Adventskalender Ortsvorsteher Gürsoy sieht Chancen durch Rathaus-Abriss

Seit Januar Ortsvorsteher: Osman Gürsoy.
Seit Januar Ortsvorsteher: Osman Gürsoy.

Der Countdown läuft: Am Jahresende schließt das Rathaus-Center – 42 Jahre nach seiner Eröffnung. Ab 2022 wird der Abriss des 72 Meter hohen Rathausturms eingeleitet. Das schafft Planungssicherheit für den Rückbau der Hochstraße Nord, spart Zeit, Geld und vereinfacht die Entwicklung des Quartiers City West. Wie bewegt Menschen der Abschied? Heute öffnen wir das Türchen für Ortsvorsteher Osman Gürsoy.

„Die letzten Wochen schmerzen schon ein bisschen. Es wirkt so leer und fremd – das ist nicht mehr mein Rathaus-Center“, sagt der Ortsvorsteher der Nördlichen Innenstadt. Der 32-Jährige ist im Schatten des Rathaus-Centers aufgewachsen. Er lebt im Hemshof. Der türkischstämmige Kommunalpolitiker hat viele Erinnerungen an das Center: Er war dort schon als Jugendlicher mit seiner Familie einkaufen. Die Dekoration zu Ostern oder zu Weihnachten haben den Jungen fasziniert.

„Ich bedauere den Abriss. Es ist eines der wenigen Gebäude in Ludwigshafen, die von einer guten Vergangenheit zeugen, als die Stadt noch Geld hatte und so etwas realisieren konnte. Seit ich ihn der Politik bin, geht’s nur ums Sparen und wo das Geld fehlt“, sagt Gürsoy. Er läuft jeden Tag von der Prinzregentenstraße durch die Ladenpassage des Centers zur unterirdischen Haltestelle, um mit der Straßenbahn zu seinem Arbeitsplatz nach Mannheim zu fahren, wo er Leiter eines Kinderhauses arbeitet.

Chancen sehen

Bei aller Wehmut – Gürsoy sieht auch Chancen durch den Abriss des Gebäudekomplexes und blickt lieber in die Zukunft: Wenn Center und Hochstraße Nord verschwunden und die Helmut-Kohl-Allee als Ersatz gebaut sein werden, sieht der Ortsvorsteher viel Potenzial für die Entwicklung der neuen City West. „Dort können viele Wohnungen und Arbeitsplätze entstehen“, sagt Gürsoy. Die Brachflächen entlang der Hochstraße Nord könnten dann für die Stadtentwicklung genutzt werden. Auch das Problem der Nahversorgung für die Menschen im Hemshof könne dann gelöst werden. Denn mit dem Center verschwindet auch ein großer Supermarkt. Ersatz dafür sei bisher nicht in Sicht, berichtet der Ortsvorsteher von der schwierigen Suche nach geeigneten Flächen.

Auch ein zentraler neuer Stadtplatz als Treffpunkt für die Menschen hält Gürsoy für wünschenswert. Denn das Center sei ein zentraler Ort und Anlaufpunkt gewesen. „Viele Leute sind sich dort begegnet, das entfällt.“ Vorstellbar wäre für ihn, auf dem Areal des Center-Komplexes auch ein neues anderes Rathaus zu bauen. „Aber das ist ja alles noch offen.“

Ortsbeirat zieht um

Der 31-Jährige fühlt sich mit dem Rathaus-Center aber erst einmal noch eng verbunden: Hier hat er standesamtlich geheiratet. Hier hat er als ehrenamtlicher Kommunalpolitiker ungezählte Stunden in den Sitzungssälen im ersten Stock verbracht. Hier hat er im Januar im Ratssaal seinen größten politischen Erfolg gefeiert: die Wahl zum Ortsvorsteher. Das Design der Innenräume spiegele schon der Zeitgeist der 1970er-Jahre wider – „aber es hat was“, meint er. Sein Ortsbeirat braucht ab Januar eine neue Tagungsstätte. Gürsoy denkt dabei an den Bürgersaal Nord im Hemshof.

Vor dem Jahreswechsel und bevor die Passage des Centers schließt, will er mit seiner Familie noch einmal einen nostalgischen Spaziergang durch die leere Mall machen. Sein Sohn wird im Februar ein Jahr alt. Und Gürsoy sagt: „Wenn der Kleine groß ist, wird er das Rathaus-Center nur aus Erzählungen kennen. Ich kann ihm dann sagen: Es war einmal ...“

Der Eingang zum Center vom Hemshof aus.
Der Eingang zum Center vom Hemshof aus.
Zum Jahresende dicht: das Rathaus-Center.
Zum Jahresende dicht: das Rathaus-Center.
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