Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Museumsschiff: Nach Runderneuerung wieder am Neckarufer angelegt

In neuem Glanz: das Museumsschiff Mannheim.
In neuem Glanz: das Museumsschiff Mannheim.

Das Museumsschiff Mannheim hat wieder am Neckarufer unterhalb der Kurpfalzbrücke angelegt. Runderneuert heißt es für den fast 100 -jährigen Raddampfer nun „auf zu neuen Ufern“. Dabei hätte es für diesen auch ganz anders ausgehen können.

Lange schlug die Diskussion um die Zukunft des Schiffs mitunter hohe Wellen. Das Technoseum als ursprünglicher Träger wollte es aus Kostengründen nicht länger betreiben. „Verschenken“ oder „verschrotten“ standen als Alternativen im Raum angesichts der geschätzten Sanierungskosten, über deren realistische Höhe öffentlich gestritten wurde.

Während der ehemalige Technoseum-Chef Harald Lüdtke von zwei Millionen Euro sprach, hatte Rolf Götz diese mit 300.000 Euro angesetzt. 450.000 Euro sind es am Ende geworden. Die Kosten hielten sich damit im Rahmen, wie Götz in seiner Funktion als Vorsitzender des eingetragenen Vereins Museumsschiff Mannheim beteuert.

Neue Elektrik und frischer Anstrich

Für die Summe wurde der Schiffsboden bei der Kölner Schiffswerft Deutz (KSD) untersucht, gereinigt und ebenso neu gestrichen wie das Schiff insgesamt. Kleinere Reparaturarbeiten wurden ausgeführt, sämtliche Decks frisch beschichtet. Die Elektrik ist ebenso neu wie die Brandmeldeanlage. Dank der Finanzmittel von Technoseum, Bund, Stadt und Land habe der Verein das Schiff auf der Kölner Werft überholen lassen können.

Auch bei den Hin- und Rücktransporten griffen Sponsoren unter die Arme. Die in Ludwigshafen ansässige Tankreederei Stetra und das Mannheimer Großkraftwerk GKM schleppten mit ihren jeweiligen Gütermotorschiffen das Museumsschiff auf ihren Frachtfahrten seitlich im Koppelverband mit. Bei der Rückkehr des Dampfers an seinen angestammten Platz waren die beiden Arbeitsschiffe der Hafengesellschaft Mannheim, „Biber“ und „Rheinau“, im Einsatz.

Über Jahrzehnte Fahrgastschiff

Die Vereinsverantwortlichen sind stolz, glücklich und dankbar für die finanzielle und logistische Unterstützung. Götz betont aber auch, dass ohne das Engagement, Fachwissen und die Kompetenzen seiner Mitstreiter im Vorstand das Ganze nicht zu stemmen gewesen wäre.

Tatsächlich sah es nicht von Anfang an nach einem Happy End für die „Mainz“ aus. Unter diesem Namen hatte der Schnelldampfer, konstruiert auf der ehemaligen Ruthof-Werft in Mainz-Kastel, am 4. Juni 1929 unter der Flagge der Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrts AG seine Jungfernfahrt angetreten. Noch bis 1980 fuhr er zwischen Mainz und Köln hin und her. Ein Jahr später wurde das große Personenschiff ausrangiert und vom Betreiber an die „Gesellschaft zur Förderung des Deutschen Rheinschifffahrtsmuseums“ verschenkt mit der Maßgabe, es für museale Zwecke zu verwenden.

Innenrenovierung steht noch aus

Am 17. Oktober 1986 gab die Gesellschaft es nach einer Überholung an das Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim, das heutige Technoseum, weiter. Am 31. Dezember legte dieses das Schiff still. Tüv und Liegegenehmigung waren ausgelaufen. Dafür begannen lange Diskussionen, ob und wie das Museumsschiff zu retten sei. Im April 2023 übernahm es der Verein Museumsschiff Mannheim nach langwierigen Verhandlungen vom Technoseum und verpflichtete sich dazu, den historischen Raddampfer überholen zu lassen und für viele Jahre als Museumsschiff zu betreiben.

Als nächstes soll die Innenrenovierung unter Beibehaltung der Einrichtung aus den 1920er-, 50er- und 70er-Jahren durchgeführt werden, sodass schon bald wieder Besucher zu Rundgängen mit Führungen kommen können. Und zwar noch vor dem eigentlichen Einweihungsfest im Frühjahr 2024, zu dem dann auch die Ausstellung zur regionalen Schifffahrtsgeschichte und der wirtschaftlichen Bedeutung des Hafens für die Entwicklung der Stadt Mannheim gezeigt werden soll. Auch für Konzerte, Familienfeste, Gottesdienste, Vereinsversammlungen und museumspädagogische Aktionen soll das Museumsschiff künftig wieder zur Verfügung stehen. Was derzeit noch fehlt, ist ein Betreiber Gastronomie.

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