Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Musikpark seit einem Jahr dicht

Statt bis zu 2500 Gästen an Wochenenden derzeit kein Durchkommen: Musikpark-Eingang.
Statt bis zu 2500 Gästen an Wochenenden derzeit kein Durchkommen: Musikpark-Eingang.

Der Musikpark Ludwigshafen steht vor einem traurigen Jubiläum. Zuletzt hatte die größte Disko der Stadt vor einem Jahr geöffnet. Geschäftsführer Michael „Mike“ Gebhardt sieht keine Perspektive für eine Wiedereröffnung. Und: Die staatlichen Überbrückungshilfen kommen in seinem Fall nicht an. Dabei spielt der Hochstraßenabriss eine Rolle.

Knallig bunt, laut, fröhlich und manchmal ein wenig schrill – so sind die Bilder im Internetauftritt des Ludwigshafener Musikparks. Es sind Bilder wie aus einer längst vergangenen Zeit, die ein Lebensgefühl zeigen, nach dem sich viele Menschen zurücksehnen. Einer davon ist Mike Gebhardt. Am 8. März 2020 hatte der Musikpark zuletzt geöffnet.

Für den Betreiber ist klar: „Ein bisschen öffnen können wir nicht.“ Ein „Barbetrieb mit Musikuntermalung aber Tanzverbot“, wie das im Frühsommer in der Oppauer Music Hall als Lösung mit der Stadt gefunden wurde, sei am Berliner Platz keine Option. Hier steht der Diskothekbetrieb nicht zur Diskussion, sagt Gebhardt.

Jeden Monat Verluste

Seit der Eröffnung im September 2005 traf sich hier das Partypublikum. Nach einer kurzen Vorlaufzeit habe der Laden gebrummt, war von mittlerweile mehreren Generationen Feiervolk gut frequentiert. „Ja, es ist von Anfang an gut gelaufen“, sagt der Herr über die drei Tanzflächen auf rund 1800 Quadratmetern.

Dass eine Wiedereröffnung an Bedingungen geknüpft ist, sei klar. „Aber die könnten wir erfüllen.“ Genau genommen erfülle man alle Hygienevorgeben bereits. „Wenn es darum geht, könnten wir sofort wieder die Türen öffnen.“ Eben mit Personenbeschränkungen, Abstandsregeln, Spuckschutz über den Theken und vielen weiteren Maßnahmen. Gewinn sei damit nicht zu machen, „aber ans Geldverdienen denken wir schon lange nicht mehr. Es geht darum, die Verluste zu reduzieren.“ Denn seit einem Jahr laufen fixe Kosten für Miete, Strom und Wasser weiter und der Geschäftsführer selbst schaut mehrmals in der Woche nach dem Rechten.

Wegen Abriss keine Grundlage für Hilfe

„Wir werden gerade doppelt bestraft“, hadert er mit der Lage. Schließlich sind es nicht nur die vergangenen zwölf Monate, die dem Betreiber der Großraumdiskothek am Berliner Platz zu schaffen machen. Bereits Ende 2019 erlebte der Musikpark eine Phase der erzwungenen Schließung. Weil für den Abriss der Hochstraße das Gebäude in den Monaten November und Dezember aus Sicherheitsgründen gesperrt war, fiel die Bilanz in dieser Zeit sehr mau aus.

Aber genau auf die Umsätze dieser Monate beziehen sich die nun vom Staat bezahlten Überbrückungshilfen. „Normalerweise sind das für uns richtig gute Monate, aber 2019 ging eben nichts.“ Und 75 Prozent von Nichts sind kein üppiges Auskommen. „Wir haben jetzt seit einem Jahr keinen Cent verdient“, stellt Gebhardt klar.

Viele Mitarbeiter betroffen

Besonders betroffen davon sind die Teilzeitbeschäftigten der Diskothek: „Immerhin rund 90 Prozent unserer Mitarbeiter“, sagt Gebhardt. Für die Festangestellten greift immerhin die Regelung des Kurzarbeitergeldes. „Die kommen über die Runden“, ist sich der Geschäftsführer sicher. Aber es ist eben nur ein kleiner Teil des gesamten Betriebs abgesichert. „Je nach Wochentag arbeiten hier normalerweise zwischen 30 und 45 Leute.“ Hinzu komme ein externer Sicherheitsdienst.

Für alle gab es im März eine abrupte Vollbremsung. „Immerhin konnten die Leute im Sicherheitsdienst Impf- und Testzentren absichern.“ Die anderen Mitarbeiter hatten diese Ausweichmöglichkeit nicht. „Die Gastronomie hat es voll getroffen. Und wer einmal weg vom Markt ist, der kommt auch nicht wieder.“

Objekt soll wieder öffnen

Dieses Schicksal soll den Musikpark nicht treffen, gibt sich Gebhardt kämpferisch. Der 56-Jährige denkt dabei nicht nur an das Ludwigshafener Objekt und die 32 Großraumdiskotheken, die sein Unternehmen zwischen Lübeck und Wien betreibt. Das Überleben sei auch wichtig für den Standort. „Wenn die Gastronomie verschwindet, dann verwaisen die Innenstädte noch mehr. Das spielt wiederum den Großkonzernen in die Hände.“ Und denen wolle er die Ludwigshafener Innenstadt nicht überlassen. „Wir wollen dieses Objekt unbedingt wiedereröffnen!“ Er erhofft sich dafür zumindest eine Perspektive. Ein Signal dafür gebe es aber nicht. Auch nicht, nachdem mittlerweile die Impfungen angelaufen sind. Und so blickt er sorgenvoll in Richtung des traurigen Jahrestags.

Einigen Anwohnern am Berliner Platz, die durch die Disko-Gäste um ihre Nachtruhe gebracht wurden, fehlt der Musikpark jedoch nicht.

Zu Sache: Der Musikpark und sein Chef

Musikpark-Betreiber Mike Gebhardt stammt aus Würzburg, wohnt auch noch in der fränkischen Stadt und betreibt die Ludwigshafener Diskothek seit Herbst 2005. Im Diskotheken-Geschäft ist er seit 35 Jahren tätig. Mit sechs Mitgesellschaftern betreibt der Mittfünfziger die Music-Park-Concepts GmbH, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz 32 Großraumdiskos führt, die nächstgelegenen sind in Kaiserslautern („Nachtschicht“), Pforzheim und Heilbronn.

Gebhardt gehört dem Präsidium des Bundesverbands deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe (BDT) an, dessen Angaben zufolge die Anzahl deutscher Diskos in den vergangenen sieben Jahren von rund 2700 auf weit unter 2000 gesunken ist. Die Fläche des Musikparks beträgt 1800 Quadratmeter, bis zu 2500 Gäste finden darin Platz.

14 Festangestellte, 93 Aushilfen auf 450-Euro-Basis und ein externer Sicherheitsdienst kümmern sich normalerweise um die Besucher, denen drei Dancefloors mit verschiedenen Musikstilen, DJs sowie Live-Auftritten und ein Barbereich (Rittersaal) zur Verfügung stehen.

Geöffnet ist der Musikpark gewöhnlich Donnerstag, Freitag und Samstag sowie vor Feiertagen. Gebhardt lebt in einer Beziehung und hat eine erwachsene Tochter.

Im Netz

www.musikpark-ludwigshafen.de
Geschäftsführer Mike Gebhardt ist deprimiert.
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