Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Prozess: Totschlag in der Bayreuther Straße

Wohnblocks im Einweisungsgebiet Bayreuther Straße.
Wohnblocks im Einweisungsgebiet Bayreuther Straße.

Totschlag und gefährliche Körperverletzung wirft Staatsanwalt Daniel Otto in einem Verfahren am Schwurgericht des Landgerichts Frankenthal einem Ludwigshafener vor. Wobei Totschlag wörtlich zu nehmen ist: Der 45-Jährige soll am Abend des 27. April 2021 in einem Wohnblock in der Bayreuther Straße (West) einen 59-Jährigen mit Faustschlägen getötet haben.

„In dem Fall ist so ein bisschen der Wurm drin“, sagte der Vorsitzende Richter Karsten Sauermilch am zweiten Verhandlungstag am Donnerstag. Ein Satz, den man sowohl auf den Abend des 27. April 2021 wie auch auf den bisherigen Prozessverlauf beziehen kann. Der begann schon drei Tage vor Weihnachten vergangenen Jahres. Da wurde aber nur die Anklage verlesen, weil der psychiatrische Sachverständige, der ein Gutachten über den Angeklagten erstellen soll, keine Zeit hatte. Erst jetzt, fast zwei Monate nach Prozessbeginn, geht es weiter. Andere Termine des Schwurgerichts und Erkrankungen von Beteiligten sind die Gründe dafür.

Richter: Schwieriger Prozess

Doch auch jetzt läuft nicht alles glatt. Einer der Zeugen sei inzwischen verstorben, teilte Sauermilch mit. Zwei weitere Zeugen haben wahrscheinlich ein Zeugnisverweigerungsrecht, das heißt: Sie müssen keine Aussagen machen. Der eine, weil die Kripo zeitweise vermutete, dass er den 59-Jährigen getötet hat. Der Grund für das mögliche Verweigerungsrecht eines weiteren Zeugen ist, dass er beschuldigt wird, aus dem Zimmer des Getöteten ein Fahrrad gestohlen zu haben. Sauermilch vermutet, dass weitere Zeugen, die in der Bayreuther Straße wohnen, nicht unbedingt „Hurra schreien, wenn ich Ihnen eine Ladung schicke“. Der Angeklagte hat über seine Anwälte Sebastian Göthlich und Alexander Klein mitgeteilt, dass er keine Angaben machen wird. Der Prozess werde wohl „schwierig“, meinte Sauermilch.

„Wilde Situation“

Schwierig war es auch für die beiden Kripobeamten des Kriminaldauerdiensts, als sie in der Nacht vom 27. auf 28. April kurz nach Mitternacht in einen der Wohnblöcke in der Bayreuther Straße kamen. „Es war eine unüberschaubare wilde Situation. Die Lage war sehr unübersichtlich“, beschrieb eine Kripobeamtin ihren Eindruck. „Der Flur war voll mit Leuten“, so ihr Kollege. Die „Leute“ waren Bewohner des Blocks und Polizisten. Beide Kripobeamte berichteten, dass ihnen nicht einmal klar gewesen sei, ob sie an einem Tatort sind. „Unbekannter Toter ohne Todesbescheinigung“ – das sei erst einmal alles gewesen, was sie wussten. Der Notarzt sei bereits wieder weggefahren gewesen, ohne einen Totenschein auszustellen und nicht zu erreichen gewesen. Deshalb hätten sie nicht einmal gewusst, an was der in einem Zimmer „quer vor einem Bett liegende“ Tote gestorben ist und ob es ein natürlicher Tod war oder nicht.

„Volltrunken, schlafend, nicht ansprechbar“

Am Ende des Flurs habe ein weiterer Mann gelegen. Der war aber nicht tot, sondern „volltrunken, schlafend, sich übergebend und nicht ansprechbar“. Der Kripobeamte berichtete, dass er an der einen Hand und auf dem T-Shirt des Betrunkenen Blutspuren entdeckt habe.

„Kratzer an der linken Schulter und blutige Verletzungen an der linken Innenhand“ habe der Angeklagte gehabt. Der war nicht in dem Flur voller Leute, er habe in der Nähe „mit einer Melone auf einem Zaun gesessen“, so die Beamtin. Sie sagte, es sei bekannt, dass der Angeklagte „gewalttätig ist“. Wegen der Blutspuren wurden die beiden Männer zu „Beschuldigten“, das bedeutet Tatverdächtige.

Drei Bewohner als Zeugen geladen

Die beiden Kripobeamten berichteten von Aussagen und Angaben, die mehrere Bewohner des Blocks in der Nacht gemacht haben. Das alles sei „sehr unübersichtlich“, so Sauermilch. Mit den Worten „ach nee“ reagierte er auf die Anregung von Klein, einen Ortstermin zu machen. Für den nächsten Verhandlungstermin am 28. Februar, 13 Uhr, sind drei Bewohner des Wohnblocks als Zeugen geladen.

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