Mutterstadt
Pop mit Bratschenpower: Ensemble begeistert für große Schwester der Geige
Fragt man die Leute, die Bratsche spielen, sagen alle das Gleiche: Sie finden das Instrument klingt schöner. „Die Geige hab’ ich probiert, aber sie klingt mir zu hoch“, sagt etwa Janis Lenhardt, 13 Jahre alt, aus Limburgerhof. „Bei der Bratsche sind die Töne kräftig und tiefer, bei der Geige sind die Töne mir zu hoch“, sagt Frieda Mies. Sie kommt auch aus Limburgerhof ist zehn Jahre alt und spielt seit vier Jahren Bratsche. Zusammen mit ihrer gleichaltrigen Freundin Theresa Plewnia hat sie ein Bratschenduo. Theresa spielt seit fünf Jahren Bratsche. „Meine Schwester spielt Geige, mein Bruder Bratsche und ich habe das gehört und die Bratsche gefällt mir besser“, sagt sie. Theresa und Frieda haben sich durch das Bratsche spielen kennengelernt und sind richtig gute Freundinnen geworden. Zusammen haben sie auch schon bei mehreren Wettbewerben mitgemacht und Preise gewonnen.
Besondere Harmonie
Wer sich mal in die Bratsche verliebt hat, den lässt sie nicht mehr los. Bei der Bratschenpower spielen auch ehemalige Schüler der Kreismusikschule mit, wie etwa Diana Vogelmann. Die 21-jährige Mutterstadterin begann im Alter von sechs Jahren das Bratschenspiel. Es gab eine Unterbrechung als sie vor zwei Jahren Abitur machte, dann stoppte die Corona-Pandemie Proben und Konzerte. „Das hat mir so gefehlt, das Zusammenspiel und die Kameradschaft im Ensemble“, sagt sie. Die Harmonie im Bratschenklang sei etwas ganz Besonderes. „Wenn ich mit den anderen spiele, habe ich immer ein Lächeln im Gesicht und die anderen auch“, sagt sie. Jetzt probt sie mit der Bratschenpower für den Auftritt am Muttertag im Mutterstadter Palatinum. „Dances“ heißt das Programm und neben Sinfonieorchester und Streichervororchester ist die Bratschenpower das dritte Ensemble, das den Abend gestaltet.
Schnuppertage für Familien
Gründerin und Leiterin des Bratschenensembles ist Hiltrud Wies. Sie will die Bratsche aus ihrem Schattendasein holen. Sie ist seit Gründung der Kreismusikschule aktiv – als Schülerin war sie 1971 beim ersten Jahrgang dabei und machte später die Bratsche zu ihrem Beruf. „Die Bratsche ist einfach weniger bekannt als die Geige und deshalb wissen viele Eltern zuerst nicht, dass ihr Kind auch Bratsche spielen könnte“, erklärt die Lehrerin. Bei Schnuppertagen oder Instrumentenvorstellungen der KMS können die Kinder selber ausprobieren und wählen – und sie entscheiden sich oft für die Bratsche. Das Instrument ist etwas größer als die Geige und tiefer gestimmt – genau das finden die Bratschen-Fans angenehm. Die dickeren und längeren Saiten brauchen ein wenig mehr Kraft, aber die entwickeln die Spieler recht schnell. Für die jüngeren Spieler gibt es passende kleinere Instrumente.
Bei der Bratschenpower ist die jüngste Mitspielerin sechs Jahre alt, für sie gibt es eine extra leichte Stimme, die ältesten sind Eltern von Schülern. Gut 40 Leute gehören dazu und das gibt dem Klang tatsächlich ordentlich Power. Gespielt werden Stücke von Barock bis Pop. Die auf das Ensemble abgestimmten Arrangements schreibt Hiltrud Wies, die Pop-Stücke bearbeitet Matthias Debus, ein bekannter Jazzbassist der Metropolregion, der auch in der zusätzlichen Rhythmusgruppe mitspielt.
Wie ein Saarländerwitz
Aber da gibt es noch etwas, das der Bratsche nachhängt, wie ein Kaugummi an der Schuhsohle: Es gibt unzählige Witze über Bratscher, sie sind so etwas wie die Saarländer für die Pfälzer. „Ach, Witze gibt es über alle Instrumente“ meint Hiltrud Wies. Hintergrund sei das Klischee, dass Bratsche von Leuten gespielt werde, bei denen es für Geige nicht gereicht habe. In Wirklichkeit sei das aber Unsinn. An der Kreismusikschule seien die Geigen sogar fast ein bisschen neidisch auf die Bratschenpower. „Ich habe schon gehört, dass sich die Geigen eine Geigenpower wünschen“ verrät die Bratschistin.
Termin
„Dances – Tanzmusik aus aller Welt“ mit Sinfonieorchester, Streichervororchester und Bratschenpower der Kreismusikschule. Samstag, 13. Mai, 18 Uhr, Palatinum Mutterstadt.