Ludwigshafen
Näherin Monika Rüth: Gelebte Inklusion und Liebe zur Fasnacht
Monika Rüth spricht mit Cathrin. Es sind wohltuende, lobende Worte. Die Mitarbeiterin sitzt gerade an der Nähmaschine und ist dabei, aus alten Jeans Taschen zu nähen. Rüth legt den Arm um ihre Mitarbeiterin. Cathrin hat das Down-Syndrom und besucht die Werkstätte für behinderte Menschen des Ökumenischen Gemeinschaftswerks in Oggersheim, wo Rüth die Näherei leitet.
Rüths große Leidenschaft ist die Fasnacht. Die lebte sie früher bei der Siedlergemeinschaft BASF Notwende aus. Mit ihrem berufsbedingten Wechsel zu den Werkstätten kam der Näherin vor 42 Jahren die Idee, die Faschingskostüme für die Gemeinschaftssitzung der Werkstätte mit dem Karnevalverein (KV) Rheinschanze Ludwigshafen selbst zu nähen. In diesem Jahr hatte die Sitzung im Oppauer Bürgerhaus ein Jubiläum: Sie fand zum 50. Mal statt.
Die Motivation und das Stofflager im Blick
„Mir war es immer wichtig, dass die Arbeit für meine Mitarbeiterinnen nie langweilig wird“, sagt Rüth. Also werden einmal im Jahr Faschingskostüme genäht, und zwar für diejenigen, die bei der Sitzung auftreten. Die 63 Jahre alte Näherin sorgt nicht nur für etwas Abwechslung im beruflichen Alltag ihrer derzeit 14 Kolleginnen, sondern animiert sie auch zum Mitmachen. Alljährlich steuert sie zu den Sitzungen auch das Motto bei. Dementsprechend wurden die Kostüme gefertigt. Rüth denkt bei all dem durchaus auch an die Logistik ihrer Werkstatt und hat ihr Stofflager im Blick: „Im letzten Jahr hatten wir sehr viele Stoffe in Blau, so kam bei mir der Gedanke, Pilotenmützen, aber auch Krawatten für alle Mitwirkenden zu fertigen“, erzählt sie.
Die Kleidung für die Auftritte besteht aus Stoffen, die von verschiedenen Personen und Firmen gespendet wurden. Auf diese Fasnacht im Sinne von Inklusion und Nachhaltigkeit sind auch die Verantwortlichen des Ökumenischen Gemeinschaftswerk Pfalz stolz. In diesem Jahr hieß das Motto beispielsweise „Bautrupp“, und der Slogan lautete „Ich baue eine Stadt für dich“. Auch Themen wie Corona oder Schornsteinfeger standen schon Mittelpunkt. So hieß es in der Corona-Phase: „Wir feiern, bis der Arzt kommt“. Oder auch „Wir tanzen auf dem Dach, bis die Schornsteinfeger kommen“.
„Mir geht es um meine Mitarbeiter“
Rüth, die auch gerne als die gute Seele der Werkstätten bezeichnet wird, zeigt, wie Menschen mit Behinderungen aktiv in die Fasnacht integriert werden können. Ihr ist dafür kein Schritt zu viel, deshalb ist sie an der Faschingssitzung auch noch an anderer Stelle beteiligt: Die Idee zum Bühnenbild und die Umsetzung stammen ebenfalls von ihr. Sie weiß um die positive Wirkung für ihre Kolleginnen, die von dem Ereignis ausgeht: „Mir geht es um meine Mitarbeiter. Für sie ist die Sitzung etwas ganz Besonderes. Sie sind auch bei der Vorbereitung mit viel Elan und Fleiß dabei. Das stärkt enorm das Selbstwertgefühl“, erzählt Rüth. „Gerade bei den Tänzen sind sie gerne dabei, während Büttenreden für unsere Mitarbeiter eher schwierig sind.“
Aber bald ist Schluss. Zum Jahresende geht Rüth in den Ruhestand. „Da wird mir schon was fehlen. Ich hoffe aber immer noch, dass sich jemand findet, der bei den Gemeinschaftssitzungen mit der KV Rheinschanze das, was wir hier in den letzten Jahrzehnten geschaffen haben, fortsetzen wird“, so die Näherin. Ihr Wehmut, bald nicht mehr im Kreise ihrer 14 Mitarbeitenden dabei zu sein, ist ihr anzumerken.