Ludwigshafen Neues Jahr, neue Häppchen

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Renners Comeback

Im vergangenen Jahr hat Bäckermeister Willi Renner angekündigt, seine letzte Neujahrsbrezel beim Empfang überreicht zu haben. Seinen Rücktritt hatte er mit seinem Alter begründet. Gestern hat er als Neujahrsredner sein Comeback gefeiert. „Ich bin noch mal da“, sagte der Friesenheimer unter Applaus. Und meinte scherzhaft, dass sein Rückzug ein schwerer Fehler gewesen sei. Denn vermutlich habe diese Ankündigung Eva Lohse dazu bewegt, nicht mehr für das Amt der Oberbürgermeisterin zu kandidieren. Lohse habe ihn dann gebeten, noch ein letztes Mal die Brezel zu überreichen. „Wer kann da schon Nein sagen“, meinte der 65-Jährige. Suckale bleibt in Lu In der ersten Reihe beim Empfang saß BASF-Vorstandsmitglied Margret Suckale. Sie hört im Mai auf – mit dann 61 Jahren will sich die Top-Managerin aus dem Berufsleben zurückziehen. Ludwigshafen wird sie aber nicht den Rücken kehren. „Ich bleibe hier wohnen“, sagte Suckale, die im Laufe ihres Lebens schon viel herumgekommen ist. Sie wohnte in Hannover, Berlin, Hamburg, Bremen, Wien, London und Kopenhagen. „Heimat ist dort, wo man seine Freunde hat“, sagte die BASF-Standortleiterin. Und in Ludwigshafen fühle sie sich mit ihrem Mann sehr wohl und habe hier in acht Jahren viele Freunde gefunden. Volkes Lob Dauergast beim Neujahrsempfang ist auch die Schifferstadter Bürgermeisterin Ilona Volk (Grüne). Und wie findet sie den Empfang im Pfalzbau im Vergleich zu Schifferstadt? „Wesentlich größer. Ich komme immer wieder gerne her“, sagte sie. Die Grüne lobte ihre CDU-Kollegin Lohse: „Eine hervorragende Rede mit viel Herzblut. Sie wollte den Menschen noch etwas mitgeben.“ Die Botschaft sei klar: Alle in der Gesellschaft müssten für ein gutes Miteinander einstehen und sich nicht von Radikalen spalten lassen. „Das gilt nicht nur für Ludwigshafen oder Schifferstadt“, findet Volk. Uebels Einschätzung „Geprägt vom gewachsenen Sicherheitsbedürfnis der Menschen“ – so ordnete CDU-OB-Kandidat Peter Uebel (52) die Rede der Amtsinhaberin ein. Ob er sich vorstellen kann, beim Empfang 2018 als deren Nachfolger auf der Pfalzbau-Bühne zu stehen? „Ja, das stellt man sich schon vor“, räumte der Mediziner ein. Mit Blick auf den Wahlkampf sagte er: „Jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln.“ Ab heute startet Uebel seine Vorstellungstour mit elf Terminen in den Ortsverbänden. Am 28. März soll seine offizielle Nominierung stattfinden. Wann und wo, ist noch unklar. Zum geplanten „Metropol“-Hochhaus auf dem Berliner Platz hat er übrigens eine klare Haltung: „Da muss was passieren. Die ewige Baustelle nervt.“ Steinrucks Choreographie „Es war eine Rede wie jedes Jahr“, urteilte dagegen SPD-OB-Kandidatin Jutta Steinruck über Lohses Ansprache. Die Sozialdemokratin würde den Neujahrsempfang gern anders gestalten, „weniger als Frontalveranstaltung“, kritisierte die 54-Jährige die Abläufe. Sie wünscht sich eine „andere Choreographie“, bei der die Gespräche mit den vielen Menschen im Foyer im Mittelpunkt stehen. Außerdem hat Steinruck in der Neujahrsrede eine konkrete Antwort auf die Frage nach der Finanzierung des knapp 300 Millionen-Euro teuren Stadtstraßenprojekts vermisst. Daran arbeite die OB und Städtetagspräsidentin ja jetzt schon sehr lange, stellte Steinruck fest. „Die Bürger in Ludwigshafen warten auf Antworten.“ Der Freu-mich- und Applaus-Index Das nennt man eiserne Disziplin: Ihren Lieblingssatz der Vorjahre – „Ich freu mich“ – streute OB Eva Lohse in ihrer Rede nur zweimal ein. 2016 ließ sie sich noch viermal, 2015 sechsmal dazu hinreißen. Ihre Rede dauerte exakt 40 Minuten und war 15 DIN A4-Seiten lang. Dass der Vortrag auch inhaltlich gut rüberkam, darauf deutet unser „Applausometer“ hin. 16 Mal klatschte das Publikum, also alle zweieinhalb Minuten. 2016 wurde Lohses Rede lediglich siebenmal von Beifall unterbrochen. Spritzigkeit am Dirigentenpult Andreas Henning, Gastdirigent der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, könnte nach seinem spektakulären Auftritt beim Neujahrsempfang problemlos einen Fanclub in Ludwigshafen eröffnen. Mit den Melodien von Tschaikowski, Bernstein, der Strauss-Familie, Smetana und schließlich dem Radetzky-Marsch hat Henning den Saal gerockt. Mal tänzelte er im Walzerschritt auf dem Podest, dann wie eine Primaballerina. Und immer wieder kokettierte er wunderbar mit dem Publikum. Mehrere Bürger brachten den Ersten Kapellmeister der Oper Halle gleich mal als Nachfolger für den scheidenden Dirigenten Karl-Heinz Steffens ins Gespräch. In Ludwigshafen kommt Spritzigkeit am Pult sehr gut an. Trostspender Merkel Gar nicht gut angekommen ist die Knallerei zu Silvester beim Hund von GAG-Chef Ernst Merkel. Der blonde Hüne umarmte deshalb um Mitternacht den Vierbeiner und tröstete ihn mit Leckerli. Keinen Trost braucht Merkel wegen des sanierungsbedingten Verlustes seines Büros am GAG-Hauptsitz in Süd. Das Ausweichquartier Shell-Haus „hat was“, sagte der Bauingenieur. Der von außen schlichte Klinkerbau habe tolle Architekturelemente im Innern. Weniger überraschend war das Lob des CDU-Chefs für Eva Lohse: „Eine außergewöhnlich gute Abschiedsrede“. |mix

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