Ludwigshafen Mit richtigem Futter Vögeln über den Winter helfen

Für viele heimische Vögel ist der Winter eine harte Zeit, was die Futtersuche betrifft – in den kalten Monaten ist das Angebot sehr knapp. Vogelfreunde können durch Zusatzfütterung Abhilfe schaffen. Doch bei der Wahl der Futtermischung und des geeigneten Vogelhäuschens gilt es einiges zu beachten.
„Bis vor etwa 20 Jahren war die Vogelwelt bei uns noch in Ordnung“, sagt der Ludwigshafener Vogelexperte Franz Stalla. Im Laufe der Jahre habe sich die Situation jedoch geändert. Der Bestand einiger Vogelarten nahm in der Vorderpfalz stark ab. Die Gründe für den Rückgang sind laut Stalla vielseitig. In der Landwirtschaft führten neue Anbaumethoden wie etwa der Folienanbau oder der verstärkte Einsatz von Schädlingsbekämpfungs- und Düngemitteln zu einer zunehmenden Nahrungsknappheit für die heimischen Vögel. Ein weiterer Grund sei die Ausweitung des menschlichen Siedlungsraums in den Lebensraum der Tiere hinein. Die Folge laut Stalla: Vogelarten der Feldflur, wie etwa Fasan, Rebhuhn, Kiebitz oder Feldlerche, sind in der Vorderpfalz fast komplett verschwunden. Doch auch der Bestand der „Allerweltsvögel“, zu denen Amseln, Sperlinge, Grünlinge und Buchfinken zählen, gibt Stalla Anlass zur Sorge: der Bestand sei um 50 bis 80 Prozent zurückgegangen. Um diesem Negativtrend – zumindest bei den Arten im menschlichen Siedlungsraum – entgegenzuwirken, können Vogelfreunde helfen. Etwa durch das Aufstellen von Vogeltränken, künstlichen Niststätten sowie in der kalten Jahreszeit die Zusatzfütterung. Manchem Vogel könne man so die harte Winterzeit erleichtern – und sogar Lebensretter sein, sagt Stalla. Die Kohlmeise etwa verliere bei Minusgraden in einer Nacht bis zu zehn Prozent ihres Körpergewichts. „Wenn der Vogel dann ohnehin noch mangelernährt ist, macht er es nicht mehr lange“, sagt Stalla. Wer Vögel füttern will, sollte allerdings einiges beachten: die Kleinvogelwelt unterteilt sich in Körner- und Insektenfresser. Die erste Gruppe frisst vorwiegend Wildsamen. Ihr bietet man am besten Streufutter (etwa Sonnenblumenkerne) an, das man fertig kaufen kann. Insektenfresser finden im Winter nur sehr wenig Nahrung. Hier füttert man am besten mit einer Mischung aus Insektenschrot, das es im Fachhandel gibt. Wer sein Vogelfutter lieber selbst herstellen möchte, dem empfiehlt Stalla eine Mischung aus handelsüblichen Haferflocken, die in warmes Speiseöl eingerührt werden. Diese Futtermischung könne man das ganze Jahr über anbieten, denn sie werde von allen Vögeln – ob jung, alt, Körner- oder Insektenfresser – gerne gefressen. Bei der Ganzjahresfütterung sei darauf zu achten, während der Brut- und Aufzuchtzeit der Jungvögel im Frühjahr kein Körnerfutter anzubieten, da die jungen Tiere die Körner noch nicht vertragen. Als Futtermittel ist auch hier die „Haferflockenmampfe“ besser geeignet. Die Winterfütterung mit Körnern sollte daher nur von November bis Ende Februar erfolgen, danach beginnt die Brutzeit. Stalla empfiehlt wetterfeste Futterhäuschen oder ein Silo-Futterhaus: der Vogel könne von einer Stange aus fressen, ohne das Futter zu verkoten. Damit das Futter sicher vor Mäusen oder Ratten ist, sollte es freistehend auf einem Stiel aufgestellt werden. Auf Balkon oder Terrasse bieten sich kleine Fensterfutterhäuser an. Ein großer Teil der Kleinvögel überwintert im Süden. Zu Arten, die im Winter hier bleiben, zählen: Haus- und Feldsperlinge, Grünlinge, Kohl- und Blaumeisen, vereinzelt auch Bergfinken, alle aus der Gruppe der Körnerfresser, sowie Amseln, Rotkehlchen, Kleiber und Meisen, die alle Weichfresser sind. (awac)