Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Notos Quartett spielt Brahms und Schubert im BASF-Gesellschaftshaus

Das Notos Quartett – hier mit Gast Wolfgang Günter am Kontrabass – zählt zu den gefragtesten Kammermusik-Ensembles der Welt.
Das Notos Quartett – hier mit Gast Wolfgang Günter am Kontrabass – zählt zu den gefragtesten Kammermusik-Ensembles der Welt.

Das Notos Quartett bewies bei der Matinee am Sonntagabend im BASF-Gesellschaftshaus einmal mehr, warum es zu den gefragtesten Kammermusikensembles zählt. Mit dem 1. Klavierquartett von Brahms und Schuberts berühmtem „Forellenquintett“ präsentierte es mit Gast Wolfgang Günter am Kontrabass in mitreißend klangschöner Weise zwei kammermusikalische Meilensteine der Romantik.

Der Namenspatron „Notos“ stammt aus der griechischen Mythologie und bezeichnet den zuweilen warm und sanft, aber auch mal rau und stürmisch wehenden Südwind. Ihr ausgeprägtes Faible für starke Gefühle, spannende Kontraste und außergewöhnliche Konzertprogramme haben sich die einstigen „jungen Wilden“ seit ihrer Gründung vor 15 Jahren bewahrt, mehr noch: Bei ihrem jüngsten Auftritt in Ludwigshafen vermittelten die vier Musiker gar den Eindruck, als wollten sie sich konsequent weigern, bei der Suche nach neuen Farbnuancen das gewohnte Klangspektrum eines Klavierquartetts zu akzeptieren. Musikalisches Herz der preisgekrönten Formation ist die Pianistin Antonia Köster. Als Impulsgegnerin hält sie sich bemerkenswert zurück, trumpft selten auf, integriert sich als Kammermusikerin der ersten Stunde wunderbar feinfühlig in das musikalische Gesamtgeschehen ein. Aber sie kann auch anders. Wenn es Brahms oder Schubert verlangen, mutiert die grazile Künstlerin zum allgemeinen Erstaunen immer wieder zur kraftvoll zupackenden Tastenlöwin.

Zwischen sphärischer Klangpoesie und orchestraler Wucht

So lieben wir Brahms: Leidenschaft pur vom ersten Ton an. Es ist ein ungestümer Brahms, den das Notos Quartett zelebriert. Einer, der noch nicht ganz weiß, wohin mit seiner jugendlichen Energie. Ein kaum 20-jähriger hitziger Jüngling auf dem Weg nach oben. Zwischen sphärischer Klangpoesie und orchestraler Wucht bewegt sich das Notos Quartett. Mit seiner außergewöhnlich perfekt und spannend inszenierten Mischung aus aufgewühltem Romantikvokabular und sich zuweilen bis zur orchestralen Dichte steigernden Klangkultur überzeugt es auch seine letzten Kritiker – sofern davon angesichts eines geschlossen angetretenen Fanpublikums im fast restlos ausverkauftem Konzertsaal überhaupt die Rede sein kann. Ekstatisch, elegant, explosiv und kultiviert zugleich – es scheint unmöglich, sich diesem Sound zu entziehen. Unvergessen bleibt der wilde, herrlich rhapsodische Husarenritt auf zwölf Saiten und 88 Tasten. Eine explodierende Spiellust strömt in verschwenderischer Fülle von der Bühne und zieht das atemlos lauschende Publikum unweigerlich in seinen Bann. Dass bei dem angeschlagenen Höllentempo keine auch noch so kleinste Nuance und Note verloren geht, sei an dieser Stelle nur nebenbei erwähnt.

Wolfgang Günter am Kontrabass zu Gast

Mehr davon gab es im Forellenquintett von Schubert, bei dem das Notos Quartett mit dem Klischee vom braven „Schwammerl“ ordentlich aufräumte. Ganz im Gegenteil: Frech, quirlig und launisch lassen die drei Streicher das Forellchen nach der gemütlichen Einleitung bei der 1. Variation durchs Wasser sausen. „Und schoss in froher Eil, hinunter wie ein Pfeil“, heißt es im Lied und Sindri Lederer (Violine), Andrea Burger (Viola), Philipp Graham (Violoncello) und Antonia Köster (Klavier) sowie der fünfte Mann am Kontrabass in Gestalt von Wolfgang Günter von der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz nehmen Schubert beim Wort und geben einen äußerst lebensfrohen Fisch, bevor ihn die Angel erwischt und er munter zappelnd seinem traurigen Ende entgegensieht.

Natürlich verlangt das Publikum nach dem offiziellen Teil nach einer Zugabe. In diesem Fall ist guter Rat teuer, denn Literatur für diese Besetzung ist rar gesät. Aber das Notos Quartett enttäuscht sein Publikum nicht und serviert als leckeren Nachtisch die 1. Variation des Schubert’schen Ohrwurms.

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