Ludwigshafen Mit neuer Kraft nach Babypause

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Ludwigshafen. Sina Stengel (Tae Kwon Do & Kickbox Club Frankenthal) ist nach einer Babypause 2013 auf die Kampffläche zurückgekehrt. Und das erfolgreicher denn je. Ende 2015 gewann die 24-Jährige aus Ludwigshafen bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart den Titel.

Dabei hätte ihre Karriere als Taekwondo-Kämpferin schneller vorbei sein können, als sie begonnen hatte. Bei ihrem ersten Kampf, im Alter von sieben Jahren, hatte Stengel schon nach wenigen Sekunden die Faust ihrer Gegnerin im Gesicht. Die erste Reaktion waren Tränen. Die zweite Reaktion vieler junger Kampfsportler ist in solch einem Fall ist, dass sie sich einen anderen Sport suchen. Sina Stengel jedoch suchte sich keinen anderen Sport. Sina Stengel kämpfte sich durch, ignorierte die Tränen und die Niederlage. „Das hat mich erst recht angestachelt. Ich wollte beweisen, dass ich es kann“, erzählt die Ludwigshafenerin. Zuvor hatte sie sich als Tennisspielerin versucht, aber recht schnell festgestellt, dass aus ihr keine Steffi Graf werden würde. Dass aus ihr eine gute Taekwondo-Kämpferin werden würde, war hingegen recht schnell klar. Im Alter von zwölf Jahren gewann sie ihren ersten Titel bei Rheinland-Pfalz-Meisterschaften, bald folgten die ersten Erfolge bei deutschen Meisterschaften, 2009 dann die erste Teilnahme an den Weltmeisterschaften des Verbandes WKA (heute WKU). Dort, im spanischen Huelva, erreichte Stengel den zweiten Platz, obwohl sie sich fünf Monate vor den internationalen Meisterschaften die Bänder gerissen hatte, mehrere Wochen lang nicht trainieren konnte. Die WM-Silbermedaille zu gewinnen, war der bisher größte Moment ihrer Karriere. Und wird es für immer bleiben – selbst wenn sie bei einer zukünftigen Weltmeisterschaft weitere Goldmedaillen gewinnen sollte. „Es waren meine ersten internationalen Meisterschaften. Und dann habe ich gleich Edelmetall gewonnen. Ich war damals wie auf Wolke sieben, das war schon etwas Besonderes“, sagt Stengel. Wenn sie darüber spricht, merkt man ihr an ihrem Gesichtsausdruck und an ihrer Gestik an, wie sehr sie die Gedanken an das Geleistete noch immer berühren. Doch im Leben von Sina Stengel gibt es nicht nur Momente, auf die sie stolz ist. Momente, die sie im positiven Sinne berühren. Es gibt auch Momente, die sie gerne rückgängig machen würde. Vermutlich auch vergessen. 2011 war so einer. Da brach sie, kurz vor dem Abitur, die Schule ab. Sie sagt, sie sei mit dem einen oder anderen Lehrer nicht mehr klargekommen. „Ich bereue es bis heute, dass ich das gemacht haben“, sagt Stengel. Sie hat sich damit beruflich ziemlich viele Zukunftschancen verbaut. Eigentlich wollte sie nach einer kurzen Auszeit eine Ausbildung beginnen. Doch kurze Zeit später war sie schwanger. Im Sommer 2012 kam dann ihr Sohn Alessandro zur Welt. Der Sport war von nun an erst einmal nebensächlich. „Ich gehe seitdem in der Mama-Rolle auf“, sagt Stengel: „Ich vermisse es jedoch schon, den Sport so zeitintensiv wie früher auszuüben. Aber für das Kind verzichte ich auch gerne darauf.“ Doch schnell stand für sie fest: Ganz mit Sport aufhören will sie nicht. Dafür gibt ihr der Sport zu viel, hat eine zu große Bedeutung für sie. Also ging sie wieder ins Taekwondo-Training. Wenn auch nur noch einmal die Woche. Am Anfang eher nur, um etwas für sich zu tun. Bald aber, um sich auf Turnieren wieder mit anderen zu messen. Bei ihrem ersten Wettkampf nach der Babypause, den deutschen Meisterschaften 2013, holte sie auf Anhieb zwei Medaillen. Eine goldene und eine silberne. Sie hat nun bereits eine zweistellige Anzahl an Titeln bei nationalen Meisterschaften geholt. In diesem Jahr gewann sie auch bei den Weltmeisterschaften des Verbandes IAKSA in Stuttgart die Goldmedaille im Formenlaufen. Und das, obwohl sie mittlerweile nicht nur Mama ist, sondern auch noch eine Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement absolviert. Sie hat lange gesucht, bis sie etwas Passendes gefunden hat. Es ist scheinbar einfacher, als Mama erfolgreich in den Sport zurückzukehren, als als Mama in den Beruf einzusteigen. Stengel macht den Eindruck, glücklich zu sein, dass sie das geschafft hat. „Mir war, nachdem ich die Schule geschmissen habe, immer klar gewesen, dass ich beruflich etwas machen will“, sagt die Ludwigshafenerin. Von der „Niederlage“ des Schulabbruchs hat sie sich nicht völlig umhauen lassen. Auch wenn es die eine oder andere Träne gegeben haben mag.

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