Ludwigshafen Momente eines flüchtigen Glücks

Placeholder-Image

Im August machen alle Galeristen Ferien. Alle? In Mannheim und Heidelberg hält ein kleines Häuflein die Fahne der Kunst hoch. Art Priori zeigt in der Mannheimer Hafenstraße Bilder der russischen Malerin Julia Belot. Bei Grandel geht es querbeet durchs abstrakte Galerieprogramm. Und die Heidelberger Keramik-Spezialistin Marianne Heller macht mit einer Doppelausstellung von Marc Leuthold und Peter Callas Platz für zwei amerikanische Künstler, die in Europa noch nicht ganz angekommen sind.

Art priori gibt es noch nicht lange. Seit einem Jahr betreiben Anastasia Asmus und Julia Szillis im Gründerzentrum C-HUB gleich neben dem Port 25 ihre mauskleine Galerie. Art Consulting ist die zweite Säule des cleveren Duos. Soviel Wagemut macht neugierig, und da sind die „Paradiesischen Gärten“ (Ausstellungstitel) von Julia Belot, nun ja: ein leichter Fall. Ihre Bilder stellen kaum Rätsel, sagen die Galeristinnen. Wie Märchen und Kinderträume seien sie. Malend spielt Julia Belot mit Farbe und Licht, Abstraktion und Gegenständlichkeit werden mit subtiler Raffinesse verschränkt. Ein Kind, das einen toten Fisch betrachtet, junge Männer am Strand, Euphorbien vor dem Fenster, der Blick auf eine blühende Wildnis: Exakt beschrieben, paradiesisch in der Anmutung, vermitteln diese Bilder Momente eines flüchtigen Glück, das, wie immer in der Kunst, ein gemachtes, in zahlreichen Fotos und Skizzen vorbereitetes ist. Dann wird ergründet, wie sich die Dinge im Bild machen. Das Malen dauert lang. „Es hat diese Szenen so nicht gegeben“, sagt die Frau mit der bemerkenswerten Biographie. 1969 in Russland geboren, Biologiestudium, Kunstakademie St. Petersburg, 1997 Emigration nach Deutschland, Kommunikationsdesign in Wiesbaden, wo sie heute lebt. Stipendien, Preise und zahlreiche Ausstellungen – unter anderem in Neustadt, Landau, Annweiler, Bergzabern, Ladenburg und Wörth – stehen für die Wertschätzung einer virtuos-eingängigen Malerei, die alles andere als unreflektiert ist. Man hat einfach ein gutes Gefühl dabei. Auch bei Harald Weinmann kommt der Sommer leicht daher. „Repertoire – abstrakte Kunst“ heißt die Ausstellung in der Galerie Grandel. Sie zeigt, wie unkonventionell man als Galerist arbeiten kann. Einfach mal vorführen, welche nicht gegenständlich arbeitenden Pferdchen man im Stall hat. Zwölf sind es diesmal, von Sabine Amelung aus Ludwigshafen bis Hinrich Zürn aus Heilbronn herrscht eine fast gelassene Atmosphäre. Qualität und Auswahl stimmen, die Stimmung ist gut. Soll man noch den einen oder anderen Namen nennen? Das wäre ungerecht. Nur soviel, dass Cordula Güdemann und Susanne Egle noch in diesem Jahr Einzelausstellungen bekommen. Es ist schwer, von den knorrigen Gefäß-Skulpturen des amerikanischen Keramikkünstlers Peter Callas (nicht zu verwechseln mit dem australischen Videokünstler gleichen Namens) bei Marianne Heller in Heidelberg nicht fasziniert zu sein. 1976 baute der 25-Jährige nach einer Japan-Reise den ersten Anagama (Holzbrandofen) in den USA. Urtümlich, schrundig, schroff und expressiv, sind seine von einem im Ergebnis nicht vorhersehbaren Ascheanflug gezeichneten Gefäße wahre Wechselbälger aus fernöstlicher und westlicher Keramiktradition. In der Galerie Marianne Heller am Heidelberger Seegarten teilt sich Peter Callas die Sommerausstellung mit den Porzellan- und Steinzeug-Skulpturen des elf Jahre jüngeren New Yorker Professors und Allround-Künstlers Marc Leuthold, der auch in Glas und Bronze arbeitet, zeichnet und Installationen macht. Trichter-, Rad- und Kreisformen mit filigran eingeschnittenen Lamellen-Strukturen sind die Lieblingsthemen seiner ebenso feinsinnigen wie fragilen Kunst, die sich mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen Natur und Konstruktion, dem Gegenständlichen und der Abstraktion, Bewegung und Innehalten, Perfektion und Störung bewegt. Dass Marc Leuthold auch Humor hat, zeigt die Widmung einer seiner plissiert rotierenden Scheiben an Marilyn Monroe und ihren über einem U-Bahnlüftungsschacht auffliegenden Rock. Für Keramikfreunde und -sammler ist die internationale Bahnen ziehende Galerie von Marianne Heller einmal mehr ein absolutes Muss. Termine —Art Priori Gallery in Mannheim, Hafenstraße 25-27. Bis 31. August, dienstags bis samstags 14 bis 18 Uhr. —Galerie Grandel in Mannheim, S 4, 23. Bis 3. September, dienstags bis freitags 14 bis 19 Uhr, samstags 10 bis 16 Uhr. —Galerie Marianne Heller in Heidelberg, Friedrich-Ebert-Anlage 2. (Am Stadtgarten). Bis 4. September, dienstags bis freitags 11 bis 13 und 14.30 bis 18 Uhr, samstags 11 bis 18 Uhr.

x