Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Musik und Film mit Waldrauschen und der Künstlerin Sue Mandewirth

 Projektionen geometrischer Muster begleiteten die Beats und Grooves der Disc Jockeys.
Projektionen geometrischer Muster begleiteten die Beats und Grooves der Disc Jockeys.

„Wo ist die Seele, wo ist der Geist von Ludwigshafen?“ Diese Fragen wollte Sue Mandewirth mit den DJs von Waldrauschen im 21. Ludwigshafener Kultursommer beantworten. Auf dem Platz vor dem Kulturzentrum Das Haus wollten die Künstler mit Musik und Videoprojektionen die Stadt auf eine bisher unbekannte und spannende Weise zeigen. Doch die Zuhörer und Zuschauer gingen nicht so richtig mit. Geist und Seele Ludwigshafens hielten sich auf dieser Veranstaltung jedenfalls versteckt.

Zwerchfellerschütternd hallten die Beats von den Fassaden rings um Das Haus wider. Geometrische Muster zuckten im Rhythmus der Musik über die Außenflächen vom „Haus“. Auf dem Karl-Kornmann-Platz vor dem Kulturzentrum hielt sich der Besucherandrang zunächst jedoch in Grenzen. Nur ein paar Besucher verloren sich noch eine Stunde nach Veranstaltungsbeginn um 19 Uhr auf dem Gelände.

Im Laufe des Abends überließen sich dann aber doch mehr Gäste dem Beat und begannen in der hereinbrechenden Nacht zu tanzen. Im Stil von Chill Out, Deep House & Electronic jammten die DJs to66l (HJ Mayer), 2DI (Dieter Knecht /DJ Didi) und der Musiker Yo (Jo Jacobs). Ein Film von Sue Mandewirth mit Grooves der DJs stellte dann um 21 Uhr den Höhepunkt der Veranstaltung dar. Darin nahm die Künstlerin die zuschauenden und zuhörenden Gäste mit auf eine Autofahrt durch Ludwigshafen, aufgenommen mit einer Action-Cam. In Form eines Psychedelic Comics sei der Film bearbeitet, sagte die Künstlerin. Allerdings unterscheidet sich die Version, die sie an diesem Abend zeigte, erheblich vom Preview.

Bild und Ton gleichberechtigt

„Bild und Ton sind gleichberechtigt“, betonte Sue Mandewirth im Gespräch. Musik und Text des Liedes habe sie selbst geschrieben, die Interviews mit Ludwigshafener Einwohnern habe sie vorher geführt, erzählte sie. Die Bilder des Films, den sie bearbeitet hat, sollen von Hobby-Fotografen stammen. Im Preview sind die Bilder kunstvoll im Stil von Comics bearbeitet.

Videokunst ist jedoch nur eines von Sue Mandewirths Betätigungsfeldern. Die Elows, Comicfiguren, die von Augen beherrscht werden, lässt sie durch Zeit und Raum fliegen. Sue Mandewirth hat an der Kunstakademie in Mannheim 15 Jahre lang Videokunst gelehrt. In der Rhein-Neckar-Region zeigt sie ihre Kunst in zahlreichen Ausstellungen.

Eine gewisse Sogwirkung

„Vereint in Illusion von Geist“, lautete eine der Textzeilen, die Sue Mandewirth in ihrer Komposition zum Besten gab. Brücken und Unterführungen mit Graffitis der hässlichen Art, Zäune und Mauern, Müllberge am Straßenrand zeigt der Film, schnell geschnitten und unterbrochen von graphischen Elementen wie konzentrischen Kreisen, in die die Kamera immer weiter hineinfährt. Eine gewisse Sogwirkung tritt da ein. Zwischendurch erscheint immer mal wieder das Konterfei der Künstlerin im Porträt. Sie trägt eine Augenbinde, die sie dann lüpft. „Ich möchte meine Sicht der Dinge darstellen, das Sein in all seinen Facetten darstellen“, erklärt sie dazu.

Die Graswurzelbewegung, die nach der Ausstrahlung der Satire-Sendung „extra 3“ vor drei Jahren in Ludwigshafen entstanden ist, ist der Künstlerin jedoch offensichtlich entgangen. Die Fernsehsendung hatte Ludwigshafen zur hässlichsten Stadt Deutschlands gekürt. In der Folge gründete sich die Facebook-Gruppe „Ludwigshafen ist schön“. Zahlreiche Geschäftsleute, Künstler und auch die Lukom, die Ludwigshafener Kongress- und Marketinggesellschaft griffen die Ideen auf und organisierten Stadtführungen und Ausstellungen, die Ludwigshafen von seinen schönen, aber auch hässlichen Seiten zeigen. Auch der rasante Film zeigte ein paar schöne Straßen in Friesenheim.

Weitersuchen nach dem Geist Ludwigshafens

Der Groove vor dem Kulturzentrum Das Haus ging einigen Besuchern der Veranstaltung tatsächlich in die Beine. „Du bist da für jeden, der sich mit dir verbindet“, heißt eine der bedeutungsschwangeren Zeilen im Liedtext Sue Mandewirths. Den Geist und die Seele Ludwigshafens müssen sie und die DJs von Waldrauschen aber weitersuchen.

x