Ludwigshafen Profis für die Motorspritze
Die Ludwigshafener Berufsfeuerwehr feiert in diesem Jahr mit vielen Veranstaltungen ihr 100-jähriges Bestehen.
Als die Berufsfeuerwehr in Ludwigshafen im Februar 1918 gegründet wurde, waren die Anfänge bescheiden: Die Truppe bestand zunächst nur aus vier hauptberuflichen Feuerwehrleuten. Sie kümmerten sich vor allem um das erste motorisierte Feuerwehrlöschfahrzeug der Stadt, das ab 1919 im Einsatz war. Die sogenannte Motorspritze ermöglichte es, mit bis zu 40 Stundenkilometern schnell zum Einsatzort zu kommen. Die neuartigen Fahrzeuge hatten weitere Vorteile gegenüber den alten hand- oder dampfbetriebenen Spritzen, die von Pferden zum Brandort gezogen wurden. Es reichten zwei Mann, um die Motor-Feuerspritze zu bedienen. Für eine Handkraftspritze mit gleicher Förderleistung wurden 32 Männer gebraucht. Der Fahrerplatz war offen, zwei Längssitzbänke dienten dem Transport der Mannschaft beim Einsatz. Das neue Gerät bewährte sich schnell. Im ersten Jahr musste die Berufsfeuerwehr zu 29 Bränden ausrücken. Als „Feuerwache“ diente das Stadthaus Nord. „Einen formellen Stadtratsbeschluss für eine Berufsfeuerwehr gab es damals wohl nicht“, sagt Stadtarchivar Stefan Mörz. Die Professionalisierung der Wehr habe sich mit der Zeit ergeben. Die Profis unterstanden zunächst dem Kommandeur der sogenannten Pflichtfeuerwehr. Diese bestand aus zum Feuerwehrdienst verpflichteten Bürgern (siehe „Zur Sache“). Schon damals galt es, Großeinsätze zu bewältigen, etwa den Brand eines Lagerhauses im Winterhafen (heute Rhein-Galerie) oder die Explosion im Oppauer Werk der BASF im September 1921. Ein Jahr später erreichte der neue Berufsfeuerwehrchef Karl Stein, dass die Truppe zu einer eigenen Dienststelle der Stadtverwaltung wurde. Mit den Jahren wurde die Berufsfeuerwehr immer weiter vergrößert. 1926 hatte sie bereits 36 Mann und mehrere Fahrzeuge. Die Pflichtfeuerwehr ging schließlich in der Freiwilligen Feuerwehr auf. Durch die (Zwangs-)Eingemeindungen von Maudach, Oggersheim und Oppau/Edigheim 1938 bekamen die Wehren im Dritten Reich zusätzliches Personal und Gerät. Im Zweiten Weltkrieg kümmerten sich 300 Mann mit rund 50 Fahrzeugen um den Brandschutz. Bei den Luftangriffen auf die Stadt wurden auch die Hauptfeuerwache und viele Fahrzeuge zerstört. Das Kriegsende 1945 bedeutete auch für die Feuerwehr die Stunde Null. Um in dieser Phase die Stadt vor Bränden zu schützen, sprang die BASF-Werksfeuerwehr ein. Die neuformierte städtische Berufsfeuerwehr hatte zunächst alle Hände voll zu tun, Blindgänger zu entschärfen und Häuserruinen in der schwer zerstörten Stadt einzureißen. 1947 verfügte die städtische Truppe wieder über 41 Mann und fünf Löschfahrzeuge sowie zwei Drehleitern. Im Sommer 1948 ereignete sich in der BASF erneut ein verheerendes Explosionsunglück. Rund 1000 Wehrleute aus der ganzen Region und Soldaten der Besatzungstruppen waren im Einsatz. In der Nachkriegszeit und den Wiederaufbaujahren wurde die Ludwigshafener Feuerwehr weiter personell aufgestockt. Das war auch notwendig, um die Wochenarbeitszeit von 96 auf 72 Stunden senken zu können. 1963 wurde die Hauptfeuerwache am Kaiserwörthdamm in Mundenheim eingeweiht. Die Truppe umfasste zu diesem Zeitpunkt schon 136 Mann. Mit weiteren 30 zusätzlichen Stellen konnte die Wochenarbeitszeit Anfang der 1970er-Jahre auf 56 Stunden reduziert werden. Nach vielen Diskussionen wurde 1986 eine zweite neue Feuerwache im Norden der Stadt eingeweiht. In Oppau wurden 70 Mann stationiert. Das verbesserte die Leistungsfähigkeit erheblich: Nun war es möglich, in acht Minuten an jedem Einsatzort im Stadtgebiet zu sein. Vorher mussten bis zu 18 Minuten in Kauf genommen werden. Heute gibt es 190 Berufsfeuerwehrleute – darunter eine Frau, die von 120 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr unterstützt werden. Bei Bedarf kommen noch drei Werksfeuerwehren von BASF, Raschig und Abbvie dazu. In kurzer Zeit sind bis zu 600 Wehrleute verfügbar. Außerdem wird eng mit den Mannheimer Kollegen zusammengearbeitet. Durch die chemische Industrie ist Ludwigshafen eine Stadt, die eine größere und spezialisiertere Feuerwehr als andere Städte braucht. Im Stadtgebiet sind rund 16.000 Gefahrguttransporte pro Tag unterwegs. Als einzige Feuerwehreinheit im Land können die Ludwigshafener mit speziellen Messgeräten Schadstoffe in der Luft analysieren. Die Ludwigshafener wissen, zu welchen Leistungen ihre Feuerwehr im Zusammenspiel mit Werksfeuerwehren und Freiwilligen Feuerwehren im Stande ist. Das hat sich einmal mehr beim Lagerhallenbrand auf der Parkinsel 2013 gezeigt oder 2014 beim Einsatz nach der Explosion einer Ferngasleitung in Edigheim. Zuletzt waren die Wehrleute auch 2017 gefordert, als sich im BASF-Nordhafen ein Unglück ereignete, das fünf Tote forderte – darunter vier Werkswehrleute. Eine der schwärzesten Momente in der Feuerwehrgeschichte war der Brand eines Mehrfamilienhauses 2008, bei dem neun Menschen türkischer Herkunft ums Leben kamen, 60 wurden verletzt. „Wir haben 47 Personen aus dem Haus gerettet. Es war ein Einsatz gegen die Zeit und es hätte noch wesentlich schlimmer ausgehen können“, sagt Feuerwehrchef Stefan Bruck. Die Wehr habe gute Arbeit geleistet – umso schlimmer seien danach die Vorwürfe von türkischen Medien gewesen. Rund 4000 Einsätze absolviert die Feuerwehr in Ludwigshafen jedes Jahr. Wehrleute brauchen eine abgeschlossene Berufsausbildung, daran schließt sich eine zweijährige Feuerwehrausbildung an. Und man braucht gute Nerven – das hat sich in 100 Jahren nicht geändert.