Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Mit NHL-Star in einem Team

Mit Leon Draisaitl spielte Felix Stokowski bei den Jungadlern. Draisaitl spielt nun in Edmonton in der NHL.
Mit Leon Draisaitl spielte Felix Stokowski bei den Jungadlern. Draisaitl spielt nun in Edmonton in der NHL.

Eishockey: Felix Stokowski spielt in seiner Jugend mit den größten deutschen Talenten. Doch nach einer Deutschlandreise in verschiedenen Eishockeyklubs trifft er eine harte Entscheidung. Statt Profi wird er Kaufmann – die Geschichte einer ungewöhnlichen Karriere.

Vor vier Jahren fällte der Ludwigshafener Eishockeyspieler Felix Stokowski eine Entscheidung. Eine Entscheidung, die sein Leben grundlegend verändern würde. Er entschloss sich – im Alter von gerade einmal 23 Jahren – seine Profikarriere zu beenden und eine Umschulung zu starten. Er wollte einem geregelten Leben nachgehen. Es sollte sich im Nachhinein als richtig erweisen. Dem Sport blieb er dennoch treu.

Durch glückliche Umstände gelangte Stokowski im Alter zwischen sechs und sieben Jahren zum Eishockey. Vorher spielte er etwas Fußball – nur ein Jahr lang. Doch seine Eltern nahmen den damaligen Grundschüler spontan mit zu einer Partie der Adler Mannheim mit. „Das war damals noch im Friedrichspark“, berichtet Stokowski. Er hatte Gefallen am Sport gefunden.

Und wie der Zufall so spielte, lasen seine Eltern in einer Zeitung von einem Schnuppertraining beim ERC Ludwigshafen. Der Verein suchte nach Jugendspielern. Stokowski ging dorthin und spielte mit. Beim ERCL blieb er vier Jahre. Anschließend folgte der Wechsel über den Rhein. Erst landete Stokowski bei den Mad Dogs und dann beim Mannheimer ERC. Die Adler Mannheim wurden auf ihn aufmerksam und verpflichteten ihn für ihre Juniorenmannschaft.

Drei Mal deutscher Meister

Fast zehn Jahre ist es her, da spielte Felix Stokowski noch an der Seite der talentiertesten deutschen Eishockeyspielern seines Jahrgangs. In dieser Zeit absolvierte der Ludwigshafener neben dem Sport seine erste Ausbildung zum Automobilkaufmann. Aber auch sportlich war der Erfolg da. Mit dem DNL-Team der Adler Mannheim wurde er gleich drei Mal deutscher Meister. Das war von 2009 bis 2012. Seine damaligen Mitspieler waren unter anderem der heutige NHL-Star Leon Draisaitl und Dominik Kahun, der ebenfalls in der besten Eishockeyliga der Welt spielte.

Eine solchen Verlauf nahm die Karriere von Felix Stokowski allerdings nicht. Die Adler verliehen ihn in die Oberliga (3. Liga) nach Frankfurt. „Dort hatte ich es schwer mich durchzusetzen. Frankfurt wollte aufsteigen und ich bekam wenig Eiszeit. Junge Spieler wurden vernachlässigt“, bedauert Stokowski. Über Hamburg landete er schließlich in Heilbronn. Dort lief es zwar für das Team nicht gut, da es gegen den Abstieg kämpfte. Für den Verteidiger war der Wechsel allerdings Gold wert. „Das war ein gutes Jahr für mich. Ich bekam viel Spielzeit“, sagt der Sportler.

Vom Neckar ging es nach nur einer Saison an die Nordsee nach Bremerhaven. „Das war mit die beste Zeit für mich“, erinnert sich Felix Stokowski. Mit den Fischtown Pinguins Bremerhaven wurde er Vizemeister. Damals war er 21 Jahre alt. Die Stadt bot wenig, aber schlecht fand er das nicht. „Bremerhaven ist eine reine Eishockeystadt, und der Klub ist sehr familiär“, weiß er. Der Verteidiger landete letztendlich in Leipzig bei den Icefighters in der Oberliga. In Leipzig gefiel es Stokowski auch. „Es waren immer 2500 bis 3000 Zuschauer in der Halle“, berichtet Stokowski.

