Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Raketen vor der Realschule: Graue Kabelkästen werden zur Leinwand

Den Kabelverteilerschrank vor der Anne-Frank-Realschule hat der Mädchentreff und Jugendtreff Bliesstraße gestaltet.
Den Kabelverteilerschrank vor der Anne-Frank-Realschule hat der Mädchentreff und Jugendtreff Bliesstraße gestaltet.

Sterne und Raketen sind vor der Anne-Frank-Realschule zu sehen. Im Westend zeigt die IG West mit Hilfe von Jugendlichen, wie Stadtbildverschönerung funktionieren kann.

Zugegeben: Echte „Hingucker“ sind die grauen Kästen nicht, die auch in Ludwigshafen hundertfach am Straßenrand stehen. Wichtig sind die sogenannten Kabelverteilerschränke, kurz KVS oder Kabelverzweiger (KVZ), die in der Regel in Besitz eines Telefonnetzbetreibers oder der Stadtwerke sind, trotzdem. Immerhin könnten ohne diese Kästen Millionen Kunden weder telefonieren oder hätten zu Hause keinen Internetzugang. Schöner macht das den Anblick allerdings selten.

Die Funktionsbeschreibung läuft auf ein „dicke Internetleitung rein, verteilen, dünne Internetleitungen raus“ hinaus. In der Stellenbeschreibung könnte hingegen ein „quadratisch, praktisch, funktional“ stehen, werden die oftmals gekühlten Kästen doch bereits seit 1982 aufgestellt.

Ein wenig hat man sich deshalb an den Anblick gewöhnt. Aber auch da gilt: Ein grauer Kasten bleibt zunächst einmal grau. Bunter werden davon weder Alltag noch Stadtbild.

Von Spongebob bis Weltall

Um die nötige Farbe im Alltagsgrau kümmert sich, zumindest im Westend und den dortigen Randbereichen, die IG West. „Wir wollen damit das Stadtbild verschönern“, erklärt die langjährige Vorsitzende Petra Schmitt. Nach Rücksprache mit den Betreibern der grauen Kästen, in der Regel Telekom oder Technische Werke, grundiere die IG die Kästen und stellt sie im Anschluss Kinder- und Jugendeinrichtungen aus dem Stadtteil zur Verschönerung zur Verfügung.

Den vor der Anne-Frank-Realschule hatte der Mädchentreff und Jugendtreff Bliesstraße in Arbeit. Und das nahezu mit freier Hand. Dschungelmotive fanden hier schon ihre graue Leinwand. Auch die Comicfigur Spongebob Schwammkopf lächelt an anderer Stelle – und in diesem Falle eben eine Weltall-Fantasie. Gemalt werden die Motive entweder von den Kindern selbst oder über Schablonen, mit denen ja auch gefeierte Künstler wie Banksy arbeiten. Allesamt im Übrigen initiiert vom Arbeitskreis „Go West“, der die Vorzüge des Stadtteils sichtbarer machen will.

Im Frühjahr soll’s weitergehen

„Acht Kästen wurden so schon bemalt“, sagt Schmitt. Weitere seien zumindest ins Auge gefasst, die entsprechenden Anfragen für die Genehmigung laufen. Über den Winter pausieren die Künstler im Westend allerdings erst einmal. Schneemotive sind daher auf den KVZ nicht zu erwarten. „Aber im Frühjahr sind weitere Kästen in Planung“, verrät die IG-Vorsitzende. Verteilerkästen genug stehen auch im Westend und dessen Umfeld noch grau am Straßenrand und warten auf Verschönerung. „Wir haben 2024 damit begonnen“, erklärt Schmitt. „Aber 2026 machen wir eine neue Runde.“

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