Ludwigshafen „Nur bei Cola werde ich schwach“

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«Waldsee.» Der Waldseer Michael Emmel (67) hat vor einigen Jahren 63 Kilo abgenommen und hält auch heute das neue Gewicht noch weitgehend. Ganz freiwillig hat er sich nicht dazu entschieden. Aber er und seine Frau Renate bereuen es nicht, ihre Ernährung komplett umgestellt zu haben. Im Gespräch erzählen sie, wie sich ihr neues Leben anfühlt, und berichten über den täglichen Kampf gegen den Jo-Jo-Effekt.

Herr Emmel, wie viel wiegen Sie?

Knapp 80 Kilo. Hätten Sie mir Ihr Gewicht vor fünf Jahren auch verraten? Nö! Das hat man mir aber angesehen. Es waren gut 130 Kilo. Sie haben 63 Kilo abgenommen. Der Entschluss dazu kam nicht ganz freiwillig. Ich habe einen Schuss vor den Bug bekommen. Ich hatte einen Blinddarmdurchbruch, einen großen Abszess im Bauch und habe die Not-Operation nur mit Glück überlebt. Danach kam das böse Erwachen. Man sagte mir, dass meine Blutzuckerwerte viel zu hoch seien, und auch die Leberwerte und Blutfettwerte weit vom Normbereich entfernt waren. Wenn ich noch etwas von meiner Rente haben wollte, dann müsste ich jetzt die Reißleine ziehen. Ehrlich gesagt, kann ich immer noch nicht verstehen, wie ich die Ernährung von einem Tag auf den anderen umstellen konnte. Wie haben Sie es denn geschafft? Renate Emmel: Das war knallhart. Für mich war der Spruch des Arztes prägend: „Sie haben jetzt so viele Jahre wie die Maden im Speck gelebt, jetzt treten Sie mal kürzer.“ Michael Emmel: Das haben wir gemacht, und es hat mir nichts ausgemacht. Es war eine Kopfsache. In der heißen Zeit habe ich gerade mal 800 Kalorien zu mir genommen. Habe nur noch kalorienfreie Getränke getrunken, Kohlehydrate stark reduziert, keine Süßigkeiten gegessen, keine Wurst, außer mageren Schinken, keine Nudeln, Knödel, Reis und schon gar keine Pommes, dafür viel Gemüse, Obst, Fisch und gelegentlich auch mageres Fleisch. Anfangs konnte ich nachts vor Hunger nur schlecht schlafen. Abnehmen ist schwer, das neue Gewicht dann zu halten, ist noch viel schwerer. Haben Sie es geschafft, Ihr Gewicht in den letzten drei Jahren zu halten? Michael Emmel: Ich habe wieder zwölf Kilo zugenommen, aber das ist gut so, 67 Kilo am Ende waren zu wenig. Mein Arzt hatte mich schon gewarnt, es nicht zu übertreiben. Renate Emmel: Er sah echt schlimm aus, total abgezehrt. Die Leute hatten schon befürchtet, mein Mann hätte Krebs. Andere hatten gemunkelt, ich hätte einen neuen Mann, weil sie ihn nicht mehr erkannt haben. Aber jetzt halten Sie Ihr Gewicht? Ja, aber das geht nur, weil wir unsere Ernährung umgestellt haben. Ich trinke immer noch keinen Alkohol und achte sehr auf das Essen, es gibt immer noch keine Nudeln, Reis und Pommes. Ich esse wenig Wurst, vermeide unnötiges Fett, esse gerne Fisch und Hähnchen. Und beim Hähnchen mache ich immer noch die Haut weg, auch wenn die eigentlich am besten schmeckt. Aber inzwischen gönne ich mir auch mal Süßigkeiten, ein Eis oder ein Stück Kuchen. Komisch eigentlich, früher war ich nicht so auf Süßes aus, da musste es deftig sein. Das reizt mich heute dagegen gar nicht mehr. Konsequenz ist alles. Haben Sie denn gar nichts, das Sie schwach werden lässt? Doch, Cola. Ich trinke für mein Leben gerne Cola. Mit Zucker ist natürlich jetzt tabu und das kalorienfreie Cola vertrage ich nicht wegen des Aspartams. Mein Sohn hat in Frankreich Cola mit anderen Süßungsmitteln entdeckt. Jetzt fahren wir alle paar Wochen nach Frankreich und laden den Kofferraum damit voll. Das muss sein, auf alles andere kann ich verzichten. Aber irgendein Laster braucht man schließlich. Was raten Sie Menschen, die es Ihnen nachmachen möchten. Man kann nicht acht Wochen asketisch leben und denken, das war’s dann, und so weitermachen wie zuvor. Und man darf nicht von Mahlzeit zu Mahlzeit leben und sich schon aufs nächste Essen freuen. Man muss knallhart sagen: „Ich nehme ab, dann gibt’s halt nichts – und gut ist.“ Dann gibt es eben Radieschen und Rohkost vor dem Fernseher und keine Chips. Salat ist ein guter Magenfüller. Mahlzeiten ausfallen lassen, finde ich nicht so gut, denn dann hat man später Hunger und bekommt Gelüste. Vieles macht nicht sofort satt, sondern erst nach einer Weile. Die Zeit muss man eben abwarten. Außerdem bin ich jeden Tag mindestens eine halbe Stunde gelaufen, und das ist mir am Anfang echt schwer gefallen. Es heißt immer, man sollte sich beim Abnehmen belohnen. Mit was haben Sie sich belohnt? Michael Emmel: Die Belohnung kommt doch von selbst. Es ist herrlich, Kleider von der Stange kaufen zu können anstatt in Größe 6XL. Oder Möbel zu kaufen, die einem gefallen und nicht die, in die man reinpasst. Oder wieder in einen Flugzeugsitz zu passen. Ich bin rundum fit, das merke ich nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Meine Blutwerte sind bestens. Renate Emmel: Wir können wieder tanzen gehen und verreisen. Kürzlich wurden wir bei einer Verkehrskontrolle von einer Polizistin angesprochen. Sie empfahl meinem Mann, einen neuen Ausweis zu beantragen, weil er völlig anders aussieht als der Mann auf dem Bild.

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