Mannheim
Nach Aus des Theresienkrankenhauses: Gibt es noch genug Betten?
Die früher als geplante Schließung des Theresienkrankenhauses sorgt in Mannheim weiter für Wirbel. Der Mannheimer Landtagsabgeordnete Boris Weirauch (SPD) warnt vor einer Gefährdung der stationären Krankenversorgung. „Die Stadt Mannheim ist gesetzlich verpflichtet, die bedarfsgerechte Krankenhausversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Wenn jetzt 530 der insgesamt 2045 Mannheimer Krankenhausbetten in der Maximalversorgung wegfallen, liegt unsere Stadt deutlich unter dem bundesdeutschen Durchschnitt von 7,8 Betten pro 1000 Einwohner“, teilt er mit.
Wegen eines Millionendefizits schließt das Theresienkrankenhaus deutlich früher als geplant. Mitte 2026 wird die stationäre Versorgung eingestellt. Damit gibt der katholische Träger, die Gruppe Barmherzige Brüder Trier (BBT), einen ihrer zwei Krankenhaus-Standorte in Mannheim mehr als zwei Jahre früher als ursprünglich geplant auf. Zwischen 300 und 350 Menschen könnten ihren Arbeitsplatz verlieren. Als Ursache der Finanzprobleme genannt wurden einerseits gestiegene Energie- und Lohnkosten sowie ein Rückgang der Patientenzahlen gegenüber Vor-Corona-Zeiten. Weniger Patienten bedeuten auch weniger Einnahmen. Mit diesen Problemen haben auch andere Kliniken zu kämpfen. Zusätzlich führten einer Kliniksprecherin zufolge Änderungen der Regierung dazu, dass die Krankenhäuser letztlich weniger Geld vom Bund bekamen, als sie einkalkuliert hätten.
SPD-Politiker sieht Land am Zug
Weirauch sieht in erster Linie die Landesregierung in der Pflicht, die die Sicherung der Krankenhausversorgung gesetzlich den Stadt- und Landkreisen übertragen habe. Sie dürfe sich nicht aus der Verantwortung stehlen. „Die Landesregierung muss finanziell dafür Sorge tragen, dass die fehlenden Betten ersetzt werden“, so seine Forderung. Das wäre nach Auffassung des SPD-Politikers nur möglich, wenn gleichzeitig Kapazitäten im Klinikum neu aufgebaut werden und dort folgerichtig Personal aus dem Theresienkrankenhaus übernommen wird. „Zielführender wäre es aber sicherlich, wenn Gesundheitsminister Lucha mögliche Landeszuschüsse für die Umstrukturierung der Mannheimer Krankenhäuser der BBT-Gruppe unter Vorbehalt der Sicherstellung der Bettenzahl stellt. Das sichert Arbeitsplätze der TKH-Mitarbeiter und die Versorgung der Bevölkerung“, so Weirauch.
CDU, Mannheimer Liste, SPD und Grüne hatten bereits ihre Sorge hinsichtlich der Entwicklung zum Ausdruck gebracht. Nun reagiert auch die Linke mit scharfer Kritik auf die bekannt gewordenen Pläne zur Schließung der Klinik. „Die Schließung der Notaufnahme im Theresienkrankenhaus wird die gesamte Notfallversorgung in Mannheim spürbar belasten. Schon jetzt warnen Fachleute davor, dass andere Kliniken an ihre Grenzen geraten werden. Verlegte Stationen und ein Ausbau der Diako-Notaufnahme können diesen Verlust nicht ausgleichen“, sagt Kreissprecher Philipp Fränkle. Co-Sprecherin Anna-Sophie Roth befürchtet, dass mit der Schließung der Notaufnahme im Theresienkrankenhaus ein Dominoeffekt drohe: längere Rettungswege, überlastete Notaufnahmen, mehr Risiko für die Patientinnen und Patienten. „Es ist unverantwortlich, ein funktionierendes System aufs Spiel zu setzen – und das alles aus Kostengründen“, moniert sie.