Ludwigshafen Plädoyer für eine offene Gesellschaft

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Mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) als prominentem Antrittsredner hat gestern die Reihe „Mannheimer Reden“ begonnen. Mit der Serie will das Mannheimer Nationaltheater zusammen mit dem Heidelberger Bildungs- und Gesundheitsunternehmen SRH gesellschaftliche Themen aufgreifen und zu einer Wertedebatte anregen. Je ein Gast aus Politik, Wirtschaft, Kultur oder Sport wird eingeladen, seine Sichtweise darzulegen.

„In welchen Land wollen wir leben?“ war die Fragestellung, zu der Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sprach. Das tat er in seiner gewohnt unaufgeregten klaren Art. Seine Rede war in erster Linie ein Plädoyer für eine offene Gesellschaft in einem vereinten Europa, denn das ist aus seiner Sicht das einzige Mittel gegen Nationalsozialismus und religiösen Fanatismus. Dies sei auch der Gedanke der Schöpfer des Grundgesetzes gewesen. „Noch nie lebten wir in einem besseren Deutschland“, bilanzierte Winfried Kretschmann. Und doch befinde sich Europa in der schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Dem Begriff der Nation stellte er den Begriff der Heimat entgegen. Heimat sei ein wichtiger Teil der Identität. Und auf Mannheim gemünzt: Die Sängerin Joy Fleming gehöre ebenso zu Mannheim wie Spaghetti-Eis-Erfinder Dario Fontanella oder Comedian Bülent Ceylan. Sie alle sind Träger des Bloomaulordens, der im Nationaltheater verliehen wird. Sie seien Mannheimer, ob mit deutschen, italienischen oder türkischen Wurzeln. Identität und Heimat seien nicht an ethnische Kriterien gebunden. Die Feinde dieser freien und toleranten Lebensweise sind für den Grünen-Politiker islamistische Terroristen und radikale rechte Demokratieverächter: „Sie wollen uns in einen Kulturkampf ziehen. Beide schüren Angst und predigen Hass. Ich möchte in einem Land leben, in dem die Würde jedes einzelnen Menschen zählt.“ Kretschmann ging auch auf einen der Grundgedanken der Demokratie ein – nämlich wie verhindert wird, dass ein Diktator die Macht im Staat an sich reißen kann: durch Kontrolle, Kritik und Gegengewichte, durch regelmäßige freie Wahlen, durch unabhängige Gerichte, ein unabhängiges Parlament und nicht zuletzt eine freie Presse. „Es ist merkwürdig, dass man so was sagen muss. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal für diese Dinge eintreten muss“, bemerkte er trocken, was ihm viel Beifall einbrachte. In der Diskussion mit SRH-Vorstand Christof Hettich und Schauspiel-Intendant Burkhard C. Kosminski fragte dieser, wie man Menschen, die sich als Verlierer der Globalisierung betrachten, ansprechen könne. „Indem Politiker so reden, dass man uns versteht. Dann glaubt man ihnen auch, dass sie sich für die Probleme des kleines Mannes einsetzen.“ Als nächsten Gast der „Mannheimer Reden“ wünschte sich Kretschmann den Papst, was aber wohl ein frommer Wunsch bleiben werde. Ihn würde aber auch interessieren, was die SAP-Gründer zur fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt sagen.

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