Harter Schnitt

Noch immer hoffte er darauf in die DEL (Deutsche Eishockey Liga) zu kommen. Der Wunsch zerschlug sich jedoch und er beendete seine Profikarriere – mit 24 Jahren. „Das Ziel war die DEL. Ich habe den Sprung nicht geschafft. Ich habe gemerkt, dass es so nicht weitergehen kann“, erklärte Stokowski die Entscheidung.

Obwohl er Angebote aus der Zweiten und Dritten Liga hatte, ging er einen anderen Weg. Es sei die härteste und schwierigste Entscheidung gewesen, sagt er. Ein Leben als Profisportler aufzugeben um zu arbeiten. Eine ungewöhnliche Wahl, aber eine mit Weitsicht. „Ich bin ein Familienmensch, und mein größter Wunsch ist es, eine eigenen Familie zu haben“, sagt Stokowski. Das wolle er in Ludwigshafen, seiner Heimat. Kein Wunder, ist man – gerade als Eishockeyprofi – oft in der Situation umziehen zu müssen.

Seit vier Jahren lebt und arbeitet Stokowski nun wieder in seinem Geburtsort Ludwigshafen. Allerdings nicht mehr als Automobilkaufmann, sondern als Immobilienkaufmann bei Muhlert in Ludwigshafen. „Ich machte von 2017 bis 2019 eine Umschulung“, berichtet er. Mit der Entscheidung, seine Karriere zu beenden, ist er glücklich. Das Kapitel sei abgehakt. „Die Arbeit ist wie ein Hobby. Ich hätte nie gedacht, dass mich etwas so glücklich macht und erfüllt. Ich arbeite in einer super Firma mit tollen Kollegen“, sagt Stokowski.

Seiner Leidenschaft, dem Eishockeyspielen, kann er immer noch nachgehen. Das macht der 27-Jährige nun beim EHC Zweibrücken in der Regionalliga Südwest. Die Strecke von Maudach – wo er lebt – in die Westpfalz nach Zweibrücken, nimmt er gerne in Kauf. Zum einen, weil ihm das Eishockeyspielen noch Spaß macht und zum anderen, weil er eine Aufwandsentschädigung bekommt.

Fahrgemeinschaft zum ERC

Doch nach Zweibrücken fährt er nie allein. Seine Teamkollegen Fabian Fellhauer und Chris Werth sitzen mit im „Vorderpfälzer-Auto“. Ob es auch in Zukunft bei der Dreiergemeinschaft bleibt, steht noch nicht fest. „Es gibt immer Einjahresverträge. Nach der Saison gehen die Gespräche los“, erklärt Stokowski. Die ist für den EHC im Halbfinale der Play-offs beendet. Und in der aktuellen Corona-Krisenzeit ist alles anders.

Obwohl seine Profizeit viele Jahre zurückliegt, würde Stokowski dennoch gerne herausfinden, ob er es noch mit den Besten in Deutschland aufnehmen kann. „Nach einem Jahr mit einem Personaltrainer und meinem gewachsenen Selbstvertrauen, ja“, sinniert er. Es bleibt wohl beim Gedanken. Der junge Immobilienkaufmann ist glücklich, so wie es ist.

Felix Stokowski (Dritter von links) spielt nun beim EHC Zweibrücken. Ihn reizt es herauszufinden, ob er noch Profis mithalten kö
Felix Stokowski (Dritter von links) spielt nun beim EHC Zweibrücken. Ihn reizt es herauszufinden, ob er noch Profis mithalten könnte.
Felix Stokowski arbeitet derzeit als Immobilienkaufmann.
Felix Stokowski arbeitet derzeit als Immobilienkaufmann.
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