Ludwigshafen
Perfekter Pop: Abba-Show im BASF-Feierabendhaus
Heute gibt es keine Diskussionen: Angetha Fältskog, Benny Andersson, Björn Ulvaeus und Anni-Frid „Frida“ Lyngstad haben großartige Popmusik gemacht. Dass die gut angekommen ist beim Publikum, sagen die Zahlen: Mindestens 400 Millionen verkaufte Tonträger, und ein Ende ist nicht abzusehen. Wie beliebt Songs wie „Dancing Queen“, „Super Trouper“, „Chiquitita“ und „Mamma Mia“ sind, war auch daran zu sehen, dass das BASF-Feierabendhaus so gut wie ausverkauft war. Augenscheinlich hat das Publikum die Zeit der großen Originale selbst miterlebt. „Thank you for the Music“, das Dankeschön für die Musik und Name der Show, ist natürlich auch ein Songtitel.
Die Produktion ist eine von vielen, die auf der aktuellen Abba-Welle mitschwimmen. Die Musik wird live gespielt. Im Hintergrund steht eine Band aus erfahrenen Tour- und Studiomusikern, verstärkt mit zwei Sängerinnen und einem Sänger, die nicht nur für Chorgesang zuständig sind, sondern auch mal kurze Solo-Spots bekommen, wenn die Geschichte der schwedischen Pop-Giganten erzählt wird. Und dann sind da Rachel Hiew als blonde Agnetha und Dominique Lacasa als brünette Frida, Jarek Jeziorowski als Benny und Jules Dodd als Björn. Die beiden Damen haben tatsächlich eine verblüffende Ähnlichkeit zu den Vorbildern, und auch die Stimmen sind ganz nahe an den Originalen. Die Herren rechts und links sind optisch nicht ganz so perfekte Doppelgänger, aber spielen Gitarre und Tasten und singen dazu so, dass nichts zu wünschen bleibt.
Knallhart kalkuliert
Eine gute Idee ist es, den alten ZDF-Hitparaden-Haudegen Uwe Hübner in die Rolle des Abba-Managers Stikkan Anderson schlüpfen zu lassen. Als solcher gab er einen Blick hinter die Kulissen, den vielleicht auch viele Fans noch nicht hatten. Tatsächlich war Anderson der kühl berechnende und knallhart kalkulierende Kopf hinter der Supergruppe. Und diese Geschichte wird auch erzählt. In der Rolle des Managers berichtet Hübner, wie er vier erfolgreiche schwedische Musiker gezielt zusammengebracht hat: erst Björn und Benny als die Hit-Schreiber und dann zwei Sängerinnen, die unbedingt auch dem Auge etwas bieten mussten. Diese vier Elemente in seinem Studio-Reaktor haben tatsächlich eine Art Kernfusion ergeben: zwei Ehepaare, die internationale Hits geradezu am Fließband produzierten und die Kassen klingeln ließen. „Die Geld-Druckmaschine lief und lief“, jubelt Hübner als Anderson.
Tatsächlich hat man das in den 70ern auch kritisiert: Kalkulierter Kommerz sei das, keine authentische und ehrliche Musik. Dahinter steckt die naive Vorstellung, dass Lieder gefälligst aus Gefühl, nicht aus Kalkül entstehen müssen, um künstlerisch wertvoll zu sein. Das ist natürlich Unsinn, denn das Pop-Geschäft ist eine gnadenlose Verwertungsmaschinerie. Selbst die Kritik daran, etwa durch rotzig-rebellischen Punk, der zur Abba-Blütezeit aufkam, ist nichts als Geschäft. Den Konsumenten sind diese akademischen Diskussionen völlig wurscht. Das ganze Feierabendhaus antwortet begeistert und textsicher, wenn aufgefordert. Alle kommen dem Klatsch-Befehl mit Freude nach. Am Ende startet die Abba-Party richtig durch, die Leute wären ohnehin aufgestanden. Musikalisch kann man nichts beanstanden, die Songs wurden wirklich gut gespielt. Die Performance machte Spaß, lange Beine und kurze Röckchen verfehlten auch nicht ihre kalkulierte Wirkung. Die Musik war damals schon nicht innovativ – aber ganz nahe an der Perfektion. Das spiegelt die Show gut wider. Manchmal ist die stampfende Bass-Drum vielleicht zu schlagerhaft aufdringlich, aber das stört keinen. Gitarrist Jules Dodd als „Björn“ legte am Ende noch ein Killer-Gitarrensolo hin – was der Mensch am Mischpult leider vergaß hochzuregeln, was schade war. Ansonsten war das eine perfekte Abba-Party für Fans.