Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Molkereisturm mit Hindernissen und einer guten Nachricht fürs Tierheim

Geschafft, mit vereinten Kräften wurde die Mauer eingerissen.
Geschafft, mit vereinten Kräften wurde die Mauer eingerissen.

Die ehemalige Molkerei in Oggersheim wird jedes Jahr zum Ziel der Narren. Ob sie auch in diesem Jahr Oberwasser behalten haben? Einfach war’s jedenfalls nicht – aber lustig.

Am Samstag wollten die Narren das Gelände von Horst Bruch & Söhne, Getränkevertrieb, bereits zum 22. Mal stürmen. War gar nicht so einfach, denn: „Wir wissen nie, welche Aufgabe uns bei den Brüdern von Getränke-Bruch erwartet“, erklärte Tobias Mack, Vorsitzender des Karnevalvereins Rheinschanze.

Knapp daneben ist auch vorbei: Versuch von Tobias Mack, Rheinschanze-Vorsitzender, die kleinen Öffnungen der Torwand zu treffen.
Knapp daneben ist auch vorbei: Versuch von Tobias Mack, Rheinschanze-Vorsitzender, die kleinen Öffnungen der Torwand zu treffen.

Entsprechend schwer fiel es den Fasnachtern, Teil zwei der Aufgabe zu lösen, um die ehemalige Molkerei zu erobern. Jochen Bruch hatte sich vermeintlich wenig gastlich an die vielen Faschingsvereine und Besucher gewandt, die sich um 14.11 Uhr am Areal in der Mannheimer Straße 69 versammelt hatten. „Warum verstellt ihr den Platz, hier ist eine private Veranstaltung“, fragte er. Wer den Spaßvogel kennt, der wusste, dass das nicht ernst zu nehmen war.

Zaubertrank und Mauer aus Kisten

Es war der Startschuss für den Vorsitzenden des ältesten Karnevalvereins der Stadt, vorstellig zu werden und Einlass zu begehren. Der wurde nur unter der Bedingung gewährt, die große Mauer aus Getränkekisten einzubrechen. Die Garde war in großer Zahl angetreten, stärkte sich im Vorfeld noch mit einem Zaubertrank des privaten Druiden der Rheinschanze, der bereits bei Asterix und Obelix für große Siege im Kampf gesorgt hatte. Der Zauberer ist Teil des Mottos „Römer und Gallier“, unter dem die Kampagne dieses Jahr läuft.

Freigetränke und Dampfnudeln

Derartig gestärkt, fiel die erste Hürde schnell. Bezug nehmend auf die am 1. Februar abgeschlossene Handball-Europameisterschaft sollten drei der Fasnachter und drei Personen aus dem Getränkehandel auf eine Torwand zielen. Das Ergebnis fiel klar für den Gastgeber aus. „Knapp vorbei ist auch daneben“, kommentierte Helmut Bruch trocken, „aber jetzt haben wir nun mal alles gerichtet“, lenkte er ein – und bat die Gäste zu Freigetränken und Dampfnudeln. Der Vorsitzende des Großen Rats als Dachverband der Ludwigshafener Karnevalvereine, Christoph Heller, erinnerte sich amüsiert: „Als die Molkerei erstmals vor 22 Jahren gestürmt wurde, war ich Präsident bei der Rheinschanze. Man stellte sich nur mal vor, die Brüder stellten dann freie Milch für alle.“

Huddelschnuddler sorgen für Stimmung

Zur großartigen Stimmung trugen die Huddelschnuddler bei. Die Guggenmusiker sind seit etlichen Jahren mit von der Partie. Laut und schwungvoll führte die Kapelle, von einem temperamentvollen Dirigenten angeleitet, durchs Programm. Vorsitzender Peter Herzog betonte, die Gruppe komme sehr gern, zumal die gesammelte Spende stets für eine guten Zweck sei. Die Musiker zogen im Anschluss gleich weiter, immerhin warteten noch zwei weitere Auftritte auf sie.

Erlöse für das Tierheim

Auch für Tobias Mack und Dirk Auerbach, den Vorsitzenden und den Präsidenten der KV Rheinschanze, ist es eine Ehre, jedes Jahr an dem humorigen Spektakel teilzunehmen. Zumal die beiden Inhaber, Helmut und Jochen Bruch, Ehrensenatoren im Verein sind. Die Erlöse aus den Spenden gehen zum dritten Mal an das Tierheim. Eine Einrichtung, die den Bruchs sehr am Herzen liegt. Im vergangenen Jahr rundete die Familie die Summe von 666,66 Euro auf.

Kräfte bündeln mit dem Zaubertrank des Druiden der KV Rheinschanze, bevor es zum Sturm auf die Molkerei geht.
Kräfte bündeln mit dem Zaubertrank des Druiden der KV Rheinschanze, bevor es zum Sturm auf die Molkerei geht.

Der Molkereisturm war ein Stelldichein etlicher Karnevalvereine. Angeschlossen hatten sich der Partnerverein KV Hans Warsch Oggersheim, die Ruchemer Schlosshogger und die Fidelen Zecher, sowie zahlreiche Gäste aus der Bevölkerung. Darunter Benjamin, ein Junge im Kostüm der Feuer- und Eisdrachen, der seine Schwester Laura begleitet hatte. Sie ist Teil der Garde, die zum Einsturz der Mauer beigetragen hatte. Etliche lustige Kostüme gab es außerdem zu sehen. „Eine tolle Werbung fürs Geschäft“, befand Präsident Auerbach. In der nächsten Kampagne wird der Verein die Stadtprinzessin stellen, in der darauffolgenden das Jubiläum 150 Jahre feiern.

Auf die Besucher warteten aber nicht nur freie Getränke. Bei der 22. Auflage kamen letztlich 635 Euro an Spendengeld zusammen. „Wir erhöhen natürlich wieder auf 666,66 Euro“, versprach Helmut Bruch.

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