Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Prozess zu Bluttat in Oggersheim: Überlebender schildert den Angriff des Somaliers

Abgesperrt: Tatort Philipp-Scheidemann-Straße.
Abgesperrt: Tatort Philipp-Scheidemann-Straße.

Am Landgericht Frankenthal ist der Prozess gegen den Somalier fortgesetzt worden, dem die Staatsanwaltschaft zweifachen Mord und versuchten Mord vorwirft. Im Mittelpunkt stand am Freitag das Tatgeschehen rund um die Oggersheimer Drogeriefiliale.

Es war ein denkwürdiger Prozesstag, durch den die Vorsitzende Richterin Mirtha Hütt führte. Nicht weil das überlebende Opfer mit gepresster Stimme seine Aussage machte, nicht weil Prozessbeteiligte und Öffentlichkeit auf den Videobildern des Drogeriemarktes die zweite Messerattacke am 18. Oktober in Oggersheim und auch die Festnahme des Angeklagten verfolgen konnten – und noch nicht einmal, weil ein Polizeibeamter einen groben geografischen Überblick über den Tathergang und die Beweisaufnahme gab, dabei auch Tondokumente eintreffender Notrufe abspielte und auf Bildern sowohl das zweite getötete Opfer, der 35-jährige Sascha K., als auch der abgetrennte Unterarm des 20-jährigen Jonas S. zu erkennen waren.

Denkwürdig war vor allem die Aussage des Angeklagten, der wie bereits am ersten Prozesstag erklärte, dass er auf der Suche nach schlechten Menschen war. Männern, die Frauen und Kinder angreifen, und die er deshalb töten wollte: „Man hat mir jetzt in der Haft erklärt, dass alle, die ich angegriffen habe, meine Ehefrau überhaupt nicht kennen. Dann muss jetzt das Gericht entscheiden. Dann ist das eben so, wie es ist.“ Eine Aussage, die nicht nur die Angehörigen, sondern auch die Zuschauer im gut gefüllten Gerichtssaal fassungslos machte.

Die Anteilnahme in der Bevölkerung nach der Bluttat vom 18. Oktober war groß.
Die Anteilnahme in der Bevölkerung nach der Bluttat vom 18. Oktober war groß.

Dabei war schon die Aussage des 27-jährigen Opfers nichts für schwache Nerven: „Ich schlafe schlecht. Wenn ich einkaufen gehe, dann drehe ich mich oft um“, berichtete der junge Mann, der nach der Messerattacke im Drogeriemarkt am Comeniuszentrum nur nach einer Notoperation überlebt hatte. Auch umgezogen ist er mittlerweile. „Ich hätte ansonsten täglich immer wieder an der Filiale vorbeigemusst. Das wollte ich nicht.“

Messer in der Brust

Im Krankenhaus musste der 27-Jährige wiederbelebt werden. Nur an das Wort „Defibrillator“ könne er sich noch erinnern, „danach war ich weg.“ Dabei hatte alles völlig harmlos begonnen: „Bist du deutsch, türkisch oder englisch?“ Mit dieser Frage habe der Angeklagte ihn damals angesprochen.

Bis dahin hatte der 27-Jährige einen ganz normalen Tag verlebt. „Ich hatte frei und wollte Alltagsgegenstände einkaufen“, erinnerte sich der Nebenkläger, der Freitagals Zeuge aussagte. Ein Geschenk für seinen Neffen sei auch unter den Einkäufen gewesen. Damit habe er schon an der Kasse gestanden, als er von dem Angeklagten angesprochen wurde.

„Ich habe mich umgedreht und gesagt ,deutsch’ und dann hatte ich auch schon das Messer in der Brust.“ Das Blut habe gesprudelt, „wie wenn man einen Wasserhahn aufdreht.“ Nicht er, sondern sein Körper habe danach reagiert. „Ich bin nach draußen gelaufen.“ Dort haben sich Ersthelfer um den 27-Jährigen gekümmert. Die Aufnahmen der Überwachungskameras nahmen einen großen Teil des zweiten Verhandlungstages ein. Darauf zu sehen ist, dass der Somalier äußerlich gelassen schlendernd den Drogeriemarkt betrat. 20 Sekunden später hatte er schon zugestochen, dann verfolgten immer mehr Polizisten den Mann, streckten ihn schließlich mit mehreren Schüssen nieder.

Eine der Überwachungskameras zeigte dann die Verhaftung des Angeklagten, der zu diesem Zeitpunkt am Boden lag. Vier Schüsse hatten die Polizisten abgegeben. Die meisten trafen den Somalier in Beine und Gesäß.

Makabre Textnachricht

Von der Tat in der Philipp-Scheidemann-Straße gab es solche Videos nicht. Aber dafür eine ganze Menge anderer, die die Polizei von zahlreichen Zeugen erhalten und ausgewertet hatte. Unter anderem ein Video, das den Somalier zeigt, als er wohl schon auf dem Rückweg von seiner Freundin war, der er den abgetrennten Unterarm seines 20-jährigen Opfers auf den Balkon geworfen hatte. Anwohner hatten den Angeklagten dabei gefilmt, wie er wild schreiend durch die Straße lief. „Ich habe gerufen, dass ich Steuern zahle, wie alle anderen auch und meine Frau und meine Kinder beschütze“, erläuterte er gestern vor Gericht.

Makaber, dass er seiner Ex-Partnerin fünf Tage zuvor per Textnachricht ein „Geschenk“ angekündigt hatte. „Er werde ihr etwas Schönes auf den Balkon legen“, heißt es darin. „Damit habe ich wirklich etwas Schönes gemeint, um ihr eine Freude zu bereiten“, beteuerte er gestern. Im Notruf bei der Polizei schilderte die Frau allerdings, dass sie gehört habe, wie er „Hier ist dein Geschenk“ rief, als er den Unterarm auf den Balkon geworfen hatte. Die Frau wird am 15. März aussagen.

Die Verhandlung wird mit der Vernehmung weiterer Zeugen am Mittwoch und Donnerstag, 8. und 9. März jeweils um 9 Uhr fortgesetzt.

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