Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Paketpost für den Dirigenten: Das Neujahrskonzert des Mannheimer Nationaltheaters

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Bei Hochstimmung, in bester Laune ist im Mannheimer Nationaltheater der Beginn des Jahres 2020 gefeiert worden. Konzipiert war das Programm des Neujahrskonzerts als Nachklang zum Offenbach-Jahr 2019, in dem sich die Geburt des Komponisten und Begründers der Gattung Operette zum 200. Mal gejährt hatte.

Auf dem Programm stand, unter Leitung von Mark Rohde, dem stellvertretenden Generalmusikdirektor des Hauses, eine französische Werkfolge aus dem 19. Jahrhundert. Als Moderator des Programms fungierte der Chefdisponent des Nationaltheaters Alexander Grün.

Offenbach und seine Umgebung“ hätte sich als Überschrift zum Angebot des Abends ohne weiteres geeignet; war doch Paris Offenbachs zentrale Wirkungsstätte, an der auch der weit überwiegende Teil seines Oeuvres entstand. Zu hören gab es also jetzt in Mannheim, neben Auszügen aus Operetten von ihm und seiner späten, Torso gebliebenen Oper „Hoffmanns Erzählungen“, Musik von Bizet, Auber, Meyerbeer und Émile Waldteufel.

Virtuose Kabinettstücke vorzüglicher Vokalisten

Solistisch wirkten die Sopranistin Amelia Scicolone und der Bariton Joachim Goltz aus dem Opernensemble mit, zu denen sich als dritte im Bund Mezzosopranistin Martina Antonie aus dem Opernstudio gesellt hatte. Alle drei profilierten sich als vorzügliche Vokalisten. Sowohl Amelia Scicolone als auch Martina Antonie nahmen sehr für sich ein durch ihre brillante Gewandtheit im Ziergesang Beide führten höchst virtuose Kabinettstücke vor: Antonie in einer Arie der Angèle aus Aubers Oper, Scicolone in der Puppen-Arie der Olympia aus „Hoffmanns Erzählungen“. Zusammen warteten dann die beiden Sängerinnen mit einer tonschönen, musikalisch feinsinnigen Darbietung der Barcarole aus „Hoffmanns Erzählungen“ auf.

Zurück zur Puppen-Arie, die Gelegenheit bot zu einer überaus amüsanten Einlage. Amelia Scicolone ist auf einer Schubkarre auf die Bühne von Joachim Goltz befördert worden, der sich als Paketzusteller dem Dirigenten, dem Empfänger seiner Sendung, „singende Puppe“ vorstellte. Die improvisierte Szene wurde zu einem ausgesprochen witzigen geistreichen Sketch, bei dem Golz, wie übrigens während der ganzen Vorstellung, ein ausgeprägtes schauspielerisches Potenzial zeigte. Es ging also an diesem Abend durchweg sehr beschwingt und unterhaltsam zu.

Ein ebenso energischer wie umsichtiger Dirigent

In seiner Eigenschaft als Empfänger der Paketsensendung verweigerte zwar Mark Rohde die Unterschrift. Dirigiert hatte er dafür ebenso energisch wie umsichtig und überlegen. Dies tat er mit zündendem Elan und ebenso klarer wie intensiver, das Orchester stets zu angespannter, ausdrucksbetonter Spielweise animierender Zeichengebung. Dementsprechend folgte das Nationaltheater-Orchester den vom Dirigentenpult kommenden Impulsen einsatzfreudig, konzentriert und spielte differenziert, mit ausgeprägtem Gespür für das musikalische Detail, für Akzentuierungen, Nuancen der Dynamik und Farbgebung, die diesmal stets sensibel nachvollzogen wurden.

Schließlich noch einmal zu Joachim Goltz. Außer als gewandter Schauspieler beeindruckte er durch bemerkenswerte stimmliche Präsenz, durch seinen sonoren, souverän geführten, kompakten Charakterbariton. Dies besonders in Dappertuttos Arie aus dem Venedig-Bild von „Hoffmanns Erzählungen“, die übrigens auf einem Thema der Ouvertüre von Offenbachs Operette „Die Reise zum Mond“ („Le voyage dans la lune“) beruht.

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