Ludwigshafen „Nicht immer ins Krankenhaus“
Seit Dezember 2013 gibt es die neue ärztliche Bereitschaftsdienstzentrale in der Steiermarkstraße in der Gartenstadt. Mindestens drei oder vier Ärzte sind hier nachts, am Mittwochnachmittag und an den Wochenenden im Einsatz, um sich um die Versorgung von 250.000 Bürgern in der Stadt und im Rhein-Pfalz-Kreis zu kümmern. Fünf Behandlungsräume, ein oder zwei Arzthelferinnen und zwei Autos für Hausbesuche stehen den 60 Ärzten (insgesamt umfasst der Pool 500 Ärzte), die hier regelmäßig Dienst machen, zur Verfügung. „Das sind alles ganz erfahrene Allgemeinmediziner, die sich gut um die Patienten kümmern“, sagt Petra Fouquet-Ollmann (57), die selbst Allgemeinmedizinerin mit Praxis in Mutterstadt ist und seit 2005 ehrenamtlich als ärztliche Leiterin der Bereitschaftsdienstzentrale fungiert. Peter Uebel (52), Internist in der Gartenstadt und Vorsitzender der ärztlichen Kreisvereinigung Ludwigshafen, pflichtet ihr bei: „Wir haben als Allgemeinmediziner die Versorgungsverpflichtung an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr. Deshalb haben wir die Bereitschaftsdienstzentrale und sind sehr gut aufgestellt.“ Bis zu 6000 Patienten pro Quartal kommen in die Steiermarkstraße, wenn sie außerhalb der Sprechzeiten Hilfe brauchen. Und dennoch sind Uebel und Fouquet-Ollmann nicht wirklich zufrieden. Denn zu viele Patienten steuerten einfach die Notaufnahmen im Klinikum oder im St. Marienkrankenhaus an. „Und das meist mit Bagatellerkrankungen“, hat Uebel beobachtet. Womit aber eine Reihe von Problemen verursacht würden: „Die Patienten sind unzufrieden, weil sie in der Notaufnahme lange warten müssen. Die Krankenhäuser sind überlastet, und ihnen fehlen Personal und Zeit für die Notfälle“, zählt Uebel auf. „Wir können nur an die Bürger appellieren, nicht einfach in die Krankenhäuser zu gehen“, sagt Fouquet-Ollmann. Wer einen Schnupfen oder Husten habe, habe in der Notaufnahme nichts zu suchen. Denn: „Ein Krankenhaus darf einen Patienten nicht einfach so ohne Untersuchung wegschicken. Da vielleicht aber doch etwas sein könnte, wird jeder untersucht. Das dauert. Und selbst wenn dann am Ende doch ein simpler Husten diagnostiziert wird, darf ein Krankenhaus kein Rezept ausstellen“, verdeutlicht der Internist. Patienten könnten sich also viel Zeit und Ärger ersparen, wenn sie zuerst in die Bereitschaftsdienstzentrale gehen. Offenbar seien viele Menschen zudem Gewohnheitstiere und steuerten weiterhin Klinikum oder Marienkrankenhaus an, weil an beiden Häusern bis zum Neubau zwei Bereitschaftsdienstzentralen waren. „Aber jetzt haben wir eben seit zweieinhalb Jahren eine große, zentrale Bereitschaftsdienstzentrale, die die ganze Stadt und den Kreis abdeckt“, betont Fouquet-Ollmann. Und beim Grübeln sind die beiden Mediziner auch über Begrifflichkeiten gestolpert. So habe man über Jahre bei den Hausärzten vom Notdienst gesprochen und sich somit wohl nicht richtig von der Notaufnahme abgegrenzt. „Aber ärztlicher Bereitschaftsdienst ist die bessere Bezeichnung“, bekennt Uebel. Er gibt Patienten eine Regel mit auf den Weg: „Bei Brustschmerzen, Verdacht auf Schlaganfall oder Brüchen geht’s ins Krankenhaus, um einen Zeitverlust zu vermeiden. Wer einen Infekt hat oder einen Hexenschuss, kommt in die Bereitschaftsdienstzentrale.“ Noch Fragen? Erreichbar ist die ärztliche Bereitschaft unter Telefon 116117 (ohne Vorwahl). Zu finden ist sie in der Steiermarkstraße 12 in der Gartenstadt. Öffnungszeiten: abends ab 19 Uhr, mittwochs ab 14 Uhr, Wochenende: freitags ab 16 Uhr bis montags 7 Uhr.