Mannheim Mittelaltermarkt im Herzogenriedpark: Sebastian Köhler als Ritter mit 95-Kilo-Rüstung dabei

Ritter Sebastian zu Thüringen von der Ebersburg (rechts) und sein gesamtes Lager.
Ritter Sebastian zu Thüringen von der Ebersburg (rechts) und sein gesamtes Lager.

Der Mannheimer Sebastian Köhler ist als „Ritter Sebastian zu Thüringen von der Ebersburg“ auf Mittelaltermärkten unterwegs. Am Wochenende auf dem Markt im Herzogenriedpark.

Wie wird man Ritter? Im Fall von Softwareentwickler Sebastian Köhler waren es vor 24 Jahren Rückenschmerzen. Bis zu 16 Stunden am Tag saß er am Schreibtisch. „Den Rest habe ich geschlafen. Ich hatte fürchterliche Rückenschmerzen“, erzählt der heute 49-Jährige. Als sein Arzt ihm verordnet hatte, dass er dagegen Sport treiben könne und er sich ein Hobby an der frischen Luft suchen solle, war guter Rat zunächst teuer: „Ich bin furchtbar unsportlich. Beim Besuch eines Mittelaltermarktes sei dann die Idee entstanden: „Ich werde Ritter.“ Und nicht irgendeiner, sondern in Vollausstattung: „Schwert, Schild, Kettenhemd und Helm haben zusammen 600 Euro gekostet.“

Es war das Jahr 2001 und der Anfang seiner neuen Laufbahn. Zumal zu dieser Grundausstattung noch Polsterhauben, Gürtel und vieles andere mehr hinzugekommen sind. „Das war mein Training. Ich war im Jahr zwischen Ende Februar und Mitte November auf 26 Mittelaltermärkten und bin dort mit meiner Rüstung umhergelaufen. Wenn ich mittwochs keinen Muskelkater mehr hatte, habe ich die Rüstung schwerer gemacht.“ Heute wiegt seine komplette Ausstattung zwischen 90 und 95 Kilogramm. „Allein das Kettenhemd bringt es auf 26 Kilo.“

„Bei einem Markt ist einer Gruppe aus Thüringen ein Ritter ausgefallen. Die waren dort für Aufführungen gebucht und haben mich gefragt, ob ich bei ihnen mitmachen könnte.“ Das Leben auf der Burg, aber auch Zweikämpfe habe er absolviert. „Das habe ich zwei Jahre gemacht. Dafür haben sie mich nach Thüringen auf die Ebersburg eingeladen und mich dort symbolisch zum Ritter geschlagen.“ Seither lagert er unter diesem Namen auf Mittelaltermärkten. Auch in Mannheim. „Das ist für mich der Saisonauftakt.“ Auch wenn die Ausflüge mittlerweile mit Ehefrau Nina und den vier Kindern weniger geworden sind. „Zwischen sechs und acht Märkte machen wir noch im Jahr.“ In einem eigenen Zeltlager. „Ich habe neun Zelte mit einer Gesamtfläche von 150 Quadratmetern. Wenn ich mein gesamtes Lager aufbaue, brauche ich um die 1000 Quadratmeter“, so der Thüringer Ritter aus Mannheim. Frau und Kinder helfen ihm beim Aufbau. Einen Geschäftskollegen und ein befreundetes Ehepaar habe er von seinem Hobby überzeugt. „Ich spreche immer wieder Interessierte an, ob sie nicht ein bisschen Ritter werden wollen.“ Gerade amerikanische Marktbesucher habe er so schon häufiger überzeugt. „Und bei mir hat sich über die Jahre so viel Material angesammelt, dass ich eine Menge Leute ausstatten kann.“

Aber Ritter Sebastian ist nicht der einzige Höhepunkt. Im Zeltlager treffen Wikinger auf Kelten und Kreuzfahrer auf Germanen. Rund 130 Aussteller hat Organisator Wolfgang Adrian im Herzogenriedpark versammelt. Sie alle gemeinsam und selbstverständlich auch die fahrenden Händler locken zu ritterlichem Schmaus bei Livemusik am Abend Schneiderinnen und Marktfrauen gehören dabei ebenso zum Gesamtbild wie Schmiede, Böttcher, Brandmaler und Tuchhändler oder der „Hässliche Hans“ als besonderer Bettler. Und möglicherweise mischen sich einige Hexen und Beutelschneider unter die Parkbesucher. Für Kinder gibt es Märchenerzählerin oder auch mittelalterliche Spiele wie Eier knacken oder Speerwerfen und vieles andere mehr. Und weil das alles Hunger und Durst macht, gibt es selbst gebrautes Bier, Fruchtwein oder ein Stück frisches Holzofenbrot. Und selbstverständlich tummelt sich Ritter Sebastian und sein gesamtes Lager ebenfalls mitten im Park.

Termin

Geöffnet hat der Mittelaltermarkt im Mannheimer Herzogenriedpark am Freitag, 14. März, 15 bis 21 Uhr, am Samstag, 15. März, 11 bis 21 Uhr und am Sonntag, 16. März, 11 bis 18 Uhr.

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