Ludwigshafen Nachmittags-Fernsehprogramm und Videospiele

91-96001522.jpg

Er sei „so mittel“ bekannt, urteilt der junge, aufstrebende Stand-up-Comedian Maxi Gstettenbauer über sich selbst. Damit seine Popularität weiter zunimmt, hat er nun sein aktuelles Programm „Maxipedia“ im nahezu voll besetzten Mannheimer Capitol aufzeichnen lassen.

„Ich will der erste deutsche Comedian sein, der sein Programm nur online verbreitet“, verkündet der 28-Jährige. So werde „Maxipedia“ nicht auf DVD veröffentlicht und auch nicht im Fernsehen zu sehen, sondern ausschließlich auf seiner Website abrufbar sein. Kostenlos, jedoch gegen Angabe der eigenen E-Mail-Adresse. „Die werde ich dann sauteuer an die NSA verkaufen“, erläutert der gebürtige Niederbayer, der in Köln lebt, sein Geschäftsmodell. „Das ist heute eine besondere Nacht für mich“, gesteht er den Zuschauern, während vier Kameras auf ihn gerichtet sind. Die Aufzeichnung führt jene Kölner Produktionsgesellschaft durch, die 2013 auch Gstettenbauers Solo-Debüt „Nerdisch by Nature“ für SAT.1 filmte und häufig mit Stadion-Comedian Mario Barth zusammenarbeitet. Maxi Gstettenbauer strebt offensichtlich ähnliche Erfolge an. Die Bühne ist entsprechend ausstaffiert, alles ist größer und bombastischer als man es normalerweise von Comedy-Auftritten im Capitol gewohnt ist. Die Intro-Musik ist darauf ausgerichtet, so große Spannung aufzubauen, als wäre hier ein Weltmeisterschafts-Boxkampf zu erwarten oder mindestens ein Komiker vom Kaliber eines Otto Waalkes. Maxi Gstettenbauers Auftreten selbst, mit Nerd-Brille und dunklem Oberhemd über der Hose, ist vergleichsweise zurückhaltend. Er ist zwar laut, beweist aber immer wieder sensibles Gespür für den Moment und die Stimmung des Publikums. Er ist direkt, aber nicht zu derb, und er wirkt authentisch, auch wenn die Inszenierung verfrüht auf Auftritte in großen Arenen ausgerichtet scheint. Gstettenbauer, der seit etwa zehn Jahren Comedy macht, erinnert daran, wie er in einem Düsseldorfer Theater von Stefan Raab fürs Fernsehen entdeckt wurde. „Ich hab` nur seine Zähne im Dunkeln gesehen“, weiß er noch. Sein erster Auftritt in Raabs Late-Night-Show „TV total“, bis heute auf YouTube zu sehen, sei dann ein herber Misserfolg gewesen. „Ich war so schlecht. Leute, die mich schon in der Schule nicht mochten, hatten Mitleid mit mir.“ Er sei ein Kind des Fernsehens und des Internets, charakterisiert er sich: „Ich kenn` mich mit so Nerd-Kram aus“. Gstettenbauer berichtet leidenschaftlich vom Nachmittagsfernsehen auf RTL, von TV-Sendungen wie „Galileo“ und „Germany`s Next Top Model“ und von der kuscheligen Netflix-Höhle, die er sich mit seiner Freundin eingerichtet hat. Vor eigenen Kindern hat er noch Angst, bekennt er. „Ich finde, Kinder sind das beste Feature, das der Mensch so drauf hat, aber ich hab` krassen Respekt vor dieser Aufgabe. Kinder sind Next-Level-Shit, Kinder sind die Endgegner des Lebens“, formuliert er in einer dem Universum der Videospiele entlehnten Sprache. „Ich werde das nie wieder spielen, das war das letzte Mal!“ erklärt Gstettenbauer am Ende von „Maxipedia“ und kündigt die Premiere seines dritten Programms „Lieber Maxi als normal“ im Oktober an. Für die Wartezeit bis dahin gibt es die Mannheimer Show im Internet.

x