Ludwigshafen Mit vereinter Kraft Halle gebaut
«Limburgerhof.» Gut 90 Mitglieder der Turngemeinde 1904 (TG 04) leisteten vor mehr 50 Jahren schier Unglaubliches. In 29.000 Arbeitsstunden bauten sie nach Feierabend und am Wochenende die Jahn-Turnhalle auf. Das wird am Freitag, 23. November, mit einem Jubiläumsfestabend gefeiert. Dabei werden die einstigen „Turner-Maurer“ geehrt.
Sehr einladend präsentiert sich das Heim der TG-ler. Unter seinem Dach ist alles vereint, was der Verein so braucht: von der Turnhalle über die Gaststube bis zum Vorstandszimmer samt Lager. Doch nur wenigen dürfte bekannt sein, dass die TG-Turnhalle früher einmal in der Parkstraße war. Die BASF hatte dem Turnverein dort auf dem vereinseigenem Gelände Halle und Turnplatz gebaut. Eingeweiht wurde das Gebäude mit einer Bodenfläche von gut 240 Quadratmetern im November 1921. Es gab eine kleine Bühne, Umkleiden, Toiletten, elektrische Beleuchtung und Heizung mit Gasöfen. Für Feste und Veranstaltungen gab es 350 Sitzplätze. Als die BASF 1928 Eigenbedarf für das gesamte Grundstück anmeldete, pachtete der Turnverein ein Gelände, damals im Besitz der Gemeinde Mutterstadt, entlang der Bahnlinie am heutigen Ginsterplatz. Dort wurde die Turnhalle dann von der einheimischen Baufirma Kuhn wieder aufgebaut und dabei auch unterkellert. Um die Kosten möglichst niedrig zu halten, halfen viele Turner ehrenamtlich mit. Die Arbeiten gingen gut voran, ist in der Vereinschronik nachzulesen. Am 19. und 20. Juli 1930 wurde die Halle am neuen Standort eingeweiht. 1966 war die Turnhalle „in die Jahre gekommen“ und genügte nicht mehr den Erfordernissen. Die Anzahl der Mitglieder und Abteilungen war gestiegen, es waren laut Chronik 700 Mitglieder in 15 Abteilungen. Mehr als die Hälfte der Trainingsstunden mussten schon in den Sporthallen des Jugendzentrums und der Carl-Bosch-Schule abgehalten werden. Zunächst sollte die Halle vergrößert werden, indem auch die Wirtschaftsräume mitgenutzt werden sollten. Dann jedoch war die Halle wegen geplanter Änderungen der Straßenführung im Weg. Die Idee, die Halle um 90 Grad zu drehen, wurde aufgrund des Alters des Gebäudes verworfen. Somit war der Abriss der „alt’n Scheier“, wie die Turner ihre Halle liebevoll nannten, besiegelt und der Bau einer neuen Halle beschlossen. Der erste Spatenstich war im April 1967. Die neue Halle in Stahlbeton-Skelettbauweise hatte eine Fläche von 375 Quadratmetern, allein die Bühne maß fast 40 Quadratmeter. Die Arbeiten am Neubau und beim Abriss der alten Halle stemmten die Mitglieder in ehrenamtlicher Eigenleistung. Koordinator auf der Baustelle war der damalige Vorsitzenden Reinhold Ulrich. Er plante die Arbeitseinsätze und führte Buch darüber: Laut seiner Aufzeichnungen leisteten die 89 Vereinsmitglieder nahezu 29.000 Arbeitsstunden. Bis zu 20 Männer werkelten wochentags zwei bis drei Stunden nach Feierabend auf der Baustelle, samstags sogar den ganzen Tag. Sonntags trafen sich die Helfer zum Frühschoppen. Dann wurde die bereits geleistete Arbeit begutachtet und das Pensum für die kommende Woche besprochen. Im Winter, wenn es früh dunkel wurde, behalfen sich die „Turner-Maurer“, wie sie in einem RHEINPFALZ-Bericht zum Richtfest genannt wurden, mit großen Scheinwerfern. All der Enthusiasmus und das Engagement hatten sich ausgezahlt, nach 19 Monaten Bauzeit wurde die Jahn-Turnhalle, wie sie fortan hieß, am 23. November 1968 eingeweiht. Es gab eine Turnhalle, Bühne, die gemütliche Gaststube – die Jahnstube - mit großer Küche, sanitären Anlagen, Umkleide- und Geräteräume. Im Keller bekamen die Schützen ihren Schießstand, die Karnevalsabteilung Limburgerhofer Hofnarren (LiHoNa) ihr Domizil, und ein Vorstandszimmer und das Lager wurden eingerichtet. In den vergangenen 50 Jahren fielen viele kostenträchtige Arbeiten an der Jahn-Turnhalle an, zum Beispiel die umfangreiche Sanierung und Anhebung des Dachs, der Austausch der witterungs-gebeutelten Glasbausteine gegen Gussglasfenster, die Erneuerung des Hallenbodens und vieles mehr. Und jedes Mal konnte die TG 04 auf ihre Mitglieder zählen. Termin Jubiläumsfestabend „50 Jahre Jahn-Turnhalle“ der TG 04 am Freitag, 23. November, 18 Uhr, in der Halle, Buchenweg 13, mit Unterhaltungsprogramm, Ehrung der damaligen ehrenamtlichen Helfer und einem Dia-Vortrag von TG04-Archivar Adolf Weber.