Ludwigshafen Neuer Tanz für die Powerfrau

Alexandra Chloe Samion bei den Proben zu „Empty House“ von dem schwedischen Chroreographen Johan Inger.
Alexandra Chloe Samion bei den Proben zu »Empty House« von dem schwedischen Chroreographen Johan Inger.

Die Kanadierin Alexandra Chloe Samion steht im Rampenlicht bei der bevorstehenden Premiere der Tanzcompagnie am Mannheimer Nationaltheater. „Four Seasons“ choreographiert Giuseppe Spota, „Empty House“ der Schwede Johan Inger.

Wenn eine Tür zuschlägt, kann sich dafür eine andere öffnen. Was wie eine Ratgeber-Plattitüde klingt, passierte Alexandra Chloe Samion im Alter von 17 Jahren: Sie hatte schon zehn Jahre professioneller Ballettausbildung hinter sich, als ihr ein Ausbilder nahelegte, den Traum von der Karriere im Spitzentanz zu begraben; sie sei einfach nicht der richtige Typ. Tatsächlich: Eine zierliche, fragile klassische Ballerina ist nicht an ihr verlorengegangen. Trotzdem ist die Kanadierin eine hervorragende Tänzerin geworden; mit der Ausstrahlung einer athletischen Powerfrau kann sie getrost auf die eigene Kraft vertrauen. Auch mental ist sie stark; statt der verlorenen Ballettkarriere nahm sie den Rat wörtlich, sich auf anderen, zeitgenössischen Feldern des Tanzes umzuschauen. So kam die angehende Profi-Tänzerin aus Toronto nach Europa; ihre Lehr- und Wanderjahre führten sie über die Niederlande bis nach Wiesbaden, wo sie erstmals auf Stephan Thoss traf. Der heutige Mannheimer Ballettchef holte sie nach seiner Berufung ans Nationaltheater auch in seine neue Kompanie. Fragt man die Kanadierin nach der Besonderheit der Arbeit mit Thoss, dann ist „Intensität“ das erste Etikett. Er liebt, so sagt sie, die Schönheit der Bewegung, aber die muss nicht vorgeblich leicht sein. Physische Stärke und Kraft darf man, soll man sehen. Thoss fordert seine TänzerInnen auf allen Ebenen heraus, auch auf der kreativen: Er will sich gern von ihnen überraschen lassen. Weil Stephan Thoss konsequent andere Choreographen zum Zuge kommen lässt, müssen seine Ensemblemitglieder in der Probenarbeit höchst flexibel sein; zum Beispiel, wenn es um den nächsten Mannheimer Ballettabend „Die vier Jahreszeiten/Empty House“ geht. Hier präsentiert Thoss zwei Choreographen mit ganz unterschiedlicher Handschrift. Mit dem Schweden Johan Inger, einem der weltweit angesagtesten Choreographen, hat Alexandra Samion noch nie gearbeitet. Umso wichtiger ist es für sie, dass mit der Erarbeitung des schon bestehenden Stücks („Empty House“) jemand betraut wird, der die Arbeitsweise des Choreographen genauestens kennt. Johann Inger hat seinen Bruder geschickt; so können sich die zehn Darsteller aus dem Mannheimer Ensemble perfekt in eine Bewegungssprache einarbeiten, die Alexandra Samion als „zurückhaltende Power“ charakterisiert. „Four Seasons“ zur gleichnamigen Vivaldi-Musik gestaltet der Mannheimer Hauschoreograph Giuseppe Spota. Dessen nicht enden wollende Fantasie kennt die Kanadierin schon aus früheren Arbeiten für das Mannheimer Ensemble. Auch Spota beschäftigt zehn TänzerInnen, und wie! Allein die Kostümwechsel werden eine Herausforderung, meint Samion. Denn das Publikum soll die unterschiedlichen Qualitäten der Jahreszeiten intensiv erfahren. Termin Premiere am Freitag, 11. Januar, um 19.30 Uhr im Schauspielhaus des Nationaltheaters.

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