Ludwigshafen Neue Geschäftsmodelle und viel Technik

Früher war alles relativ einfach strukturiert und überschaubar. Die Stadtwerke einer Kommune sorgten dafür, dass Bürger mit Wasser und Strom versorgt werden. Konkurrenz gab es nicht, und niemanden störte das. Die Stadtwerke, das sind heute die Technischen Werke Ludwigshafen, die 1973 aus dem Eigenbetrieb Stadtwerke heraus entstanden sind. Zwar sind die TWL als 100-prozentige Tochter der Stadt nach wie vor eng mit dieser verbandelt, einfach und quasi für jedermann überschaubar ist deren Geschäft aber längst nicht mehr. Lediglich bei der Versorgung der Bürger mit Trinkwasser haben die TWL laut deren kaufmännischem Vorstand Hans-Heinrich Kleuker noch eine Monopolstellung. Bei Gas und Strom stehen die Ludwigshafener hingegen seit Jahren im Wettbewerb mit anderen Anbietern. Natürlich habe man mit der Liberalisierung der Märkte zunächst zu den Verlierern gehört, gibt Kleuker freimütig zu, die neue Situation dann aber auch zu nutzen gewusst. „Wir haben uns gesagt: Wenn der Wettbewerb zu uns kommt, werden wir auch Anbieter über die Grenzen der Stadt hinaus.“ Mittlerweile haben die TWL Strom- und Gaskunden nicht nur in Ludwigshafen und im Umland, sondern überall in Deutschland. Laut dem Unternehmen hat man zwischen 7000 und 8000 Privat- und Gewerbekunden sowie etwa 500 Kunden aus der Industrie außerhalb der Stadtgrenzen. Schließlich unternähmen die TWL auch viel, um die Kunden zu halten beziehungsweise zurückzugewinnen, sagen Kleuker und Reiner Lübke, Vorstand Technik bei dem Versorgungsunternehmen. Dazu zählten interessante Produkte ebenso wie Sponsoring, um die Marke TWL öffentlichkeitswirksam darzustellen. Als Beispiele nennen Kleuker und Lübke das Angebot von „lokalem Strom“ oder auch das eines Gasprodukts mit zweijähriger Laufzeit, was den Kunden beim Wunsch nach Planungssicherheit entgegenkomme. Überdies unterstützten die TWL unter anderem das Festival des deutschen Films auf der Parkinsel, die Stadtranderholung oder auch den Handball-Zweitligisten der TSG Friesenheim sowie den alljährlichen Lichterzauber um die Weihnachtszeit in der Innenstadt. Kleuker und Lübke sind sich allerdings darüber im Klaren, dass derlei Angebote und Aktionen allein nicht ausreichen werden, um dem Energieversorger eine sichere Zukunft zu garantieren. Vor dem Hintergrund der Energiewende hätten die TWL deshalb bereits in neue Geschäftsfelder investiert und sich auch zahlreiche Gedanken über „neue Geschäftsmodelle“ gemacht, betont der Unternehmens-Vorstand. So sind die Technischen Werke Ludwigshafen mittlerweile nicht mehr nur Besitzer und Betreiber des Energieversorgungsnetzes in der Stadt inklusive Fernheizkraftwerk und zweier Wasserwerke, sondern ebenso Besitzer zweier Windparks, von denen einer in Nordrhein-Westfalen, der andere im nordpfälzischen Zellertal zu finden ist. Daneben ist das städtische Tochterunternehmen an einem Windpark beteiligt, der 16 Standorte bundesweit unterhält. Und auch die Sonne scheint für die TWL nicht allein in der Heimatstadt, auch an einem Solarpark in Schleswig-Holstein ist das Unternehmen beteiligt. Ende März haben die TWL außerdem die ERN Energiedienstleistungen Rhein-Neckar komplett übernommen. Das Unternehmen mit Sitz in Ludwigshafen unterstützt seine Kunden unter anderem bei der Einführung eines effizienten Energiemanagements. Was die „neuen Geschäftsmodelle“ anbelangt, derer sich die TWL annehmen wollten beziehungsweise müssten, damit es mit Umsatz und Gewinn mittelfristig nicht bergab gehe, nennen Kleuker und Lübke vor allem zwei „große Themen“: die Speicherung von Energie sowie die Digitalisierung. Knackpunkt bei der Nutzung regenerativer Energien sei es schließlich, Angebot und Nachfrage unter einen Hut zu bekommen, so der TWL-Vorstand. Scheine, wie dieser Tage, viel die Sonne, oder wehe ein ordentlicher Wind, werde entsprechend viel Strom produziert, häufig mehr, als tatsächlich gebraucht werde. Um derlei überschüssige Energie „aufzubewahren“, darum geht es beim Thema Speicherung. Bei den TWL ist das längst nicht mehr nur Zukunftsmusik, sondern mit der Mitte 2015 in Betrieb genommenen Power-to-heat-Anlage auch schon ein Stück weit Realität. Die Anlage im Fernheizkraftwerk wandelt überschüssigen Strom in Wärme um. Diese kann entweder direkt ins Fernwärmenetz der Stadt eingespeist oder in einem großen Wärmespeicher für energiemaue Zeiten gelagert werden. Das, so Kleuker und Lübke, sei aber nur eine von vielen Möglichkeiten der Speicherung. Sogenannte virtuelle Kraftwerke beispielsweise seien eine weitere. Auch mit dieser Technologie befassten sich die TWL bereits, wobei es hier darum gehe, auch Kunden als Energiespeicherer zu gewinnen und diese vielen „kleinen Kraftwerke“ so miteinander zu verbinden, dass das Zusammenspiel gut funktioniere. Womit auch das Thema Digitalisierung angesprochen wäre. Denn für das Funktionieren des Zusammenspiels der jeweiligen Energiespeicher bedürfe es einer Steuerungstechnik mit entsprechender Software und Kommunikationstechnologie, um die komplexen Prozesse effizient zu gestalten. „Wir glauben daran, dass die Automatisierung nicht aufzuhalten ist“, sagt Kleuker. Und daran, dass die Digitalisierung auch dazu genutzt werden könne, auf der Basis von Kundendaten weitere neue auch sehr individuelle Geschäftsmodelle zu entwickeln. All dies werde helfen, dass sich die TWL langfristig auf dem Markt behaupten könnten.