Ludwigshafen Parkplatz-Verlust: Mediziner schlagen Alarm wegen geplantem Wohnungsbau

Auf dem Parkplatz Semmelweisstraße wurden bereits alle Bäume und Gehölze abgeschnitten und zum Abtransport gelagert.
Auf dem Parkplatz Semmelweisstraße wurden bereits alle Bäume und Gehölze abgeschnitten und zum Abtransport gelagert.

In der Semmelweisstraße nahe der BG-Klinik in Oggersheim ist der Neubau von 64 Wohnungen geplant. Mediziner und Mitarbeiter des dortigen Ärztehauses sehen darin ein Problem.

Bäume wurden für das Vorhaben bereits gefällt. Nun schlagen Mediziner und Mitarbeiter des gegenüberliegenden Ärztehauses Alarm. Ohne vorhandene Parkmöglichkeit für die Mitarbeiter sei die Abwanderung von medizinischem Fachpersonal zu befürchten, heißt es gegenüber der RHEINPFALZ besorgt.

Dass sich auf dem Parkplatz an der Semmelweisstraße etwas tut, sei den Mitarbeitern aufgefallen, als vor wenigen Tagen alle Bäume auf der Fläche abgesägt worden sind, erzählt Fabian Zilg im Gespräch. Der Mediziner ist Betreiber einer urologischen Gemeinschaftspraxis im gegenüberliegenden Ärztehaus. Neben einer Apotheke im Erdgeschoss haben sich hier auf drei Etagen große Arztpraxen verschiedener Disziplinen angesiedelt. Darunter Zentren für Neurologie und Psychiatrie, Kardiologie, Gastroenterologie, Hals-, Nasen-, Ohren-Heilkunde, Orthopädie und Chirurgie.

Der tägliche Andrang von Patienten ist beträchtlich. Vor dem Ärztehaus steht ein eigener Besucherparkplatz mit rund 20 kostenpflichtigen Stellplätzen zur Verfügung. Da dieser ständig belegt ist, nutzen Patienten wie Mitarbeiter der Praxen den gegenüberliegenden Parkplatz an der Semmelweisstraße. Betreiber dieses gebührenpflichtigen Parkplatzes mit rund 100 Stellplätzen ist die städtische Lukom.

„Attraktivität wird drastisch sinken“

„Wenn ich morgens um 8 Uhr aus dem Fenster schaue, ist der Parkplatz bereits zur Hälfte gefüllt mit Autos von medizinischem Personal aus dem Ärztehaus und der BG-Klinik. Patienten und Besucher kommen erst später und machen dann die Stellflächen voll“, hat Zilg beobachtet. Er schätze, dass drei Angestellte pro Praxis auf den Parkplatz Semmelweisstraße angewiesen seien, dazu kämen rund 50 Angestellte aus der nahen BG Klinik.

Der Wegfall des Parkplatzes werde für die Gemeinschaftspraxen ein großes Problem bringen, weil es ohne Parkmöglichkeit für viele Mitarbeitende schwierig werde, ihren Arbeitsplatz zu erreichen. „Die Attraktivität unseres Standorts wird drastisch sinken. Bei den Bewerbungen für Fachpersonal wird die Hälfte wegfallen“, erwartet der Mediziner negative Folgen. In der Konsequenz drohe vor Ort eine „erhebliche Gefährdung der medizinischen Versorgung“, meint Zilg.

Dass dies so kommen könnte, macht Praxislabor-Mitarbeiterin Vicky Bürklin deutlich, die in Bad Dürkheim wohnt. Für ihre Arbeit in der Praxis habe sie bei der Lukom einen Dauerparkplatz für 45 Euro im Monat gemietet. Bis jetzt habe sie keine Information oder Kündigung ihres Stellplatzes erhalten, sagt sie. Aus einer sicheren Quelle habe sie jedoch erfahren, dass im April die Bauarbeiten auf dem Parkplatzgelände beginnen sollen.

„Wenn ich hier nicht mehr parken kann, müsste ich die Stelle wechseln“, sagt Bürklin. Denn im Umfeld gebe es keine Alternative. Das vorhandene Parkhaus der BG-Klinik biete keine Dauerparkplätze, der normale Tagespreis sei zu hoch. Sie sei sieben Jahre lang mit der Rhein-Haardt-Bahn hierher zur Arbeit gefahren. „Eine Katastrophe“, lautet ihr Urteil. Ausfallende Züge, lange Fahrtzeiten. „Dazu eine Expresslinie 9, die nicht an der BG-Klinik hält“. Sie wisse auch von ihren Kolleginnen, die in Dürkheim-Hardenburg oder Römerberg wohnen, dass der ÖPNV aus diesen Gründen nicht in Frage komme.

Nachfrage nach Wohnraum enorm

Nicht nur für das Personal, auch für gesundheitlich eingeschränkte Patienten werde die Erreichbarkeit des Ärztehauses ohne nahegelegene Parkmöglichkeit in Zukunft äußerst schwierig werden, fürchtet der Facharzt. Wie das Wohnungsunternehmen GAG auf eine Anfrage der RHEINPFALZ mitteilt, „befindet sich das Parkplatz-Grundstück in der Semmelweisstraße seit langer Zeit im Eigentum der GAG und war stets für eine Bebauung vorgesehen“.

Die Nachfrage nach Wohnraum in der Stadt sei enorm, der GAG lägen aktuell rund 5000 Anfragen vor. Die GAG freue sich, dass es gelungen sei, ein Finanzierungs- und Baukonzept für den Bau von 64 öffentlich geförderten Wohnungen zu entwickeln. Als Zeitpunkt für den Baubeginn wird „voraussichtlich Mai/Juni 2025“ genannt. Die ÖPNV-Anbindung des Ärztehauses sei durch die Stadtbahnlinie 4 hervorragend. Im Übrigen liege es „in der Verantwortung jedes Grundstückseigentümers, die Parkraumbedarfe auf den eigenen Flächen angemessen zu berücksichtigen“, zeigt das Wohnungsunternehmen hier klare Kante.

Tatsächlich gibt es hinter dem Ärztehaus bisher schon weitere Parkplatzflächen für BG-Klinik-Mitarbeiter. Diese um weitere Etagen aufzustocken, könnte eine Möglichkeit sein. Doch die Zeit drängt. Zilg wirbt darum, zum Wohl der Patienten jetzt rasch gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.

x