Fußball Oberliga: FC Arminia Ludwigshafen vor Nagelprobe in Gonsenheim
Oberligist FC Arminia Ludwigshafen steht beim Tabellenfünften SV Gonsenheim auf dem Prüfstand. Die aktuelle Serie ungeschlagener Partien droht bei den starken Rheinhessen zu reißen. Wenn der FCA am Samstag, 13 Uhr, beim SV Gonsenheim antritt, kann er auf sechs Spiele ohne Niederlage zurückblicken. Das ist die beste Phase seit dem Herbst 2023, als die Schwarz-Weißen achtmal in Folge unbesiegt blieben. „Gonsenheim ist eine richtige Hausnummer, eine heimstarke Mannschaft mit vielen jungen Spielern“, verrät Arminia-Trainer Chris Chorrosch Respekt vor den Mainzer Vorstädtern. Der SV Gonsenheim sei ein Auffangbecken für Akteure, die es beispielsweise beim FSV Mainz 05 nicht ins Regionalligateam oder gar zu den Profis schaffen. Das Hinspiel Ende September verlor der FCA nach schwacher erster Hälfte trotz einer Steigerung nach der Pause mit 1:3.
„Klar ist, dass wir mehr investieren müssen als in die Partie gegen Eisbachtal. In Gonsenheim gilt es, griffiger und bissiger zu sein“, fordert Chorrosch. Vor allem die Intensität, die ein Grund für den zweiten Platz in der Rückrundentabelle ist, müsse wieder erhöht werden. Und ganz nebenbei sollte der Blick trotz des guten Laufs zumindest mit einem Auge Richtung Abstiegszone gehen. Sollte der in der Regionalliga schwächelnde FSV Mainz 05 II nämlich absteigen, könnten vier Teams die Oberliga verlassen. Der Vorsprung auf den neuralgischen 15. Tabellenplatz beträgt für die Arminia zwar neun Zähler, aber ein Ruhekissen ist das nicht.
In drei Spielen in Folge getroffen
Am Samstag bestreitet Offensivkraft Giuliano Cultrera sein 100. Oberligaspiel für die Arminia. „100 Mal in dieser Klasse aufzulaufen, das ist schon etwas Besonderes. Da sieht man mal, wie schnell die Zeit vergeht“, philosophiert der Stürmer, der seit vier Jahren das schwarz-weiße Trikot mit der Rückennummer 9 trägt. Dabei erleben die Rheingönheimer derzeit den besten Cultrera seit seinem Kommen im Sommer 2021. „Ja, ich habe jetzt in drei Spielen in Folge getroffen. Das ist außergewöhnlich“, sagt der mit seinen 23 Jahren immer noch junge Angreifer. Hinzu kommen vier Assists seit der Winterpause. Fünf sind es jetzt insgesamt, was nur von Nico Pantano und Steffen Straub – zwei Vorlagengeber schlechthin – übertroffen wird.
„Früher habe ich mir nach vergebenen Chancen viele Gedanken gemacht und habe gegrübelt. Heute hake ich das schneller ab und konzentriere mich auf das, was in der restlichen Spielzeit noch kommt“, berichtet der Immobilienkaufmann, der in Mannheim-Lindenhof wohnt. Ein Beispiel dafür ist die Partie gegen den FC Karbach, als Cultrera in der Anfangsphase zwei große Möglichkeiten liegenließ, aber unbeirrt unangenehm für den Gegner blieb und am Ende ein Tor sowie zwei Vorlagen zum 4:3-Erfolg beisteuerte.
Gegner gezielt stressen
Die große Stärke des Halbitalieners, dessen Mutter Deutsche ist, während der Vater aus Sizilien stammt, ist sein konsequentes Anlaufen. „Das ist mein Spiel, ich will den Gegenspieler stressen“, sagte der gebürtige Heidelberger schon vor Jahren. Und daran hat sich nichts geändert. Dass er nicht der klassische Torjäger ist, belegen die bislang 14 Treffer in 99 Oberligaspielen, von denen er aber nur vier (!) über die komplette Spielzeit bestritt, was die Zahl der Tore relativiert. 15 Vorlagen kommen hinzu. Stattdessen punktet der mannschaftsdienliche Cultrera mit Tempo, Biss, Fleiß, hoher Laufbereitschaft und Beweglichkeit.
„Giuliano hat Potenzial, Technik, ist engagiert und zeigt im Training, dass er auch einen guten Abschluss hat“, sagt Chorrosch über den Offensivmann, den er als zweite Spitze in einem 4-4-2-System, das der FCA derzeit praktiziert, am stärksten sieht. „Er ist ein guter Junge, schade, dass er berufsbedingt nicht immer trainieren kann“, verdeutlicht der Übungsleiter. Der offene und dem Menschen zugewandte Cultrera ist im Mannschaftskreis beliebt und angesehen. Das wird ihn nicht davor schützen, ob seines Jubiläums etwas springen zu lassen. „Ein Kasten Bier im nächsten Training ist fällig“, klärt Chorrosch schmunzelnd auf.
Giuliano Cultrera ist beim SV Sandhausen ausgebildet worden und spielte nach seiner Jugendzeit noch ein Jahr in der U23 des derzeitigen Drittligisten. Danach ging es für den hilfsbereiten Stürmer, der sich für nichts zu schade ist, zur Arminia. Wegen seines extrem aufwendigen Stils gehen ihm mitunter vor dem Tor Kraft, Konzentration und Kaltschnäuzigkeit verloren. Deshalb ist die Torausbeute für einen Stürmer eher mager, sodass seine Bedeutung für die Mannschaft oft verkannt wird. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Cultrera fühlt sich wohl und würde gerne bleiben. Mit dem Ausbau seiner persönlichen Tore- und Vorlagenbilanz kann er in den nächsten Wochen weiter Eigenwerbung betreiben.