Ludwigshafen Mit Volldampf und einer Vision
Mit Volldampf ist der „El Achai“-Friedenszug unterwegs. Am vergangenen Mittwoch ist der von einer historischen Dampflok gezogene Zug durch Ludwigshafen gefahren und hat über die Konrad-Adenauer-Brücke den Rhein überquert. Dabei hat die Dampfpfeife mächtig getutet und den Blick der Passanten auf der Rheinpromenade auf sich gezogen.
Der historische Zug ist seit einigen Jahren in Europa unterwegs und soll Völker verbinden. Drei Schlafwagen mit insgesamt 180 Betten, ein Speisewagen sowie ein Gepäck-und Werkzeugwaggon und ein Kommunikationswagen stehen für den Zug zur Verfügung. Ins Leben gerufen hat das Projekt Uwe Fiedler. Er sammelt gemeinsam mit dem Verein „El Achain“ Geld, um seinen großen Traum zu verwirklichen: Mit dem Dampfzug 14.000 Kilometer durch 18 Länder zu fahren – von der Schweiz über den Balkan bis in den Nahen Osten nach Jerusalem und zurück. „Frieden und Freiheit – für jeden Einzelnen, für alle Völker“, das ist die Botschaft, die Fiedler und sein Team verbreiten wollen. Nach eigenen Angaben hat der Verein 300 Mitglieder und ist nach dem Aramäischen Begriff für „Unter Brüdern und Schwestern“ benannt. Doch leider finden die Friedensaktivisten nicht überall Gleichgesinnte: Die große Reise hätte nach mehrjähriger Vorbereitung eigentlich schon 2017 stattfinden sollen. Die Planer sind laut ihrer Webseite aber immer noch mit Bahngesellschaften und Botschaften der jeweiligen Länder im Gespräch, durch die der Zug rollen soll. Für die Türkei gibt es bisher keine Durchfahrtserlaubnis. Eine Fahrt durchs Bürgerkriegsland Syrien scheint derzeit unmöglich. Und im Libanon fehlt ein ganzes Stück Gleisstrecke, um nach Israel zu kommen. In einschlägigen Bahnforen wird heftig bezweifelt, ob der Friedenszug jemals auf die große Fahrt gehen wird. Der Sonderzug sei Wunschdenken – neben den Krisen im Nahen Osten fehle es an den entsprechenden Schienenabschnitten. Zugleich stellen Kritiker die Seriosität des Vereins in Frage, weil für das Projekt dennoch eifrig Spenden gesammelt werden. Der Verein selbst betont, dass er eine klare ideelle Ausrichtung habe und auf gemeinnütziger Basis arbeite. Der Nahe Osten scheint jedenfalls noch in weiter Ferne zu sein. Und so rollt der Friedenszug erst einmal weiter durch die Schweiz, Österreich und Deutschland.