zu besonderen Anlässen zum Einsatz – zum Beispiel beim Tag der offenen Tür am Osterwochenende. Genau genommen sind es zwei Tage: Am Ostersamstag und Ostersonntag ab 10 Uhr lädt der Verein zum Verweilen in Silver City ein.
Rund 2500 Besucher werden erwartet – abhängig vom Wetter, wie Vorsitzender Groß anmerkt. „Mit nur 40 Mitgliedern können wir das allein nicht stemmen“, sagt er. Deshalb erhalten sie jedes Jahr tatkräftige Unterstützung von anderen Westernvereinen aus ganz Deutschland. Während draußen gegrillt wird, können sich Besucher im Saloon wie echte Revolverhelden des Wilden Westens ihre Erfrischungen holen. Sie dürfen sich im Bogenschießen oder Hufeisenwerfen versuchen – und für die besonders Mutigen gibt es sogar eine Ausstellung mit Schlangen und Spinnen, die in Nordamerika heimisch sind. Mit ihrem Tag der offenen Tür wollen die Old-West-Pioneers zeigen, dass ihr ungewöhnliches Hobby auch heute noch Menschen begeistern kann – und vielleicht sogar neue Mitglieder.