Ludwigshafen „Publikum macht mich nicht nervös“

„Warum Klavier?“ – „Weil ich faul bin.“ Das sagt der internationale Starpianist Kit Armstrong. Freundlich und geduldig beantwortete er Fragen von Schülern des Ludwigshafener Max-Planck-Gymnasiums. Dabei gab er für die Elft- und Zwölftklässer interessante Einblicke. Natürlich spielte Armstrong auch klassische und eigene Werke.
„Es ist eine wunderbare Sache, den Schülern Wege zur Musik zu eröffnen“, sagte der Pianist im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Zwei Schulstunden lang hatte er sich zuvor mit den Schülern unterhalten und natürlich immer wieder Stücke auf dem schon etwas abgenutzten Flügel gespielt. Den Kontakt hergestellt hat das Kulturmanagement der BASF, das den Schülern auch Karten für Armstrongs Konzert am Vorabend im Feierabendhaus gesponsort hat. Der Künstler ist Mitglied der Aktion „Rhapsody in School“, die Künstlerbesuche an Schulen fördert. Klar geworden ist aus Armstrongs Antworten, dass er seinen Beruf als Musiker wirklich liebt. Aber „vorbestimmt“ war seine Karriere keineswegs. „Ich fand Notenbilder interessant und habe sie nachgemalt“, erzählt er von seiner ersten Begegnung mit Musik. Dann ging alles sehr schnell. Das Klavierspielen muss ihm leicht gefallen sein. Er hat aber auch ein Mathematikstudium abgeschlossen und begeistert sich für Wissenschaft. Interessant ist seine Begründung, warum er dieses Instrument spielt: „Ich bin faul und Klavier ist das einzige Instrument, bei dem man den Klang nicht extra üben muss“, meint er. Schuldirektor Mike Thisling-Pfeifer, selber Pianist, wirkt etwas verdutzt, „Naja, das kann man auch anders sehen“, murmelt er. Ansonsten ist ihm Stolz und Freude deutlich anzumerken, den weltberühmten Künstler an seiner Schule zu haben. Kit Armstrong ist gerade einmal 23 Jahre und wirkt sogar noch jünger. Bei der Begrüßung mit Handschlag, denkt man blitzartig: „nichts kaputt machen!“, so fein und klein fühlt sich seine Hand an. Wenn seine Finger dann über die Tasten tanzen, ist aber alles da, um großartige Musik zu spielen: Gefühl und Sensibilität, geschmeidige Virtuosität, Geschwindigkeit, Kraft. Auch auf dem Flügel in der Aula spielt er äußerst beeindruckend und mit unglaublicher Anmut. Natürlich fragen die Schüler, ob der Künstler auch Musik hört, die ihnen gefällt, etwa Rap und Hip-Hop. „Da kenne ich mich zu wenig aus, aber ich finde es wichtig, dass es diese Musik als Ausdrucksform gibt“, sagt er. Er höre klassische Musik, aber die sei so vielseitig, dass das ganz unterschiedliche Stile und Epochen bedeute. Das zeigen auch die Stücke, die er in der Aula spielt: Höchst virtuose Kompositionen von Chopin und Liszt sind dabei, dann aber auch eine Ballade des Renaissance-Komponisten Guillaume de Machault. Um zu zeigen, welche Überraschungen klassische Musik bereithält, spielt er ein Stück von Carl Philipp Emanuel Bach, einem der Söhne von Johann Sebastian Bach. Das Stück klingt verblüffend nach Rock, denn in der linken Hand hämmert ein Pedalton im Bass in Oktavsprüngen, rechts kommen Akkorde darüber, die sehr farbig werden. Mit dem Sohn seines Mentors Alfred Brendel, dem Cellisten Adrian Brendel, habe er über das Stück gesprochen. „Wenn du so einen Vater hast, musst du auch mal alle Regeln brechen“, habe sein Freund gemeint. Konzerte machen Armstrong nicht nervös. „Ich habe so früh damit angefangen, dass es mir immer ganz natürlich schien, vor Leuten zu spielen“, erklärt er. Eine gewisse Anregung sei aber in ihm zu spüren. Auch ihm passiere es, dass er mal nicht in optimaler Form sei. „Wenn ich alleine spiele, macht mir das nicht so viel aus. Schlimm ist es aber, wenn man mit anderen spielt, die auf einen angewiesen sind.“ Dann erzählt der junge Meister, dass er mal auf einer sehr anstrengenden langen Tournee mit einem Orchester gewesen sei. Und da hat er mit den Kollegen einen Einsatz so richtig versemmelt: Am Ende eines Klavierkonzerts, nach einer großen improvisierten Kadenz sollte er in einen Triller gehen, der für das Orchester das Zeichen ist, einzusetzen. Ob er zu kurz trillerte, oder der Dirigent zu spät den Einsatz gab wird sich nicht mehr klären lassen. Jedenfalls gab es ein riesiges Loch, als das Klavier aufhörte und das Orchester noch nicht spielte. „Da muss man sich eben entschuldigen“, schmunzelt Armstrong. Es gab auch Fragen zu den anstrengenden Seiten des Pianistenlebens. Was er so übe, ob es besondere Sachen gebe, die er verbessern wolle, fragten Schüler. Da gibt es offenbar eine Grenze für Armstrong: „Das sind Betriebsgeheimnisse“ sagte er. Aber dass er wegen seiner kleinen Hände die Griffe großer Intervalle üben müsse, verriet er dann doch.