Ludwigshafen Pendler lassen Geld im Dorf
Das 19. und 20. Jahrhundert mit der aufkommenden Industrialisierung brachte für Dannstadt und Schauernheim viele Veränderungen mit sich. Handwerks- und Gewerbebetriebe siedelten sich im Umkreis der Stadt Ludwigshafen an – so auch in Dannstadt und Schauernheim.
Die Industriebetriebe der nahen Stadt Ludwigshafen boten Arbeitsplätze und zogen auch die Einwohner aus Dannstadt und Schauernheim an. Für das Jahr 1950 gibt es eine Erhebung, die der Historiker Gerhard Fouquet in seinem Buch „Dannstadt-Schauernheim: 1880 bis 1940 – Geschichte in Bildern“ wiedergibt: Damals pendelten von den 1181 erwerbstätigen Dannstadtern immerhin 330 nach Ludwigshafen. In Schauernheim wurden 146 Pendler von 413 Erwerbspersonen gezählt. Die Industrie gab vielen Menschen Lohn und Brot – und bildete damit die Grundlage für Handwerks- und Gewerbebetriebe in den umliegenden Gemeinden. „Die Menschen verfügten über Geld und konnten sich davon etwas kaufen, außerdem mussten sie Dinge des täglichen Lebens nicht mehr selbst herstellen“, erklärt Ingo Dierck eine Entwicklung, die im 19. Jahrhundert begann. Der Historiker hat 1989 zusammen mit Fouquet zwei Bücher zur Geschichte von Dannstadt und Schauernheim herausgebracht. Dierck beschäftigt sich auch heute noch mit der Geschichte der beiden Gemeinden, ein dritter Band zur jüngeren Historie ist bereits geplant. Die Vielfalt der Handwerksbetriebe in den beiden Dörfern war groß, zumal die Landwirtschaft mit ihren Pferdegespannen regelmäßig deren handwerkliche Dienste benötigte. 1927 gab es laut Fouquet in Dannstadt vier Schmiede, fünf Bauhandwerker, vier Schreiner, vier Maler, zwei Schlosser, zwei Wagner, einen Sattler, einen Spengler, einen Küfer, drei Schuhmacher, einen Frisör, drei Schneider, vier Bäcker, drei Metzger und sogar eine Autowerkstatt. Auch Frauen waren in Handwerksberufen zu finden: So gab es zwei Näherinnen und zwei Büglerinnen. Auch in Sachen Gesundheit waren die Bewohner gut versorgt: 1927 praktizierten drei Ärzte, ein Zahnarzt, ein Tierarzt und eine Hebamme in Dannstadt und Schauernheim. Für das Handwerk in Schauernheim gibt es laut Fouquet erst 1950 eine Erhebung. In dieser Zeit hatten sich zehn Handwerkszweige im Ort niedergelassen: Darunter jeweils zwei Bäcker und Metzger, ein Herrenschneider, ein Sattler, zwei Friseure sowie jeweils ein Schreiner, Wagner, Schmied, Mechaniker und Maurer. Allerdings sind laut Dierck manche Handwerker, wie etwa einige Schmiede, nicht hauptberuflich ihrer Tätigkeit nachgegangen, sondern waren Bauern, die nebenbei auch als Schmied gearbeitet haben. Die Auftrags- und Beschäftigungslage im örtlichen Handwerk in Dannstadt und Schauernheim sei wie auch in den umliegenden Gemeinden beeinflusst worden von wirtschaftlichen Faktoren wie beispielsweise der Weltwirtschaftskrise in den 1920er-Jahren. Auch die fortschreitende technische Entwicklung habe dafür gesorgt, dass Industriebetriebe bestimmte Fertigungsbereiche übernommen und den Handwerkern Konkurrenz gemacht haben, berichtet Dierck. Ein Handwerk, das sich bis in die 1980er-Jahre im Ort gehalten hat, war das der Schuhmacher-Brüder Otto und Emil Kälin. Die Werkstatt von Otto Kälin, die 1984 geschlossen wurde, ist heute als Zeugnis der Zeitgeschichte im Museum des Kultur- und Heimatkreises im Zentrum Alte Schule zu bewundern. Am Schauernheimer Mühlbach, wo heute Gebäude mit Wohnungen stehen, drehte sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert noch das Mühlrad, bis im Zuge der Industrialisierung der Mühlenantrieb auf Motor umgestellt wurde. Hier wurde das Mehl für die umliegenden Gemeinden gemahlen. Einen Aufschwung erlebte dagegen die Wirtshauskultur, so die Historiker. In den 1920er- und 1930er-Jahren gab es allein in Dannstadt zwölf Gastwirtschaften und drei in Schauernheim. Ein wichtiger Faktor für die Entwicklung der Wirtschaft in Dannstadt-Schauernheim war ab den 1970er-Jahren die Ausweisung des Gewerbegebiets rund um die Riedstraße, das vielen Unternehmen Platz bot und in den vergangenen Jahrzehnten stetig erweitert wurde. Die ansässigen Firmen hatten ihren Sitz zuvor meist im Dorf. „Der Standort ist für die Wirtschaft attraktiv; es gibt hier eine breite Branchenvielfalt“, betont Ortsbürgermeister Bernd Fey. Dieser Mix sei auch immer das Ziel der Wirtschaftspolitik der Gemeinde gewesen und habe sich in all den Jahren bewährt. Heute sind laut Gemeindeverwaltung in Dannstadt rund 500 Betriebe ansässig, in Schauernheim sind es etwa 180. Die Firmen seien im Allgemeinen zufrieden mit der Auftragslage. Seit einigen Jahren verfolge die Ortsgemeinde zudem das Ziel, die Wirtschaftskraft in den beiden Orten zu stärken. Außerdem wolle man Möglichkeiten schaffen, dass sich weitere Wirtschaftsbetriebe ansiedeln. Daher sei derzeit wieder eine Erweiterung des Gewerbegebiets geplant, kündigt der Ortsbürgermeister an.