Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Rathaus-Center: Wenn die Mäuse auf den Tischen tanzen

Thomas Breier hat viele Jahre lang im Baudezernat gearbeitet.
Thomas Breier hat viele Jahre lang im Baudezernat gearbeitet.

Der Countdown läuft: Am Jahresende schließt das Rathaus-Center – 42 Jahre nach der Eröffnung. Ab 2022 wird der Abriss des 72 Meter hohen Rathausturms eingeleitet. Das schafft Planungssicherheit für den Rückbau der Hochstraße Nord, spart Zeit und Geld und vereinfacht die Entwicklung des Quartiers City West. Was sagen Ludwigshafener dazu? Heute öffnen wir das Türchen noch einmal für Thomas Breier.

Ob die Mäuse durch kleine Lücken zwischen den Metallelementen der Rathaus-Center-Fassade schlüpfen konnten, oder ob sie durch den Ausgang zur Dachterrasse ihren Weg hinein fanden, das kann Thomas Breier nicht mit Gewissheit sagen. Fest steht jedoch: „Im dritten Stock des Rathaus-Centers gab es irgendwann plötzlich Mäuse.“ Dabei sei es durchaus die ein oder andere „Fressschublade“ von Mitarbeitern gewesen, die eine große Faszination auf die Nagetiere ausgeübt habe. „Was machen wir?“ lautet deshalb die Frage aller Fragen, die es im Baudezernat in den 1980er-Jahren zu beantworten galt.

Für das Aufstellen von Fallen habe sich keine Mehrheit gefunden, erzählt Breier, der im Baudezernat lange Jahre für die vorbereitende Bauleitplanung und den Flächennutzungsplan verantwortlich war. „Die Mäuse lebend zu fangen, ist allerdings schwer umzusetzen gewesen“, gibt er zu. Also habe am Ende die Idee gestanden, dass eine Mitarbeiterin ihre Katze mit auf die Arbeit bringt. Und wo bringt man so eine Mäusejägerin unter? „Im Büro von Amtsleiter Fischer, der auf Dienstreise ist“, sagt Breier und muss bei der Erinnerung an diese Gegebenheit selbst lachen.

„Der Fischer kommt!“

„Wir hatten damals ein riesiges Großraumbüro und plötzlich erlaubte sich jemand den Scherz, zu rufen: ,Der Fischer kommt!’“ In der allgemeinen Hektik, die dann ausbrach, sei die Katze erwartungsgemäß wild im Büro des Amtsleiters herumgesprungen und dann den Mitarbeitern entwischt: „Die Katze flitzte durch das Großraumbüro, entdeckte den Flur und landete schließlich beim damaligen Dezernenten vor der Tür.“ An den ungläubigen Dezernenten-Anruf mit den Worten „Hier ist eine Katze“, kann sich Breier noch sehr gut erinnern. Weil das Mäuseproblem so aber natürlich nicht gelöst werden konnte, habe man sich am Ende dann doch dafür entschieden, giftige Weizenköder auszulegen, sagt der heute 78-Jährige. Danach kam es laut Breier, wie es kommen musste, und die erste Maus, die den Köder schluckte, habe sich zum Sterben direkt auf den Hauptgang gelegt.

Beten im Rathaus

„In so einem langweiligen Rathaus passieren schon lustige Sachen“, merkt Thomas Breier an und erinnert sich auch gerne daran, wie drei Afrikaner in seinem Büro lange und ausführlich mit ihm beteten. „Die drei Herren suchten einen Saal für ihre Gemeinde und sind mit ihrer Anfrage bei mir gelandet.“ Weil Breier zwar nicht zuständig war, gleichwohl aber erklären konnte, wer der richtige Ansprechpartner ist, sei man ins Gespräch gekommen. „Einer der drei war Priester und plötzlich fragte er mich, ob wir beten können“, erinnert sich Breier. Weil er selbst zur russisch-orthodoxen Gemeinde Mannheim gehöre, sei das für ihn kein Problem gewesen.

Entsprechend lästerlich seien jedoch die Kommentare der Kollegen gewesen. „Es war wirklich ein unglaublich langes Gebet“, erzählt Breier und lacht. Der Kommentar „gut, dass sie bei dir gebetet haben, du hast es nötig“, sei ihm heute noch im Ohr. Der 78-Jährige konnte es aber schon damals mit Humor nehmen und sagt heute: „Das war vermutlich das einzige Mal, dass jemals im Ludwigshafener Rathaus gebetet wurde.“

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