Ludwigshafen Poesie auf tiefen Saiten
Auch wenn nicht gesungen wird, kann Jazz sehr poetisch sein. Beim Kontrabassisten Sebastian Gramss ist das jedenfalls so. Überaus lyrisch ist das jüngste Album mit dem Titel „Gentle Giants“, das er mit seinem Trio Slowfox aufgenommen und nun bei der IG Jazz in der Mannheimer Klapsmühl’ vorgestellt hat.
Neben seinem Quintett Underkarl ist Slowfox ein weiteres wichtiges Ensemble für den in Köln lebenden Musiker. Weitere Projekte unterhält Gramss mit seinem Trio Fossile 3 (mit Rudi Mahall) und mit Bassmasse, einem improvisierenden Ensemble von 13 Kontrabassisten. Gedichte von Robert Frost haben ihn nun zu dem ersten Slowfox-Album inspiriert. Hier zeigt sich eine andere, zweite Seite des Musikers, der sonst die avancierten Klänge bevorzugt. Der Echo-Jazz-Preisträger von 2013 hat in dem Saxophonisten Hayden Chisholm (der im gleichen Jahr den renommierten SWR-Jazzpreis erhielt) einen ebenso hochkarätigen Partner wie mit dem Wiener Pianisten Philip Zoubek. Freigeister sind alle drei Musiker und dennoch: In der Tradition tief verwurzelt ist ihr Spiel jederzeit, in Blues und Bebop. In federleichter Lakonik schwingen die Melodien aus, schattenhaft und verträumt, dann auch repetitiv minimalistisch in der Art von Gamelanmusik. Manchmal erinnert es auch an Ambient-Music, nur eben handgemacht und nicht elektronisch. Eine einzigartige Kunst der Tongebung bringt Hayden Chisholm ins Spiel. Dabei lässt der Neuseeländer sein Altsaxophon ganz wundersam blühen, lässt es still und samtig glühen und bringt es zum beseelten Singen. Wachsweich ist seine Tongebung, und dies bewirkt schon mal impressionistische Sounds im Verbund mit seinen Kollegen. Das floss und wogte bisweilen so sanft wie „Die Moldau“ von Smetana. Die drei Musiker sind sich bei diesem musikalischen Konzept einige, schaffen den Spagat zwischen Traditionsbewusstsein und Avantgarde. Zauberhafte Klänge entlockte Zoubek den bisweilen präparierten oder mit Klebeband abgedämpften Klaviersaiten. Sanft percussive Klänge oder wunderbar elastisch schwingende Tongeflechte wurden in dem Triospiel frei und intuitiv miteinander verbunden. Bluesig abgeklärt tönten die Gramss-Kompositionen, gelegentlich ließ der Bandleader aber auch seine avancierten Bass-Techniken hören, beidhändig glissandierende Linien zum Beispiel oder eine Tapping-Technik, womit er das musikalische Spektrum fesselnd erweiterte. Die sehr empfehlenswerte CD wurde im SWR-Studio in Freiburg aufgenommen. CD-Tipp Sebastian Gramss „Gentle Giants“, Traumton Records.