Ludwigshafen Musik und Programm in vier Sprachen

Integrations- und Sozialpolitik sind die Schwerpunkte von Liborio Ciccarellos politischer Arbeit. Der Spitzenkandidat der Linken für die Kommunalwahl am Sonntag hat seine Ideen am Samstag in Oggersheim einem großen Kreis von Zuhörern vorgestellt. Der 43-Jährige forderte ein Ende der sozialen Benachteiligung und die Chance auf ein gutes Leben für alle Menschen in Ludwigshafen.
Wer am Samstag die Wahlkampfveranstaltung der Linken im Restaurant Melm besucht hat, mag sich über das Format vielleicht gewundert haben. Keine langen Reden standen im Mittelpunkt. Stattdessen herrschte ausgelassene Stimmung bei den Besuchern. Viele tummelten sich bei italienischer Musik auf der Tanzfläche des großen Saals. Die große Zahl italienischer Besucher erklärte Liborio Ciccarello so: „Es hat sich herumgesprochen, dass Integrationspolitik für mich sehr wichtig ist.“ Die Linken seien die einzige Partei, die ihr Programm nicht nur in deutscher, sondern auch in italienischer, türkischer und griechischer Sprache veröffentlicht habe. Für eine wirkungsvolle Integrationspolitik hat Stadtratsmitglied Ciccarello ein Drei-Stufen-Modell parat: Die Zahl der Kinder von Migranten, die einen Kindergarten besuchen, soll von derzeit 70 auf 90 Prozent gesteigert werden. In der Schule müsse darauf geachtet werden, dass Migranten eine gezielte Sprachförderung erhalten. Schließlich sollen eine Migrantenquote im öffentlichen Dienst oder ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren für mehr Gerechtigkeit im Arbeitsleben sorgen. „Es soll jeder die Chance bekommen, in Ludwigshafen ein gutes Leben zu führen. Das Problem der sozialen Benachteiligung muss gelöst werden“, sagte der Psychologe. Ermöglichen sollen das unter anderem der Sozialpass und das Sozialticket, die es in Nachbarstätten bereits gebe. Finanzieren will die Linke ihre Ziele mit einer Erhöhung des Gewerbesteuersatzes. Der habe in den vergangenen zehn bis 20 Jahren stetig abgenommen. Eine Verwirklichung sozialer Politik durch die großen Parteien hält Ciccarello für unwahrscheinlich. „Die SPD ist nichts weiter als die CDU in rot. Auch die Grünen sind nicht wählbar, weil sie zu den Hofadjutanten der Großen Koalition geworden sind.“ Die Linke wird laut Ciccarello auch in Zukunft kein Blatt vor den Mund nehmen und die Vorgänge im Stadtrat genau beobachten. Er macht sich keine Sorgen: „Ich gehe davon aus, dass wir wieder in den Stadtrat einziehen und uns für soziale Gerechtigkeit einsetzen werden.“ (mnx)