Mannheim
Neue englische Kunst in der Galerie Peter Zimmermann
Wer hat eigentlich wen gerufen? Egal, drei alte Bekannte, drei unterschiedliche Temperamente mit neuen und neueren Arbeiten, dazu drei Ausreißer mit Einzelarbeiten haben geantwortet. Mark Fairnington, Katie Pratt und Sean Dawson sind Stammgäste in der Leibnizstraße. Allen voran der an Skurrilitäten reiche Feinmaler Fairnington, der die Dinge mit feinem Pinsel und porentief genau auf die Leinwand oder Holz bringt. Leuchtende Farben, unirritierte Genauigkeit, die Sujets anheimelnd bis zum Wohlgefallen, das Ganze hintersinnig bis lustig gemein. Was als Blume, Vogel und mauskleine Landschaft zu sehen ist, ist totes Material: Die Tiere sind Präparate aus dem Naturkundemuseum, die Landschaften Reflexionen über alte Grafiken eines unbekannten Malers. Das hat spleenigen Charme.
Humorvolle und humorfreie Zonen
Ein prächtig illuminiertes Hochformat, einen (toten) „Bee Eater“ (Bienentöter) darstellend, provoziert Vermutungen. Wer außer Fairnington würde sich so einen barbieblauen Hintergrund erlauben? Ein schütterer Blumenstrauß ist „Sexual Anarchy“ überschrieben. Aber wo steckt die, in den fast schwarzen Blüten von einigen auf langen Stielen thronenden Callas? Und wenn der Maler einen besonders exotischen Vogel aus altem Adelsbesitz vor den Pinsel bekommt, präsentiert er ihn auf einem Blattgoldgrund, wie es die Maler des Mittelalters mit ihren Heiligen taten.
Bei Katie Pratt wechselt man in humorfreie Zonen. Kein Hintersinn steckt hinter den Farbwürfen der knapp 54-Jährigen. Die auf der Leinwand gelandeten Batzen sind das Ausgangsmaterial für eine Malerei, die (vermutlich) aus theoriefreien Augenblicken lebt. Gitterstrukturen, Verwischungen, gestische Interventionen, feines Gekrakel und wie aus dem Nichts blubbern aufsteigende Blasen – auf großen Formaten funktioniert das Prinzip, auf kleinen bleibt es eher im Ansatz stecken.
Von wegen Furor
Sean Dawson ist der Feinmaler Nummer zwei. Ein penibler Arbeiter mit feinstem Pinsel wie Fairnington, raffiniert in der Machart wie dieser. Tut so, als seien seine Bilder mit Bürsten, Besen und Airbrush gemalt. Linien, Balken, Pinselschwünge und Gesten sind großzügig über große Leinwände verteilt. Sie erzeugen ein illusionistisch bewegtes, tiefenräumlich angelegtes Ungefähr. Man denkt an explodierende Galaxien, planetarische Katastrophen, sieht futuristischen Furor am Werk. Dawson ist ein Perfektionist, der Willem de Kooning und Max Ernst als Kollegen schätzt und ansonsten Finten und Volten liebt: Von wegen Furor! Alles abgemalt von aus banalem Bildmaterial gepuzzelten und vielfach kopierten Collagen. Dawson braucht Monate, bis so ein Bild fertig ist. Die Vorlagen sind im Malprozess verloren gegangen. Das sieht nach überflüssiger Handarbeit aus, scheint aber ein notwendiger Filter, den er zwischen sich und das Bildermachen gelegt hat.
Goldener Rahmen im Preis inbegriffen
Dann: Ein auf den ersten Blick konventioneller„Forest“ (Wald) von Markus Vater, ein abstraktes Querformat von Ian Clenton und als Sahnehäubchen in goldenem, im Preis inbegriffenen Rahmen von James Lloyd eine Kopf-Studie von Elizabeth II., Teil eines offiziellen Standporträts. Lloyd war einer der offiziellen Hofmaler der Königin. Muss man mögen. Die Frau blickt eher mürrisch in die Welt, Diadem und Halsschmuck wirken fast anachronistisch. Lloyd gehört nicht zu den von Zimmermann vertretenen englischen Malern. Er soll schwierig sein. Immerhin ist er da, mit einer Studie, die man genial finden kann oder komisch, je nachdem.
Die Ausstellung
Bis 10. Juni in der Galerie Peter Zimmermann, Mannheim, Leibnizstraße 20. Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 13 bis 18, Samstag 11 bis 14 Uhr.